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ThyssenKrupp Berthold Beitz - der 99-Jährige macht weiter

Berthold Beitz ist als Erbe der mythenumrankten Krupp-Familie auch mit 99 Jahren noch der mächtige Mann beim global agierenden Konzern ThyssenKrupp. Jetzt inthronisiert er wieder einen umstrittenen Manager im Aufsichtsrat.

Berthold Beitz (links), Krupp-Stiftung Foto: dpa

Vor 60 Jahren übernahm Berthold Beitz den Job des Generalbevollmächtigten im Krupp-Konzern. Er hat eine einzigartige Karriere hinter sich. Doch nun wächst die Kritik an Beitz, der im September seinen 100. Geburtstag feiert. Längst hat er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Doch er hält bei ThyssenKrupp noch immer die Fäden in der Hand – über die mächtige Krupp-Stiftung, die der größte Aktionär des Konzerns ist und mit einem Anteil von gut 25 Prozent eine Sperrminorität besitzt.

Wichtige strategische Entscheidungen kann die Stiftung blockieren. Sie galt ein Bollwerk gegen eine feindliche Übernahmen, wird aber zunehmend auch als Bollwerk gegen moderne Strukturen im Konzern gesehen.

In puncto Führung und Kontrolle des Unternehmens habe sich die Stiftung in der Vergangenheit zu sehr ausgeruht, sagt ein Insider. Beitz ist in Personalunion Vorsitzender Kuratoriums und des Vorstands der Stiftung. Sie gilt noch immer als Machtzentrum des Konzerns.

Vorwurf: Beitz entgleiten die Dinge

Die alle entscheidende Frage lautet: Wer ist verantwortlich für die zahlreichen Desaster, die den Stahlkonzern in eine existenzgefährdende Krise gebracht haben? ThyssenKrupp hat durch Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und in den USA im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren. Der Konzern wird zudem von Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen erschüttert. Zunehmend fokussiert sich nun die Kritik auf Beitz – unterschwellig geht es dabei auch um den Vorwurf, dass dem 99-Jährigen die Dinge entgleiten, er viel zu lange an Bewährtem festhält, auch bei wichtigen Personalien.

So sorgte er erst vor knapp zwei Wochen dafür, dass der massiv kritisierte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gefeuert wurde, der als einer der Hauptverantwortlichen für die Katastrophen gilt. Zu dessen Nachfolger soll an diesem Dienstag Ulrich Lehner gemacht werden. Ein ebenfalls umstrittener Manager, weil er Aufsichtsratsposten sammelt und trotz seines neuen anspruchsvollen Postens bei dem Stahlkonzern unter anderem den Aufsichtsratsvorsitz bei der Deutschen Telekom behalten will.

Verkrustete Strukturen

Doch Lehner ist ein Mann nach dem Geschmack von Beitz: Ein älterer Herr, Jahrgang 1946, mit viel Erfahrung, dessen große Erfolge als Manager aber schon einige Jahre zurückliegen.

Eigentlich sollte Cromme als eine Art Kronprinz eines Tages Beitz in der Stiftung beerben. Daraus wird nichts mehr. Beitz sagte nun der Süddeutschen Zeitung, dass er weitermacht, „solange ich das kann und noch klar im Kopf bin.“ Es gibt massive Zweifel, ob das der richtige Weg ist. „Auch für die Krupp-Stiftung wäre es nicht verkehrt, wenn jemand von außen käme“, sagte Holger Fechner, Analyst bei der NordLB, der Berliner Zeitung. Es geht dabei auch darum, verkrustete Strukturen aufzubrechen. Bei ThyssenKrupp dominierte jahrzehntelang das Prinzip der bedingungslosen Loyalität.

Kaum einer getraute sich aufzumucken. Wer es dennoch wagte, wurde mundtot gemacht. Fechner erkennt erste Ansätze zur Besserung – durch den neuen Vorstandschef Heinrich Hiesinger, der vor gut zwei Jahren von Siemens kam: Er bekämpfe glaubhaft Korruption im Konzern und stehe für eine neue Führungskultur, die auf kritischem Diskurs beruhe. Außerdem hat Hiesinger angeordnet, dass die Verbindungen zwischen Stiftung und Unternehmen überprüft werden. Das ist bitter nötig.

Neuester Vorwurf: Laut der Tageszeitung Die Welt soll Beitz Firmenjets für Flüge zur Jagd nach Salzburg genutzt haben. Ein Konzernsprecher rechtfertigte dies damit, dass der 99-Jährige noch immer ein Repräsentant des Unternehmens sei.

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