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Thailand Müllhalde der Welt

In Thailands kleinen Häfen türmen sich Containerberge mit Plastik- und Technikschrott. Vieles davon stammt aus China.

Thailand
Container-Ladung mit E-Schrott in einem thailändischen Hafen. Foto: rtr

Thailands massive Lebensmittelindustrie ist so stolz auf ihre Exporterfolge, dass sie ihr Heimatland gerne als „Küche der Welt“ bezeichnet. Seit Ende des vergangenen Jahres war das südostasiatische Königreich auf dem besten Weg, sich in eine weitere Spitzenmarke zu verwandeln: zur Abfallhalde der Welt. Denn seit China - das laut eigenen Angaben im Jahr 2016 rund 70 Prozent der 500 Millionen Tonnen  des jährlich produzierten elektronischen Abfalls importierte – nichts mehr vom Dreck der IT-Industrie wissen will, türmten sich plötzlich in Thailands kleinen Häfen wahre Containerberge mit Plastik- und Technikschrott.

411 Sorten von Elektronik-Abfall sollen laut General Surasak Kanchanarat, dem Umweltminister des herrschenden Militärregimes, ab sofort auf die Tabu-Liste. Während der kommenden zwei Jahre soll zudem die Einfuhr von Plastikmüll zugweise verboten werden. Thailand gehört laut Umweltverbänden im Bereich Meeresverunreinigung mit Plastik zu den schlimmsten Schmutzfinken der Welt. Vor einigen Monaten verendete ein Pilot-Wal an einem Strand, weil er mehr als 80 Plastiktüten verschluckt hatte und sie nicht ausscheiden konnte.

Einige Unternehmen des südostasiatischen Landes machen dank des eklatanten Preisunterschieds - importiertes Plastik ist etwa 25 Prozent billiger als einheimischer Plastikmüll – kräftig Kasse. „Wir müssen dafür sorgen, dass Thailands Recycling-Industrie unseren eigenen Müll verarbeitet“, beschrieb General Surasak Kanchanat das Ziel der regierenden Militärjunta.

Sie reagierte mit ihrem Verbot des E-Abfall-Imports ungewöhnlich schnell auf eine rasante Entwicklung, die zunächst lange unter dem Radar geblieben war. Firmen aus Taiwan und anderen asiatischen Ländern hatten große Hallen in Thailand angemietet. Bei einer Durchsuchung entdeckten die Behörden Arbeiter, die mit einfachem Mundschutz und Wollhandschuhen ausgediente Computer auseinandernahmen. Bei der Demontage werden hochgiftige Schadstoffe wie Cadmium oder Blei freigesetzt.

Recycling von E-Müll gilt als lukratives Geschäft, weil dabei hochwertige Rohstoffe zum Wiederverkauf gewonnen werden können. „Die Unternehmen machen Geld mit den wertvollen Sachen und der Rest landet auf unseren Müllhalden“, schrieb die Tageszeitung „The Nation“.

Laut Thailands Zoll importierte das Land im Jahr 2017 rund 145.000 Tonnen Plastikabfall. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2018 erreichten diese Einfuhren bereits 212.000 Tonnen. Die Importe von elektronischem Abfall lagen im gesamten Jahr 2017 bei 64.400 Tonnen. Aber bis Ende Mai dieses Jahres verzeichnete der Zoll schon 52.200 Tonnen.

Schöne Strände und laxer Umgang mit Müll

In Thailands wichtigstem Hafen Laem Chabang kamen laut Thailands Behörden pro Monat alleine 500 Container mit jeweils 20 Tonnen Abfallfracht an. Nachdem Stichproben ergaben, dass manche Unternehmer ihren Abfall falsch deklarierten, geht Bangkoks Zoll davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen längst Rekordmarken erreicht haben.

Alleine die Zahlen aus Großbritannien zeigen, dass nicht nur die schönen Strände im „Land des Lächelns“ Neugierde wecken, sondern auch laxer Umgang mit Müll. Während von Januar bis April 2017 rund 123 Tonnen elektronischer Abfall aus Großbritannien nach Thailand verfrachtet wurden, waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres bereits 6810 Tonnen. Eine Reederei stoppte bereits den Transport von Containern voller Abfall nach Thailand. Vietnam verhängte ebenfalls einen temporären Einfuhrstopp. Auch Malaysia gilt bei der Müllhaldensuche für elektronischen Abfall und Plastik inzwischen als Wackelkandidat.

Thailands und Vietnams Haltung haben gemeinsam mit der chinesischen Weigerung, 24 Abfallprodukte ins Reich der Mitte zu importieren, bereits weltweite Verwerfungen auf dem Müllmarkt zur Folge. Erik Solheim, der norwegische Chef des Umweltprogramms der UN, ist überzeugt, dass es sich bei den gegenwärtigen Entwicklung erst um den Anfang einer weltweiten Krise handelt: „Wir benötigen eine dramatische Reduzierung bei dem Abfall, den wir verursachen. Die alte Option reicher Nationen, ihren Müll um den halben Globus zu verschiffen, verschwindet. Unsere Müllhalden sind überfüllt und die Recycling-Industrie kann mit der Menge nicht Schritt halten.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Thailand

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