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Tierwohl Jedes vierte Tierprodukt von kranken Tieren

Jedes vierte tierische Lebensmittel stammt von erkrankten Schweinen, Hühnern oder Kühen. Die Haltung muss verbessert werden, fordern Verbraucherschützer.

Kühe
Kühe in einem Stall in Brandenburg. Foto: afp

Mehrere Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen fordern substanzielle Verbesserungen in der Nutztierhaltung und gesetzlich verbindliche Kontrollen landwirtschaftlicher Betriebe. In Deutschland stamme jedes vierte Tierprodukt im Handel von kranken Tieren, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier von Foodwatch, Greenpeace und Vier Pfoten. Daher müsse die Gesundheit landwirtschaftlich genutzter Tiere „drastisch verbessert werden“. Das von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) geplante Tierwohlsiegel und die damit verknüpften Auflagen reichten hierzu bei weitem nicht aus, da sie die betriebliche Eigenkontrolle weiterhin festschrieben. „Die Tierhalter „kontrollieren“ sich demnach selbst“, kritisieren die drei Organisationen.

Stattdessen sind wissenschaftlich unabhängige Kontrollen nach Ansicht der Tierschützer dringend geboten. Etwa die Hälfte aller Mastschweine in deutschen Ställen leiden den Angaben zufolge unter Lungenerkrankungen, mehr als 50 Prozent der Legehennen weisen Knochenbrüche auf, neun von zehn Milchkühen erkranken mindestens einmal pro Jahr, häufig am Euter, den Klauen oder im Stoffwechselsystem. Diese Mängel seien durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt, heißt es in dem Papier unter Verweis auf Untersuchungen des staatlichen Thünen-Instituts sowie der Universitäten Berlin, Halle-Wittenberg, Kassel und München.

„Egal ob Eier, Schnitzel oder Milch: Fast jedes vierte tierische Lebensmittel stammt von einem kranken Tier. Das ist ein Skandal“, findet der Deutschlandchef von Vier Pfoten, Rüdiger Jürgensen. Das von Klöckner angekündigte Tierwohlkennzeichen bezeichnet der Tierschützer als „Alibi-Maßnahme“. Es setze lediglich formale Mindeststandards, etwa hinsichtlich des Auslaufs und der Herdengröße, lasse aber die Tiergesundheit außer Acht. Ohnehin könnten selbst nach optimistischen Annahmen höchstens 20 Prozent der Nutztiere von dem freiwilligen Siegel profitieren.

Verursacht werden die meisten der schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Haltungsbedingungen, Hochleistungszucht und starke körperliche Belastungen der Tiere. Auf diese Faktoren habe der viehhaltende Betrieb maßgeblichen Einfluss. Es gebe mithin vorbildliche wie auch sehr schlechte Beispiele: „Dies hat zur Folge, dass sich der Gesundheits- beziehungsweise Krankheitsstatus von Betrieb zu Betrieb enorm unterscheidet.“ Bisher fehle allerdings eine einheitliche und zugleich detaillierte Erfassung der Haltungsbedingungen, so dass belastbare Vergleiche kaum möglich seien.

Vor diesem Hintergrund fordern die Verbände, künftig Nutztier-Erkrankungen und Verletzungen per Gesetz bundesweit, systematisch und betriebsgenau zu erfassen, um „jeweils geeignete Verbesserungsmaßnahmen in auffälligen Betrieben zu ergreifen“. Diese Kontrollen sollten unangemeldet sowohl auf den Höfen stattfinden als auch in den Schlachtbetrieben, wo ein „einheitliches Erkrankungsmonitoring am toten Tier erfolgen werden müsse. Das bereits 2017 angekündigte „Tierwohl-Monitoring“ werde dagegen weitgehend wirkungslos bleiben, da es „ausdrücklich nicht auf einzelbetriebliche Daten ausgerichtet“ sei, sondern lediglich einen allgemeinen Überblick bieten solle.

Gerade auf die betriebsgenaue Erfassung der Haltungsbedingungen legen die Verbände aber größten Wert: Für Viehhöfe mit dauerhaft schlechter Tiergesundheit müsse es rechtliche Konsequenzen bis hin zu Haltungsverboten geben, fordern die Kritiker. Betriebe mit guten Tierhaltungsbedingungen könnten dagegen Bonuszahlungen erhalten.

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