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Toys’R’Us Streik im Spielzeugland

Beschäftigte von "Toys’R’Us" werden schlecht bezahlt, erhalten befristete Verträge und arbeiten oft gegen ihren Willen in Teilzeit. Jetzt kämpfen sie für den Einzelhandel-Tarifvertrag.

Toys’R’Us-Filiale in Wallau: Verdi kämpft für bessere Arbeitsbedingungen bei dem Spielzeug-Giganten.

Spielzeugläden sind magische Orte, an denen Wünsche zu Geschenken werden. Wo Kinderaugen leuchten und der Weihnachtsmann immer im Dienst ist. Die US-Kette mit dem Namen Toys’R’Us trägt solche Verheißung schon im Namen: „Spielzeug sind wir“, das klingt nach Frohsinn pur. Doch der schöne Schein trügt, jedenfalls wenn es um die rund 1700 Beschäftigten in den bundesweit 65 Filialen des US-Unternehmens geht. Sie werden schlecht bezahlt, erhalten befristete Anstellungsverträge und arbeiten, oft gegen ihren Willen, lediglich in Teilzeit.

Für Donnerstag hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 21 Standorten zu einem ganztägigen Streik aufgerufen, um daran grundlegend etwas zu ändern und den im Einzelhandel geltenden Regionaltarifverträgen Geltung zu verschaffen. Bisher nämlich legt die Leitung des US-Konzerns mit weltweit mehr als 1600 Niederlassungen die Löhne und Gehälter für die Belegschaft nach eigenem Gutdünken fest. Und das bedeutet: auf niedrigem Niveau. Erst unter dem Druck gesetzlicher Vorgaben erhielten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Einführung des Mindestlohns zum 1. Januar wenigstens 8,50 pro Stunde.

Bereits im Februar hatte Verdi die Toys’R’Us-Deutschlandzentrale in Köln aufgefordert, Verhandlungen über einen Anerkennungstarifvertrag für den Einzelhandel zu führen. Ohne Erfolg. Daran änderten auch mehrere Arbeitsniederlegungen nichts. Immerhin entschloss sich der Konzern angesichts der Streiks zu einer Entgelterhöhung: Seit dem 1. Juli werden wenigstens 8,70 Euro pro Stunde gezahlt. Laut Verdi erhalten erfahrene Mitarbeiter zwar etwas höhere Entgelte, die aber kaum über zehn Euro liegen. Wirklich großzügig zeigt sich der Konzern bisher nur gegenüber Streikbrechern: Wer nicht streikt, bekommt eine Prämie von 200 Euro pro Tag – und damit mehr als das Zweieinhalbfache des üblichen Lohns.

Der bleibt selbst gegenüber den untersten Einzelhandels-Tarife, die regional unterschiedlich ausfallen, zurück. Im Schnitt verdienen Einzelhandels-Verkäufer laut Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung 11,60 Euro pro Stunde. Eine gelernte Einzelhandelsverkäuferin in Hamburg kann es aber auch auf 14,94 Euro bringen. Außerdem gibt es Urlaubs-und Weihnachtsgeld, das den meisten Beschäftigen bei Toys’R’Us vorenthalten wird.

Allerdings nicht allen: 1997 hatte Toys’R’Us nämlich mit der Handelsgewerkschaft HBV, die später in Verdi aufging, einen Tarifvertrag abgeschlossen, der für manche langjährigen Beschäftigen noch immer nachwirkt und beispielsweise Urlaubsgeldzahlungen vorsieht. Für viele später angestellte Arbeitnehmer entfielen diese Leistungen. Dafür wurden sie teils noch unbefristet eingestellt, was laut Verdi mittlerweile nicht mehr der Fall: Neulinge erhalten laut Gewerkschaft nur noch befristete Verträge, der Befristungsanteil liege über 50 Prozent. „Es ist ein Flickenteppich von Vereinbarungen, die alle eines gemein haben: Sie bleiben hinter den Tarifverträgen im Einzelhandel zurück“, sagt Heike Lattekamp, Verdi-Fachbereichsleiterin für den Einzelhandel Hamburg.

Sollte das Unternehmen sich nicht an den Verhandlungstisch begeben, werden weitere Streiks folgen, kündigt ihr Kölner Kollege Frank-Michael Munkler an. „Und zwar ohne lange Vorankündigung zu Zeiten, in denen es besonders weh tut.“ Der Weihnachtsmann lässt grüßen.

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