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Textildiscounter KiK Warum KiK Brandopfern keine Entschädigung zahlt

KiK-Chef Patrik Zahn über die Produktion in Bangladesch, faire Löhne und warum die Textilkette kein Schmerzensgeld an die Opfer der Brandkatastrophe in Pakistan zahlen will.

Ausgebrannte Textilfabrik in Pakistan
Nach dem Brand in einer Textilfabrik in Karatschi (Pakistan) im Jahr 2012 geriet auch der deutsche Textilkonzern KiK in die Kritik. Foto: rtr

Jahrelang schottete sich der Textildiscounter KiK gegenüber der Öffentlichkeit ab, Pressearbeit war unerwünscht. Patrick Zahn hat das geändert. Der KiK-Chef empfängt in der schmucklosen Firmenzentrale mitten in einem Gewerbegebiet im westfälische Bönen und stellt sich den Fragen. Anschließend lädt er zur Tour durch das riesige Hochregallager und die eigenen Qualitätskontrollen.

Herr Zahn, als es beim Elternabend in der Schule meines Sohnes kürzlich darum ging, T-Shirts für ein Fußballturnier zu besorgen, gab es den Vorschlag, diese billig bei KiK zu kaufen. Viele Eltern protestierten: Das ginge ja nun gar nicht, bei solchen Ausbeutern zu kaufen. Wie haben Sie es geschafft, sich dieses Image zu erarbeiten?
Bitte richten Sie den Eltern aus: Sie können unsere Kleidung guten Gewissens kaufen. Sie wird unter guten Bedingungen hergestellt und niemand wird deswegen ausgebeutet. Richtig ist, dass wir in den Anfangsjahren rasant gewachsen sind und nach außen andere Prioritäten gesetzt haben. Laut, schrill und billig. Damals standen weder bei KiK noch bei anderen Textilherstellern die Produktionsbedingungen stark im Vordergrund. Die Nachwirkungen unseres damaligen Markenauftritts spüren wir noch heute.

Inwiefern?
Wenn es irgendwo einen Unfall in einer Textilfabrik gibt, dann geraten wir unter Beschuss, selbst wenn KiK damit überhaupt nichts zu tun hat. Wir werden von Medien und Nichtregierungsorganisationen stellvertretend als Symbol für eine Branche herangezogen, die angeblich Menschen ausbeutet. Das irritiert Kunden und verbaut uns die Möglichkeit, neue Käufer zu gewinnen.

Erwarten Sie jetzt Mitleid?
Nein, aber es ärgert mich, dass es keinen differenzierten Blick auf unser Unternehmen gibt. KiK ist nicht schlechter als andere Textilfirmen. Die Herausforderung, gute Produktionsbedingungen sicherzustellen, gilt für alle Modeanbieter, nicht nur für KiK. Aus den Versäumnissen der Anfangsjahre haben wir gelernt. Erst kürzlich hat uns die Kampagne für Saubere Kleidung attestiert, mehr zu tun als alle italienischen Luxuslabels zusammen. Wir sind wahrlich nicht das Schmuddelkind der Textilbranche.

Dann versuchen wir doch, einen differenzierten Blick auf KiK zu werfen. Lassen Sie uns mit dem schweren Brand 2012 mit über 250 Todesopfern in einer Fabrik in Pakistan beginnen, bei der Sie Hauptkunde waren. Mehrere Opfer haben Sie vor einem deutschen Gericht auf Schmerzensgeld verklagt. Warum wollen Sie nicht zahlen?
Wir haben an die Betroffenen freiwillig insgesamt 6,15 Millionen Dollar gezahlt, um Lohnausfälle auszugleichen. Leider hat es mehr als ein Jahr gedauert, die Verteilung des Geldes vor Ort zu klären. Jetzt ist die Auszahlung aber endlich angelaufen.

Die Frage war, warum Sie kein Schmerzensgeld zahlen wollen?
Das setzt voraus, dass wir Schuld hätten an dem Brand. Aber das ist nicht der Fall. Die pakistanischen Behörden gehen von einem terroristischen Anschlag aus. Der Fabrikbesitzer soll sich geweigert haben, Schutzgeld zu zahlen. Die Attentäter legten gezielt Brände an den zentralen Fluchtwegen. Die Täter wollten Menschen umbringen.

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