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Türkei-Spezialist GTI Travel GTI-Travel-Pleite trifft Urlauber

Nach der Pleite des Reiseveranstalters GTI müssen sich viele Kunden gedulden. Erst wenn die Insolvenz festgestellt ist, tritt die Versicherung ein. Derweil müssen Türkei-Flüge für 500.000 Reisende ersetzt werden.

Anflug auf Istanbul. Es gibt noch Wege in die türkische Metropole. Foto: rtr

"Türkeiurlaub günstig buchen“ – so warb bis Anfang der Woche der Reiseanbieter GTI Travel auf seiner Website. Wer jetzt die Homepage aufruft, bekommt nur eine dürre Pressemitteilung zu sehen: Das Unternehmen stelle mit sofortiger Wirkung seine Tätigkeit ein. Den am Mittwoch vorgelegten Insolvenzantrag wies das Düsseldorfer Amtsgericht zunächst zurück. Die Angaben seien nicht vollständig, sagte ein Gerichtssprecher. „Das ist nur eine von vielen Ungereimtheiten“, bemerkte ein Insider über den Fall.

Die Pleite könnte in den nächsten Wochen zu einem Riesenproblem nicht nur für die GTI-Kunden, sondern für die gesamte Branche werden. Der Zusammenbruch des Veranstalters ist die größte Insolvenz in der Branche seit einem Jahrzehnt. Das türkisch-deutsche Unternehmen kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 320 Millionen Euro und wies 2012 rund 615.000 Gäste auf.

GTI zählte mit der Schwester „Buchmal Reisen“ und seinem Ferienflieger Sky Airlines und zu den wichtigen Türkei-Anbietern. Das Unternehmen war als Preisbrecher unterwegs, genoss aber schon lange einen eher schlechten Ruf. Kunden wurden in der Türkei nicht in die gebuchten Hotels gelassen, weil GTI mit den Zahlungen an die Beherbergungsbetriebe im Rückstand war. Offene Rechnungen und Schulden haben sich offenbar zu enormen Höhen aufgetürmt. Türkische Banken haben der GTI-Mutter Kayi-Group nun den Geldhahn zugedreht. Türkische Medien berichteten gestern, Manager seien untergetaucht.

Am Mittwoch wurde derweil hektisch in verschiedenen Krisenstäben in Deutschland und in der Türkei versucht, auf die Schnelle schlimmere Verwerfungen zu vermeiden. Die Aufgabe war, kurzfristig Flugzeuge zu organisieren, um Urlauber wieder nach Hause zu holen – es soll allein um 5000 GTI-Kunden gehen. Wobei die Gesamtzahl der Betroffenen deutlich höher ist. Denn Sky hat auch im Auftrag vieler anderer Veranstalter Touristen befördert – etwa von Alltours. „Bis zum Wochenende haben wir für uns alles geregelt“, meldete ein Alltours-Sprecher.

Doch noch viel größer könnten die Probleme für die gesamte Branche in den nächsten Wochen werden. Durch den Ausfall von GTI/Sky sind für die Sommersaison nach Einschätzung des Alltours-Sprechers Beförderungskapazitäten für insgesamt knapp 500 000 Urlauber weggefallen: „Die Branche steht vor einem Kraftakt.“ Zum Glück gebe es noch Überkapazitäten bei den Airlines. Ganz so einfach ist das aber offenbar nicht. Denn nach Angaben aus Branchenkreisen hat ein großer Veranstalter Reisebüros gebeten, nach Möglichkeiten für Umbuchungen von Sky-Kunden zu suchen.

Die kurzfristigen Bemühungen bei den Rückholaktionen haben mit den Reiserichtlinien der EU für Pauschalreisen zu tun. So sind Veranstalter verpflichtet, die Touristen nach Hause zu holen, auch wenn sie den Transport an Airlines vergeben haben, die nicht zum eigenen Konzern gehören. Zudem schaltete sich der Versicherer Hanse-Merkur ein – bei ihm hatte GTI die gesetzlich vorgeschriebene Insolvenzversicherung abgeschlossen. Eigentlich werden die Versicherer erst aktiv, wenn die Insolvenz offiziell erklärt wurde. Aber die Leute von Hanse-Merkur gingen die Sache schon einmal präventiv an.
Schlechte Karten für Kunden
Gar nicht gut sieht es hingegen für Urlauber aus, die nur Flüge bei Sky gebucht haben. Für Airlines gilt die Pflicht der Insolvenzversicherung nicht. Diesen Touristen bleibt nichts anderes übrig, als einen zusätzlichen One-Way-Heimflug auf eigene Kosten zu buchen. Eine Entschädigung gibt es dafür nicht. Wie groß die Zahl der Betroffenen ist, war gestern nicht zu erfahren. „Hier zeigt sich, dass der Schutz für die Reisenden völlig unzulänglich ist“, sagte Marija Linnhoff, Sprecherin der Initiative „Ja, ich buche im Reisebüro“. Denn auch Kunden, die für die nächsten Monate bei Sky Flüge gebucht und schon bezahlt hätten, gehörten zu den Opfern der Pleite. Auch sie würden von ihrem Geld nichts mehr sehen. Sie müssten sich neue Airlines für die Urlaubsreise suchen. Linnhoff fordert deshalb: „Die Politik muss endlich den Insolvenzschutz auch für Flugbuchungen zur Vorschrift machen.“

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