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Thorsten Heins bei Blackberry-Hersteller RIM Ein Deutscher soll die Blackberrys retten

Ein Deutscher rückt überraschend an die Spitze des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM). Thorsten Heins, der bei Siemens groß geworden ist, soll RIM aus der Krise führen - nachdem die bisherigen Konzernchefs Lazaridis und Balsillie gehen mussten.

Blackberry-Hersteller RIM bekommt deutschen Chef: Der bisher fürs Tagesgeschäft zuständige Thorsten Heins löst das zuletzt viel kritisierte Führungsduo Mike Lazaridis und Jim Balsillie ab. Foto: dpa

Es war nicht gerade ein schmeichelhafter Auftakt für Thorsten Heins. "Thorsten wer?", rätselte das renommierte US-Wirtschaftsblatt Wall Street Journal. Die Börsenexpertin in den großen kanadischen Abendnachrichten machte ebenfalls den Eindruck, als habe sie den Namen noch nie zuvor gehört und auch so mancher Investor schüttelte erst mal ungläubig den Kopf. So groß war die Überraschung über die neue Rolle, die der Mann aus Germany jetzt innehat.

Ab sofort führt der deutsche Manager Thorsten Heins, der einst beim Münchener Siemens-Konzern groß geworden ist, den krisengeschüttelten Blackberry-Hersteller "Research in Motion" (RIM). Seine unerwartete Ernennung ist Teil eines radikalen Neuanfangs an der Spitze des weltweit agierenden High-Tech-Konzerns aus dem kanadischen Waterloo, der zuletzt wegen miserabler Verkaufszahlen ins Taumeln geraten war.

Heins löst die bisherigen Vorstandschefs Mike Lazaridis und Jim Balsillie ab, die im Zuge des Umbaus auch ihre Posten an der Spitze des Aufsichtsrates verloren haben. Für das kanadische Vorzeigeunternehmen endet damit eine Ära: Lazaridis und Balsillie hatten RIM einst groß gemacht und hatten maßgeblichen Anteil daran, dass die Smartphones populär und die Blackberrys zum unverichtbaren Statussymbol einer ganzen Managergeneration wurden. Zuletzt war RIM gegenüber den iPhones von Apple und den Android-Smartphones jedoch immer weiter ins Hintertreffen geraten.

Diesen negativen Trend soll Thorsen Heins nun umkehren. Der gebürtige Niedersachse hat an der Universität von Hannover Physik studiert und ist ein Mann vom Fach: 2007 war er zu RIM gekommen nachdem er zuvor über zwanzig Jahre lang in der Kommunikationssparte von Siemens gearbeitet hatte. In Kanada machte Heins schnell Karriere. Nach diversen Tätigkeiten im Technologiebereich wurde der gelernte Ingenieur letztes Jahr Operationsvorstand und verantwortete dabei den gesamten Smartphone-Bereich. In dieser Funktion arbeitete eng mit der bisherigen Führungsspitze zusammen.

Kanadische Medien berichten, die bisherigen Konzernchefs Lazaridis und Balisllie hätten sich den Deutschen noch eigenhändig für ihre Nachfolge ausgesucht. Der kanadischen Tageszeitung Globe and Mail sagte Heins, er habe seit seinem Wechsel zu RIM vor knapp fünf Jahren auf einen Spitzenposten gehofft, auch wenn ihm nichts versprochen worden sei. Auf die Frage, ob er selbst mit der Ernennung zum Konzernchef gerechnet habe antwortete er: "Ich habe es gehofft."

Investoren hätten radikaleren Neuanfang gewünscht

Nach fast fünf Jahren beim Konzern gilt Heins bei vielen in Waterloo längst als ein Insider. Zwar hatte die Öffentlichkeit bislang kaum Notiz von ihm genommen, zu lang war der Schatten der bisherigen Konzernspitze. Dem erweiterten Führungszirkel aber gehörte er schon länger an. Auch privat hat sich Heins längst integriert. Seine Familie fühlt sich wohl in Kanada, seine Kinder leben in Toronto und Ottawa. Nebenher ist der 54-Jährige auch im Vorstand der deutsch-kanadischen Industrie- und Handelskammer tätig.

Seine Nähe zur alten Führung allerdings stimmt einige Investoren noch skeptisch. Viele Branchenexperten hatten auf einen radikaleren Neuanfang gehofft und sich eine Persönlichkeit von außerhalb an der Spitze des Konzerns gewünscht. Zumal auch die neue Aufsichtsratschefin, die kanadische Bankerin Barbara Stymiest, schon seit einigen Jahren beim RIM tätig ist.

Dieses Misstrauen wird Heins schnellstens überwinden müssen, wenn er die Märkte überzeugen und die Blackberrys wieder zu altem Erfolg zurückführen will. In ersten Interviews äußerte sich Heins allerdings noch vorsichtig über seine zukünftigen Pläne. Einen radikalen Strategiewechsel werde es nicht geben, allerdings auch keinen Stillstand, betonte der neue Vorstandschef.

Den kann sich RIM auch nicht leisten, zu groß sind die Probleme. Die Kanadier hatten den Trend zu berührungsempfindlichen Smartphones lange verschlafen und immer mehr Marktanteile verloren. Das Tablet "Playbook" floppte, weltweit mussten 2000 ihrer Mitarbeiter gehen. Einen Ausfall der Blackberry-Dienste im Herbst bekam der Konzern tagelang nicht in Griff. Kurz vor Weihnachten musste das Unternehmen die lange erwartete Produkteinführung der neuen Blackberry-Generation um mehrere Monate verschieben. Im letzten Jahr verlor RIM etwa 75 Prozent seines Wertes.

In der offiziellen Biografie von Thorsten Heins heißt es, der neue Vorstandschef liebe das Outdoor-Leben in Kanada: das Radfahren, Wandern, Motorradfahren und Skifahren. In den nächsten Wochen und Monaten wird er dank RIM wohl nicht häufig dazu kommen. 

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