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Textilkette C&A streckt sich gen China

Die traditionsreiche Textilkette sucht Wege, um im erbitterten Wettbewerb mit H&M, Zara und Co. zu bestehen. Im Raum steht gar ein Verkauf des Unternehmens an Investoren aus Fernost.

C&A in China
C&A in Peking: Das Textilunternehmen ist schon seit Jahren im chinesischen Handel präsent. Foto: dpa

Verkaufen sie C&A an die Chinesen oder verkaufen sie nicht? Zu einer öffentlichen Bestätigung oder einem echten Dementi wollte sich die Familienholding Cofra aus der Schweiz am Montag nicht durchringen. Nur soviel: C&A habe 2017 eine herausragende Geschäftsentwicklung gehabt und wolle weiter wachsen. „Wir wollen auf diesem Momentum durch weitere Innovation und Expansion aufbauen“, teilte die Schweizer Familienholding mit. Dazu würden auch Partnerschaften und externe Beteiligungen geprüft. Mehr werde man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Und mehr will auch C&A in Düsseldorf nicht dazu sagen.

Experten aus dem Textilhandel halten eine vollständige Trennung der Familie von ihren Anteilen derzeit für eher unwahrscheinlich. Es sei aber sehr gut möglich, dass man sich erstmals in der 176-jährigen Unternehmensgeschichte externe Partner mit ins Boot hole, um die Kosten und Lasten der weiteren Expansion in China, in Schwellenländern sowie im digitalen Geschäft zu teilen. Schließlich hat das 1841 gegründete Unternehmen bereits im vergangenen Jahr einen historischen Schritt unternommen, als erstmals in der Geschichte ein Manager, der nicht zur Familie Brenninkmeijer gehört, die Europa-Geschäfte bei C&A übernahm: Alain Caparros, der frühere Chef des Kölner Handelskonzerns Rewe.

H&M und Primark punkten bei preissensiblen Kunden

In diese Richtung äußerte sich Caparros am Montag dem Vernehmen nach auch gegenüber dem europäischen C&A-Personal. Man wolle mit großem Engagement und tiefer Überzeugung ein erfolgreiches und zukunftsfähiges Unternehmen schaffen. Dazu seien in den vergangenen Monaten bereits wichtige Schritte unternommen worden.

Die Luft ist dünner geworden in den vergangenen Jahren: In der Textilbranche herrscht ein erbitterter Wettbewerb. Inditex (Zara) aus Spanien, H&M aus Schweden oder Primark aus Irland haben mit einem insgesamt modischeren Sortiment, niedrigen Preisen und sehr schnell wechselnden Kollektionen vor allem bei modebewussten, preissensiblen jüngeren Kunden gepunktet.

Der Online-Handel boomt – ein Geschäft, das C&A lange vernachlässigt hat. Auch Discounter wie Aldi oder Lidl wollen ihre Marktanteile weiter steigern und haben zuletzt immer wieder Designerkollektionen auf den Markt gebracht: Aldi hat in der Vergangenheit mit Jette Joop zusammengearbeitet, Lidl kooperiert mit dem Model Heidi Klum.

Jahrzehntelang führte bei C&A immer ein Mitglied der Familie die Geschäfte. Der Wechsel des früheren Rewe-Chefs Alain Caparros zu C&A im vergangenen Sommer war eine kleine Revolution. Caparros trat an mit dem Ziel, die „Transformation von C&A in Europa zu beschleunigen und das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen“. Die Investitionen in Marketing und das Online-Geschäft sollten erhöht werden, die Effizienz im Unternehmen gesteigert werden.

In Europa wird zwar nach wie vor der größte Teil des Umsatzes erzielt, aber auch in China ist C&A schon seit zehn Jahren mit eigenen Läden präsent. China ist zudem ein wichtiger Textil-Lieferant – nicht nur für C&A. Mehrere deutsche Händler haben in den vergangenen Jahren bereits ihre Fühler nach China ausgestreckt. Oft kooperieren sie im Onlinegeschäft – insbesondere mit dem Online-Riesen Alibaba, über den ein großer Teil der Onlineumsätze abgewickelt wird.

Nach Einschätzung von Axel Augustin, Sprecher des Textilhandelsverbands BTE, haben die Chinesen großes Interesse an Flächen in Deutschland. Mit ihren eigenen Marken könnten sie in Deutschland nur schwer punkten, sie bräuchten daher einen starken Partner.

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