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Tourismus Urlauber meiden die Türkei

Der Terroranschlag auf eine deutsche Touristengruppe in Istanbul lässt die Nachfrage nach Reisen in die Türkei einbrechen. Der Reiseveranstalter TUI meldet einen Rückgang der Buchungen um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nach dem Terroranschlag im Januar ist die Nachfrage nach Reisen in die Türkei eingebrochen. Foto: REUTERS

Der Terroranschlag auf eine deutsche Touristengruppe in Istanbul am 12. Januar mit zehn Toten hat die Nachfrage nach Türkei-Reisen einbrechen lassen. Der weltweit größte Reiseveranstalter TUI meldete am Dienstag einen Rückgang der Türkei-Buchungen für den Sommer um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im gesamten Geschäftsjahr 2016 rechnet Konzern-Vorstandschef Fritz Joussen mit nur noch einer Million Türkei-Buchungen. Das wären nur gut halb so viele wie 2015. Eine ähnliche Tendenz verzeichnen nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) auch andere große Anbieter. „Wir stellen eine spürbare Buchungszurückhaltung beim Reiseziel Türkei fest“, so DRV-Pressesprecherin Sibylle Zeuch.

Für große Reisekonzerne sind die Folgen gleichwohl verkraftbar. Zwar zählt die Türkei längst zu den wichtigsten Reisezielen der Deutschen und verzeichnete gerade in den vergangenen Jahren hohe Zuwachsraten. Allerdings dürfte der Einbruch im Türkeigeschäft durch steigende Buchungen anderer Ziele leicht ausgeglichen werden. Für Spanien, Portugal, Italien, Kroatien und Österreich meldet TUI ein deutliches Plus. So kündigte TUI-Chef Joussen auf der Hauptversammlung am Dienstag einen Anstieg des operativen Gewinns um mehr als zehn Prozent im laufenden Geschäftsjahr an. Schon in der Vergangenheit hatten Terroranschläge die Reiselust der Deutschen nicht nachhaltig beeinträchtigt, sondern lediglich umgelenkt.

Der Türkei nützt das zunächst einmal nichts. Für das von hoher Inflation und Staatsverschuldung geplagte Land ist der Einbruch der Buchungen eine Katastrophe. Rund zwölf Prozent der gesamten türkischen Wirtschaftsleistung gingen 2014 auf das Konto des Tourismus, mehr als zwei Millionen Menschen arbeiten in der Branche. Die Übernachtungskapazitäten wurden in den vergangenen Jahrzehnten massiv ausgebaut, insbesondere an der Südküste rund um Antalya. Sollte sich die Zahl der deutschen Urlauber, die 2015 nach Angaben des türkischen Tourismusministeriums 5,6 Millionen erreichte, tatsächlich halbieren, werden das viele kleinere Übernachtungsbetriebe, Restaurants und örtliche Ausflugsveranstalter nicht überleben.

Russen bleiben weg

Doch auch für große Unternehmen wird es brenzlig. Denn ausgerechnet die nach den Deutschen zweitwichtigste Touristengruppe fällt 2016 fast vollständig aus: Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe Ende November verfügte Moskau weitgehende Boykottmaßnahmen. Seither sind Charterflüge von Russland in die Türkei ebenso verboten wie der Verkauf von Türkei-Reisen durch russische Veranstalter. Die türkische Tourismusbranche trifft das ins Mark, wenn der russische Türkeitourismus zum Erliegen kommt. 2014 reisten 4,6 Millionen russische Touristen in die Türkei. 2015 waren es, trotz der russischen Wirtschaftskrise, immerhin mehr als drei Millionen, 2016 werden es wohl nicht einmal eine Million sein.

Bleiben dann auch noch die Urlauber aus Mitteleuropa weg, droht der ohnehin labilen Wirtschaft ein Betten-Leerstand ungekannten Ausmaßes und eine Rezession. Damit hätten die Terroristen des IS ihr Ziel erreicht: die ökonomische und politische Destabilisierung der Türkei.

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