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TK-Gesundheitsreport Die Hälfte geht früher in Rente

Trotz Anhebung des offiziellen Rentenalters hören immer mehr Menschen frühzeitig auf zu arbeiten. Wie manche Unternehmen gegensteuern.

Arbeiter
Wer körperlich schwere Arbeiten verrichtet, scheidet häufiger vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Foto: afp

Die Babyboomer stehen vor der Rente. Für Unternehmen, soziale Sicherungssysteme und den Arbeitsmarkt wird es tiefgreifende Konsequenzen haben, wenn die geburtenstarken Jahrgänge alsbald aus dem Berufsleben ausscheiden. Fachleute gehen davon aus, dass bis 2030 fünf bis sechs Millionen Arbeitskräfte fehlen werden. Während die Zahl der Erwerbstätigen also abnimmt, werden die Ausgaben der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger steigen, was wiederum Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch höhere Beiträge finanzieren müssen. 

Vor diesem Hintergrund stellen sich manche Fragen dringlicher denn je: Wie können möglichst viele Menschen bei guter Gesundheit möglichst lange beruflich aktiv bleiben? Wann und aus welchen Gründen kommt es zu Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit? Um Antworten hat sich der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) bemüht, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Grundlage sind die Daten von fünf Millionen TK-Versicherten im Erwerbsalter zwischen 20 und 65 Jahren, die über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet wurden. 

Immerhin zwei Drittel der untersuchten Personen waren zwischen Anfang 2013 und Ende 2017 durchgängig beschäftigt. Von den 35 bis 60-Jährigen waren es sogar mehr als 80 Prozent. Mit einem Anteil von gut 15 Prozent war Arbeitslosigkeit der mit Abstand häufigste Grund für eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit. 9,6 Prozent der TK-Versicherten gingen während des Fünfjahreszeitraums in Elternzeit, weitere 5,1 Prozent in Altersrente. Kleinere Anteile entfielen etwa auf Erwerbsunfähigkeit und die Aufnahme eines Studiums. 

Besonders gravierend ist das noch immer verbreitete Ausscheiden aus dem Berufsleben vor Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters. Zwar stehen heute weitaus mehr über 60-Jährige im Berufsleben als noch vor zehn Jahren. So waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2016 immerhin 55,7 Prozent der 60- bis 65-Jährigen erwerbstätig, gegenüber nur 29,6 Prozent im Jahr 2006. Gleichwohl gehen den TK-Daten zufolge mehr als die Hälfte der Erwerbspersonen vorzeitig in Altersrente. Für ein Drittel ist dies mit empfindlichen Kürzungen der gesetzlichen Rente verknüpft. „Die Anhebung des Renteneintrittsalters bedeutet in vielen Fällen nicht längeres Arbeiten, sondern eine geminderte Rente. Das kann nicht unser Anspruch sein“, befand TK-Vorstandschef Jens Baas. 

Was also ist zu tun? Und von wem? Ein Beispiel stellte das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin im Nordosten Berlins vor. Auf dem Campus richtete die Leitung ein Fitnessstudio ein, das für die Belegschaft rund um die Uhr geöffnet ist. Man bietet mittlerweile 23 Kurse an, etwa Pilates oder Rückentraining, die sich nach Angaben von Vorstandsmitglied Dana Lafuente regen Zulaufs erfreuen. Es gibt ergonomische Beratungen am Arbeitsplatz, jährlich bis zu drei Gesundheitstage mit besonderen Themenschwerpunkten und ein Programm „Bewegte Pause“. 

Allerdings handelt es sich bei der dortigen Belegschaft neben Verwaltungsangestellten vor allem um Akademiker, die im statistischen Durchschnitt ohnehin länger im Berufsleben ausharren als etwa Bauarbeiter und andere Beschäftigte mit starken körperlichen Belastungen.

Solche finden sich, Beispiel Nummer zwei, in der Belegschaft der Berliner Wasserbetriebe, die sich ebenfalls um eine effektive betriebliche Gesundheitsvorsorge bemühen. Viele der 4300 Beschäftigten des landeseigenen Unternehmens sind für Wartung und Instandhaltung der Kanalisation zuständig, oftmals im Schichtdienst. Andere arbeiten, am Bildschirm sitzend, in der Verwaltung. Arbeitsmediziner geben vor Ort Tipps, wie Arbeitsplätze und Abläufe möglichst gesundheitsschonend gestaltet werden können. Spezielle Schulungen für Führungskräfte sollen sicherstellen, dass ältere Arbeitnehmer optimal zum Einsatz kommen. 

Ungeachtet solcher Bemühungen wird es dem viel zitierten Dachdecker auch in Zukunft nicht möglich sein, bis zum 67. Geburtstag in luftiger Höhe über Schindeln zu balancieren. TK-Chef Baas plädiert daher für einen Abschied von einem Renteneintrittsalter für alle: „Wir brauchen differenzierte Lösungen, die für besonders beanspruchte Berufsgruppen einen früheren Renteneintritt ohne große Abschläge zulassen.“

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