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Transfersysteme Hawala und andere Wege

Der größte Teil der Heimatüberweweisungen von Migranten kommt aus den reichen Ländern der OECD.

Der größte Teil  der Heimatüberweweisungen von Migranten kommt aus den reichen Ländern der OECD. Ausnahme ist hier nur Saudi-Arabien, das laut Weltbank 2016 mit 38, Milliarden Dollar nach den USA (66,6 Milliarden) das zweitwichtigste Sendeland war.

Deutschland rangierte mit rund 20,7 Milliarden Dollar auf Platz vier, nach der Schweiz mit 25 Milliarden. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer finden sich als Sendeländer mit erheblichen Beträgen in der Weltbankstatistik – darunter Malaysia (8,1 Milliarden Dollar), China (6,9), Indien (6,2) und Libanon (5,6 Milliarden).

In den Schätzungen der Weltbank nicht inbegriffen sind die informellen oder nicht dokumentierten Geldflüsse in die Heimatländer. Wenn etwa Migranten Bares für die Familie mit in den Heimaturlaub nehmen oder das Geld Freunden mit auf den Weg geben. Der Umfang dieser so übermittelten Summen kann laut Südwind-Studie je nach Zielland geschätzt 35 bis 250 Prozent der Größenordnung formaler Überweisungen betragen.

Informelle Alternative zu regulierten Finanzdienstleistern sind auch traditionelle Varianten wie das jahrhundertealte Zahlungssytem Hawala (Arabisch: wechseln), das auf Vertrauen basiert. Hawala-„Banker“ sind Betreiber von Reisebüros, Friseure oder Einzelhändler. Wer mit ihrer Hilfe Geld senden will, gibt die Summe samt eines Codes an einem solchen „Hawaladar“. Der Vermittler sendet den Code an einen Partner im Empfängerland. Nennt der Adressat der „Überweisung“ den Code, bekommt er vom Hawaladar das Geld in lokaler Währung ausgezahlt – ohne dass es tatsächlich zu ihm geflossen ist. Der Betrag ist eine offene Forderung, die mit einem Transfer in umgekehrter Richtung verrechnet wird. Die Gebühr dafür beträgt in der Regel nur 0,25 bis 1,25 Prozent.

Systeme wie das Hawala bieten ihre Dienste in Deutschland meist ohne Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) an, entziehen sich so der Aufsicht und sind damit illegal. Immer wieder werden sie mit Terrorismus und Geldwäsche in Verbindung gebracht.

Experten fordern für solche informellen Finanzdienstleister hierzulande eine vereinfachte Registrierung, wie sie laut der EU-Richtlinie für Zahlungsdienste aus dem Jahr 2007 für kleinere Anbieter möglich ist. 

Eine Legalisierung hält auch die internationale Financial Action Task Force für sinnvoll. Das würde nicht nur die Risiken der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung minimieren. Profitieren könnten vor allem die Migranten, die dann zwischen mehr zugelassenen Anbietern wählen könnten.

Die Bundesregierung formuliert immerhin in ihrem jüngsten Fortschrittsbericht zur Umsetzung des G20-Ziels, die Kosten für Heimatüberweisungen weiter zu drücken, sie wolle einen Regulierungsrahmen schaffen, damit Migranten neue Finanztechnologien nutzen können.

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