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Übernahme Bayer und Monsanto wollen die Welt ernähren

Für 50 Milliarden Euro will Bayer den Saatgutkonzern Monsanto übernehmen und in Zeiten des Klimawandels die Ernährung der Welt sichern. Doch Umweltschützer schlagen Alarm.

Demonstration in Paris
In Paris (Frankreich) demonstrieren Menschen gegen die Fusion von Bayer mit Monsanto. Foto: afp

Das Top-Thema der Aktionärshauptversammlung an diesem Freitag formuliert die Bayer AG reichlich verschwiemelt: Laut Tagesordnungspunkt eins wird es einen „erläuternden Bericht des Vorstands zu den übernahmerelevanten Angaben als Teil des zusammengefassten Lageberichts für das Geschäftsjahr 2017“ geben. Gemeint ist die bevorstehende Übernahme des US-Saatgut- und Pestizidherstellers Monsanto, die Bayer seit 2016 betreibt. Dabei handelt es sich mit einem Volumen von rund 62,5 Milliarden Dollar um die bislang größte Übernahme eines ausländischen Unternehmens durch einen deutschen Konzern. Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen zum transatlantischen Megadeal.

Was wächst da zusammen?
Mit der Übernahme wird Bayer zum weltweit größten Anbieter für Saatgut und Pflanzenschutz. Welche Dimension das Geschäft hat, verdeutlichen Unternehmenszahlen für das vergangene Jahr: 2017 erlöste Bayer mit rund 100 000 Beschäftigten gut 35 Milliarden Euro, das Konzernergebnis stieg um fast 62 Prozent auf 7,34 Milliarden Euro nach Steuern und Abschreibungen.

Monsanto, das weltweit rund 21 000 Beschäftigte zählt und zu den 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA gehört, setzte 15 Milliarden US-Dollar um und fuhr einen Gewinn von 2,3 Milliarden US-Dollar ein. Angesichts solcher Daten halten manche Analysten den Kaufpreis aber für überhöht. Das sehen offenbar auch viele Anleger so: Der Kurs der Bayeraktie gab im Vergleich zum Mai 2017 um gut zehn Prozent nach und notiert derzeit bei 103 Euro.

Warum zahlt Bayer einen so hohen Preis?
Weil es, platt gesagt, um die Ernährung der Welt geht. So jedenfalls lässt sich die Begründung der Konzernleitung um Vorstandschef Werner Baumann für die Übernahme zusammenfassen: Die Menschheit wächst weiter, bis 2050 auf vermutlich zehn Milliarden Individuen, während der Klimawandel viele Agrarflächen unbrauchbar machen wird. Die Lösung sieht Bayer in einer fortschreitenden Optimierung landwirtschaftlicher Erträge, vornehmlich durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch veränderten Nutzpflanzen. Hinzu kommen digital gesteuerte Maschinen, die zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit messen und quadratmetergenau säen, wässern, düngen und Pestizide ausbringen. In vielen Bereichen dieses „Smart Farming“ ist Monsanto führend. Aus Sicht des Bayer-Vorstands stellt die Übernahme daher eine strategische Konzernentscheidung für die kommenden Jahrzehnte dar.

Wo liegen die Risiken?
Zum einen, wie erwähnt, im Kaufpreis. Mehr als 50 Milliarden Euro sind eine ziemlich hohe Wette auf die Zukunft, zumal der Weltmarkt für Saatgut und Pestizide zuletzt nicht so toll lief. Zwar rechnen die Leverkusener im Zuge der Übernahme mit Einsparungen. Die zunächst avisierten 1,5 Milliarden Euro pro Jahr werden aber wohl nicht erreicht werden, wie Finanzvorstand Johannes Dietsch unlängst einräumte. Zudem verursachen Übernahmen in der Regel erst einmal hohe Kosten. Nicht von ungefähr brachte der Bayer-Konzern vor wenigen Tagen einen 14-Prozent-Anteil am einstigen Tochterunternehmen Covestro für 2,2 Milliarden Euro an die Börse, um sich für den Monsanto-Kauf zu rüsten.

Zum anderen stehen sich dies- und jenseits des Atlantiks unterschiedliche Unternehmenskulturen gegenüber. Wie sehr solche Unterschiede einem gedeihlichen Miteinander im Wege stehen können, zeigt die Fusion von Daimler und Chrysler im Jahr 1998: Die zunächst als „Hochzeit im Himmel“ gepriesene Megafusion wurde 2010 wieder gelöst, nachdem die Stuttgarter über Jahre hinweg Milliardenverluste des drittgrößten Autobauers der USA aufgefangen hatten, ohne ihre unternehmerischen Vorstellungen in Michigan durchsetzen zu können. Das dritte und größte Risiko birgt das eigentliche Geschäftsfeld von Bayer-Monsanto: Es ist nämlich keineswegs ausgemacht, ob die weitere Technisierung und Industrialisierung des Agrarsektors tatsächlich die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung gewährleisten kann; oder ob die Hightech-Variante der Nahrungsmittelerzeugung vielmehr die Grundlagen einer dauerhaft tragfähigen Landwirtschaft zerstört, wie Kritiker meinen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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