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Tesla Hire and Fire

Tesla-Chef Elon Musk erhöht den Druck auf die Belegschaft und feuert hunderte Mitarbeiter. Was bezweckt er damit? Die Analyse.

Tesla
Tesla-Chef Elon Musk. Foto: rtr

Rückrufe, Entlassungen, Produktionsverzögerungen. Bei Tesla ist der Teufel los. In den vergangenen Tagen haben sich die negativen Meldungen über den US-Autobauer gehäuft. Mehr als 10 000 Exemplare des Elektro-SUV Model X müssen in die Werkstatt, um Mängel an Sitzen zu beseitigen. Die Fertigung des neuen Mittelklassewagens Model 3 bleibt weit unter Plan. 1500 Exemplare sollten eigentlich im dritten Quartal ausgeliefert werden. Tatsächlich waren es aber nur 260.

Und dann wurde gerade auch noch bekannt, dass mehrere hundert Mitarbeiter gefeuert wurden. Sowohl Manager als auch Ingenieure und Fabrikarbeiter. Die Entlassungen seien im Rahmen der jährlichen Beurteilungen der Beschäftigten erfolgt, teilte das Unternehmen mit. Die Zahl der Gefeuerten wurde nicht genannt. Es soll sich um 400 bis 700 Frauen und Männer handeln, berichten US-Medien.

Hat sich der Firmengründer und -chef Elon Musk verhoben? Fest steht, dass seine Ankündigungen schon immer großspurig und extrem ambitioniert waren. Meistens konnte er sie nicht einhalten, obwohl er von sich selbst behauptet, mit hundertprozentigem Einsatz ans Werk zu gehen, und notfalls auch schon mal mit dem Schlafsack in seinem Büro übernachtet. Das Erstaunliche an den jüngsten Meldungen über Tesla ist, dass der Aktienkurs zwar etwas nachgegeben hat, aber immer noch für dieses Jahr ein erhebliches Kursplus verzeichnet – von fast zwei Drittel seit Januar. Sind Investoren und Analysten blind?

Richtig ist, dass sich um Tesla ein Hype entwickelt hat, der viel mit Spekulation und Zockerei zu tun hat und aus deutscher Sicht nur schwer zu verstehen ist. Hinzu kommt aber auch, dass die Anleger inzwischen Musks Strategie durchschaut haben. Er gibt die sehr sportlichen Ziele vor, auch um seine Beschäftigten unter Druck zu setzen, um aus ihnen das Maximum an Leistung herauszuquetschen. Zu diesem Konzept gehört auch, dass diejenigen gefeuert werden, die dabei nicht mitziehen, überzogene Anforderungen zu erfüllen. Obwohl das Unternehmen eigentlich Mitarbeiter händeringend sucht. Die Entlassungen sollen auch disziplinierende Wirkung auf die Bleibenden haben.

Musk führt mit dieser Personalpolitik in gesteigerter Form fort, was bei den Firmen im Silicon Valley seit Jahre der Normalfall ist. Sei es bei Google, Apple, Amazon oder Facebook. „Hire and Fire“ lautet die Devise. Der Job wird häufig gut bezahlt. Doch ein Werktätiger in einer dieser Firmen zu sein, bedeutet häufig auch: unbezahlte Überstunden, Arbeitstage ohne Ende, permanente Verfügbarkeit – auch am Wochenende und während des spärlichen Urlaubs. Das hohe Risiko einer Entlassung kommt hinzu. Das ist alles möglich, weil es Gewerkschaften und Betriebsräte, wie wir sie kennen, dort nicht gibt.

Musks Kalkül mit Arbeitsbedingungen oft jenseits des Zumutbaren ist bislang immer gutgegangen. Doch Tesla war bislang ein Kleinserien-Produzent. Mit dem Model 3 wird die Firma zum Massenhersteller, der eine dauerhaft verlässliche Fertigung von großen Stückzahlen braucht. Mit Hire and Fire geht das nicht mehr. Wenn Tesla erfolgreich sein will, muss der Elektroautobauer fairer mit seinen Beschäftigten umgehen und mehr wie VW werden, wo Betriebsräte erhebliche Mitspracherechte haben.

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