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Thüga Thüga braucht neuen Konzernchef

Holding-Boss Ewald Woste verliert den Machtkampf und muss gehen. Auch sein Vize wird ausgemustert. Am Thüga-Modell wird vorerst nicht gerüttelt.

Die Thüga versteht sich als kommunale Macht unter Deutschlands Energieversorgern hinter den Riesen RWE und Eon. Foto: epd

Die internen Querelen bei der Münchner Stadtwerke-Holding Thüga haben Vorstandschef Ewald Woste das Amt gekostet. Sein Ende des Monats auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Das hat der von der früheren Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth geführte Aufsichtsrat beschlossen.

Auch Wostes Vize, Bernd Rudolph, scheidet aus dem Vorstand aus, wegen Altergründen, wie es heißt. Ergänzt wird das Topmanagement durch den Energiefachmann Matthias Cord, der von der Boston Consulting Group (BCC) als Ersatz für Rudolph kommt. Bis ein neuer Thüga-Boss gefunden ist, übernimmt Vorstand Micheal Riechel kommissarisch das Amt eines Vorstandssprechers.

Am wirtschaftlich erfolgreichen Thüga-Modell an sich wird nicht gerüttelt, versicherte Roth nach der Sitzung des Aufsichtsrats. Alle Kontroversen seien nun beigelegt und der Fortbestand des Unternehmens gesichert. An der guten Entwicklung der Thüga hätten Woste und Rudolph entscheidenden Anteil gehabt.

"Das Opfer aller Kompromisse ist Woste", heißt es dagegen aus dessen Umgebung. Unter den Thüga-Partnern hätten speziell die Vertreter großer Stadtwerke nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollen.

Um neue Konflikte zu vermeiden, wird der Personalausschuss der Thüga-Holding um zwei kommunale Vertreter ergänzt, die dann dort mit unabhängigen Mitgliedern und solchen der Stadtwerke an einem Tisch sitzen. Das soll mehr Konsens in wichtige Entscheidungen bringen. Auf lange Sicht soll die heute als GmbH & CoKG auf Aktien firmierende Thüga-Holding die Struktur einer Aktiengesellschaft erhalten, um spätestens dann alle Machtfragen eindeutig zu regeln.

Rechtlich kompliziertes Gebilde

Die Thüga versteht sich als kommunale Macht unter Deutschlands Energieversorgern hinter den Riesen RWE und Eon. Sie ist ein rechtlich kompliziertes Gebilde aus einer Überkreuzbeteiligung mit 100 deutschen Stadtwerken. Die Münchner Holding hält daran jeweils Minderheitsanteile. Die Stadtwerke Frankfurt (Mainova), Nürnberg (N-Ergie) und Hannover (Enercity) wiederum kontrollieren je 20,5 Prozent der Thüga. Die restlichen 38,5 Prozent entfallen auf eine Gruppe kleinerer Stadtwerken namens Kom9.

Zum Streit gekommen war es vor allem zwischen den drei großen Stadtwerken und dem scheidenden Thüga-Chef Woste. Die Chefs großer Stadtwerke fühlten sich von ihm kontrolliert und bisweilen auch übergangen. Woste hatte hinter ihrem Rücken mit Oberbürgermeistern von Partnerkommunen diskutiert, um gemeinsame Strategien zu entwickeln.

Auf persönlicher Ebene sind diese Probleme durch den Abgang des Thüga-Chefs und seines Stellvertreters nun beseitigt, nicht aber strukturell. Ein neuer Thüga-Chef wird zum Beispiel wieder im Aufsichtsrat diverser Stadtwerke sitzen und dort Kontrollfunktionen wahrnehmen.

Drängendste Aufgabe ist es aktuell fraglos, einen neuen Thüga-Chef zu finden, der sich in Kenntnis der Gemengelage an die Spitze des Unternehmens stellt. Findet sich niemand, sei es auch möglich, mit Riechel als Vorstandssprecher auf längere Sicht weiterzumachen, sagt ein Insider. Ob Konfliktherde wirklich endgültig entschärft sind, wird sich erst zeigen, wenn der Thüga-Vorstand wieder komplett ist und Sachfragen anstehen. Das gilt vor allem auch für den Plan, eine AG-Struktur für die Thüga-Holding zu schaffen. Damit beauftragt ist Enercity-Chef Michael Feist, heißt es. "Wie ein solches Modell aussehen soll, weiß noch keiner", räumt ein Insider ein.

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