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Tesla-Chef Elon Musk auf Schleuderkurs

Tesla-Chef Elon Musk, der einstige Superstar des Silicon Valley, hat sich eine Menge Probleme eingehandelt.

Elon Musk
Lässt sich feiern wie ein Superstar: Elon Musk spricht bei der SpaceX Hyperloop Pod Competition im Juli im kalifornischen Hawthorne vor Studenten aus aller Welt. Foto: afp

Normalerweise tauschen sich die Tesla-Fahrer vom „Model 3 Owners Club“ in den sozialen Netzwerken über technische Daten oder das neueste Zubehör für ihre schicken Elektroautos aus. Doch in der vergangenen Woche musste die digitale Fan-Gemeinde eine Pannenhilfe ganz besonderer Art leisten. 

Mitten in der Nacht hatte ihr Idol ein Stück Weltliteratur getwittert. „Die vernunftgemäße Liebe ist gewiss geistreicher als die echte, wahre Liebe, aber sie kennt bloß Augenblicke der Begeisterung“, zitierte der Ruhelose ohne weitere Erklärung aus dem Gesellschaftsroman „Rot und Schwarz“ von Stendhal. „Elon, es ist 3.30 Uhr in der Früh. Bitte versuche, etwas Schlaf zu finden!“, mahnten die besorgten Model-3-Enthusiasten ebenfalls per Tweet. Der Tesla-Boss zeigte sich einsichtig. „Ok“, antwortete er kurz darauf.

Kurioses aus dem Kosmos von Elon Musk

Eine kuriose Begebenheit. Aber bei weitem nicht die wunderlichste Geschichte aus dem Kosmos von Elon Musk. Seit der 47-Jährige Anfang diesen Monats aus heiterem Himmel ankündigte, er wolle den Elektro-Autobauer Tesla in einer 72-Milliarden-Dollar-Megatransaktion von der Börse nehmen, hat das Image des Superstars aus dem Silicon Valley mehr als einen Kratzer bekommen. Nach einer 17-tägigen Schleuderfahrt mit einem ziemlich beunruhigenden Interview nahm er die Entscheidung ebenso unvermittelt wieder zurück. Seither kleben dem Pionier der benzinfreien Mobilität nicht nur aufgebrachte Aktionäre und die US-Börsenaufsicht SEC an den Fersen. Immer offener werden auch Zweifel an der Eignung des erratischen Schnelldenkers zum Unternehmensführer geäußert. 

An Drama und Chaos hat es im Leben von Elon Musk zuletzt nicht gefehlt. „Nächste Frage. Langweilige Fragen von Dummköpfen sind nicht cool!“, fuhr er im Mai bei einer Telefonkonferenz mit Analysten einen Teilnehmer an, der es gewagt hatte, sich nach dem Finanzbedarf des Unternehmens zu erkundigen. Im Juni ließ er neben der Tesla-Fabrik am Ostufer der San-Francisco-Bay eine Zelt-Montagestraße errichten, um die Stückzahlen beim Mittelklasse-Fahrzeug Model 3 hochzufahren. Der Chef persönlich campierte in der „Produktionshölle“, um die Fertigung zu überwachen und feuerte nachts die Beschäftigten mit E-Mails zu höherer Leistung an. Als ein paar Wochen später sein Vorschlag, ein spezielles U-Boot zur Rettung der in einer thailändischen Höhle eingeschlossenen Jugendlichen einzusetzen, auf keine Gegenliebe stieß, beleidigte er einen Taucher als Pädophilen. 

Musk hat sich der „Beschleunigung des Übergangs zur nachhaltigen Energie“ verschrieben. In 15 Jahren schuf er einen Autohersteller mit 38 000 Beschäftigten und einem Börsenwert, der höher liegt als der des Platzhirschs General Motors. Er will eine Rakete zum Mars schicken und Autos auf Schienen in unterirdischen Tunnelröhren durchs Land jagen. Doch Geduld, Verlässlichkeit und soziale Kompetenz gehören nicht zu den hervorstechendsten Eigenschaften des kühnen Visionärs. 

So hatte er mit niemand abgesprochen, dass er am 7. August eine regelrechte Bombe zünden würde. An jenem Morgen trainierte er mit seiner Freundin, der kanadischen Musikerin Grimes, zunächst ein wenig im Fitnessraum, setzte sich dann in seinen Tesla Model S und fuhr zum Flughafen. Von unterwegs twitterte er: „Ich erwäge, Tesla von der Börse zu nehmen, für einen Preis von 420 Dollar pro Aktie. Finanzierung gesichert.“ Die überraschende Ankündigung versetzte die Finanzwelt in helle Aufregung. Bis zum Abend schoss die Tesla-Aktie um elf Prozent auf 380 Dollar hoch. Doch rasch fragten die Investoren, wo das Geld für das größte Buyout der Geschichte herkommen solle. Und weil derart kursrelevante Vorhaben in einem geordneten Verfahren angekündigt werden müssen, meldete sich schon am nächsten Tag die Börsenaufsicht SEC bei dem Milliardär. 

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