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Türkische Lira In der Hand der Märkte

Die Finanzkrise in der Türkei ist eine Warnung an alle Eurokritiker, die meinen, ein Land fahre mit einer eigenen Währung besser. Ein Kommentar.

Wechselstube in Ankara
Ein Mitarbeiter einer Wechselstube zeigt türkische Lira und US-Dollar. Foto: dpa

Die Finanzkrise in der Türkei ist eine Warnung an all jene Eurokritiker, die meinen, ein Land fahre mit einer eigenen Währung besser. Man vergleiche die Fälle Griechenland und Türkei: Beide erlebten einen Aufschwung, insbesondere des Konsums und der Bauwirtschaft, der durch ausländische Geldzuflüsse finanziert wurde. Beide haben mehr importiert als exportiert und die Differenz mit Krediten finanziert, die ihnen die Finanzmärkte gern gaben, solange der Boom lief. Bis die Spekulation die Richtung wechselte. Als die Märkte Griechenland 2010 weiteres Geld verweigerten und die Zinsen unbezahlbar hochsetzten, hatte das Land zwar eine stabile Währung, den Euro, aber keine eigene Zentralbank, die die Finanzierung von Staat und Banken hätte sicherstellen können – die saß ja in Frankfurt. Daher war Athen faktisch pleite.

Zur Türkei kommt die Krise ebenfalls, nur über einen anderen Kanal: die eigene Währung. Die Lira stürzt ab, was weniger den türkischen Export befeuert, sondern die Geldentwertung und die Zinsen in die Höhe treibt. Zudem verteuert der Lira-Absturz gegenüber dem Dollar den Schuldendienst, da die türkischen Unternehmen sich in den vergangenen Jahren Milliarden Dollar geliehen haben, eben weil sie eine starke Währung brauchten und nicht die Lira.

Man sieht: Eine eigene Währung garantiert nicht den Weg zum Erfolg. Und eine starke auch nicht, solange man nicht frei über sie verfügt.

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