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Uber Die Rückkehr des Taxischrecks

Der Fahrtenvermittler Uber greift wieder den deutschen Taxi-Markt an. Damit Uber seinen Dienst großflächig anbieten kann, muss der Bund Bestimmungen ändern.

A taxi driver listens to speeches by his colleagues, during an Europe-wide protest of licensed taxi drivers against taxi hailing apps that are feared to flush unregulated private drivers into the market, in Berlin
Uber will in der deutschen Taxi-Szene nochmal durchstarten. Foto: REUTERS

Travis Kalanick, der mit seinem Fahrtenvermittler Uber gerade die Taxi-Branche weltweit aufmischt, trägt rote Sneaker und grün-weiß kariertes Hemd, als er am Dienstagabend seine Charmeoffensive in Berlin startet. Er spricht auf dem Start-up-Campus Factory in Berlin-Mitte. Sein Thema: Eine Anleitung zum Unternehmertum für Geeks, Computer-Nerds also. Doch eigentlich erklärt Kalanick sich selbst: Wie er mit elf Jahren zu programmieren begann, an Mathe-Olympiaden teilnahm, auf dem Schulhof schikaniert wurde. Kalanick lächelt, am Ende hat er den Raum für sich gewonnen.

Uber will in Deutschland nochmal durchstarten - und dazu ist es bitte nötig, die Wahrnehmung des Gründers aufzupolieren. Kalanick steht wie kein Zweiter für das aggressive Vorgehen des Silicon Valley: Erst vor sieben Jahren gegründet, ist Uber inzwischen in 467 Städte expandiert, aufgepumpt mit 12 Milliarden Euro Risikokapital und berüchtigt für seine ruppige Gangart, immer knapp am Rande der Legalität. 

Im April 2014 startete Uber mit Fahrern ohne Taxi-Schein. Das Ergebnis: Gerichte verboten Ubers Dienste. Inzwischen  hat Uber auch andere Dienste in den meisten Städten wieder einstampft. 

Zumindest vorerst. Denn Travis Kalanick tritt inzwischen zwar sanfter auf, aber er ist nicht der Typ, der aufgibt. Daran lässt er auch in Berlin keinen Zweifel: Champions, erklärt er den Zuhörern, zeichneten sich dadurch aus, dass sie wieder aufstehen, wenn sie niedergeschlagen werden. „Und wenn man immer wieder aufsteht, wird es ziemlich schwer zu verlieren.“

Noch in diesem Monat soll in Berlin das Angebot UberX starten - mit professionellen Fahrern von Mietwagenunternehmen. Andere Städte sollen folgen. Und Uber hat noch einen Trumpf in der Hand: UberPool nennt sich der Dienst, der auf UberX aufsetzt, aber eine Besonderheit hat: mehrere Mitfahrer, die in dieselbe Richtung wollen, können sich ein Uber teilen.  Der Fahrer nimmt auf der Fahrt einfach weitere Mitfahrer auf - und die Passagiere zahlen nur noch maximal die Hälfte des Fahrpreises. 

Das Problem ist nur: Damit Uber den Dienst großflächig ausrollen kann, muss der Bund Bestimmungen ändern, die das UberPool-Modell bislang verbieten. Es ist nicht der einzige Gesetzesänderung, die der US-Konzern durchsetzen möchte: Die Ortskenntnisprüfung, die jeder ablegen muss, der einen Taxi-Schein will, hält Uber im Zeitalter von Navigationssoftware für überflüssig. Ebenso die so genannte Rückkehrpflicht für die Fahrzeuge von Chauffeurdiensten, nach denen die Autos nach jeder Fahrt an den Betriebssitz zurückkehren müssen.

Ubers neue Strategie: Kein Frontalangriff mehr, sondern viele kleine Änderungen, die den Uber-Angriff auf den Taxi-Markt doch noch möglich machen sollen. Die neue Botschaft: „Wir passen unser Modell den deutschen Gegebenheiten an und arbeiten hart daran,dass sich die deutschen Regulierungsbehörden und Regierungsbeamten im Gegenzug auch etwas auf uns zu bewegen,“ erklärt Kalanick in Berlin. Es ist eine viel leiserer Strategie – und eine mit erheblich höheren Erfolgsaussichten. 

Nicht nur die Bundesverband Verbraucherzentrale hält Ortskenntnisprüfung und Rückkehrpflicht für überholt und wünscht sich explizit eine Erweiterung des Angebotsspektrums bei Fahrdiensten. Auch bei Fachpolitikern in der Großen Koalition findet vieles von dem Anklang, was Uber fordert. Zwar ist zweifelhaft, dass die Bundesregierung das Thema noch vor den Wahlen anpacken wird, aber danach stehen Ubers Chancen gut – zumal es Rückenwind aus der Europäischen Union gibt.

Vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission verbindliche Richtlinien veröffentlicht, die sich klar hinter Uber stellen. Langfristig geht es Kalanick ohnehin um viel mehr als um den Taxi-Markt. Uber forscht intensiv an selbst-fahrenden Autos. Das Ziel: Roboter-Taxis, die die Autos, wie wir sie kennen, überflüssig machen.  „Es wird günstiger sein, gefahren zu werden, als ein eigenes Auto zu besitzen“, sagt Kalanick. Das bestehende Geschäftsmodell der Autoindustrie bricht zusammen. 

Mit einem der bedrohten Giganten sitzt Kalanick am Mittwochabend auf dem Podium bei der Technologiekonferenz Noah: Dem Daimler-Chef Dieter Zetsche. Inzwischen  ist Uber mit rund 60 Milliarden Euro Bewertung schon fast soviel wert wie Daimler (64 Milliarden Euro). Zetsche sagt: „Unsere Industrie wird sich dramatisch verändern - und Uber ist eine treibende Kraft.“

Auch die Autokonzerne haben inzwischen die Gefahr der neuen Dienste erkannt - und entwickeln  nicht nur Technologien für selbstfahrende Autos, sondern investieren auch massiv in Uber-Konkurrenten, um in dem neuen Geschäftsfeld Fuß zu fassen. Daimler hat bereits vor zwei Jahren die App MyTaxi übernommen und den Ridesharing-Dienst Car2Go aufgebaut. 

Es sind Schritte, die dazu führen könnten, dass Daimler irgendwann Uber das Geschäft streitig machen könnte. Zetsche sagt: „Car2Go wird bald zu Car2Come werden.“ Eine Weiterentwicklung des Car2Go-Ridesharing-Dienstes: Anstatt dass der Nutzer zu einem der Car2Go-Fahrzeuge gehen muss, drückt er nur auf sein Smartphone - und das selbstfahrende Car2Go-Fahrzeug kommt zu ihm. „Dann spielen wir in der selben Arena.“

Kalanick wird alles daran setzen, das er der Erste ist, dem der Einsatz der Roboter-Taxis in der Stadt gelingt - und nicht Daimler. Sonst könnte Uber noch schneller verschwinden als es entstanden ist.

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