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Tendence in Frankfurt Tendence in unsicheren Zeiten

Die Frankfurter Traditionsmesse Tendence öffnet in unsicheren Zeiten. Das klassische Geschäftsmodell – neue Produkte zeigen, die von Einkäufern geordert werden - funktioniert nicht mehr.

Tendence
Ist das Trend? Die Frage auf der Tendence 2017. Foto: Messe Frankfurt/Welzel

Das Faultier wird auf der Konsumgütermesse Tendence, die an diesem Freitag auf dem Frankfurter Messegelände beginnt, eine wichtige Rolle spielen. Wenn Tiere im Produktdesign bis Sommer 2019 eine Rolle spielen, dann werden es wohl Faultiere sein. Warum? Das weiß kein Mensch und auch nicht Philipp Ferger, der zuständige Bereichsleiter für die Tendence. Aber dass das Faultier auf vielen ausgestellten Produkten zu sehen sein wird und grundsätzlich auch ein sympathisches Tier ist, das ist mal sicher, so Ferger.

In den Ausstellungsbereichen Kunsthandwerk (Modern Craft) sowie Schmuck und Accessoires dominieren hochwertiges Design und Werkstoffe. Strenge Formen wie etwa pyramidenförmige Reliefs an Ledertaschen sind ebenso häufig wie organische und amorphe Formen. Handgefertigte Taschen aus Österreich kombinieren beispielsweise Leder mit Kork oder Wolle. Aufbewahrungsdosen lockern ihren strengen Korpus mit spielerischen Details auf, die aus der Schmuckgestaltung entlehnt werden. Raumteiler aus Textilien könnten in den nächsten Monaten in unsere Lebensräume einziehen - und wer sich nordisch karg einrichtet, ein nach wie vor anhaltender Trend, kann das durch Teppiche mit surrealen und spielerischen Mustern in knalligen Farben auflockern, die in Tschechien handgetuftet werden.

Nicht nur in der Faultierfrage weiß man nicht genau, was werden wird, auch bei den anderen Produkten der heuer rund 960 Aussteller (etwa 13 Prozent weniger als 2017), die wie im Vorjahr knapp 95 000 Quadratmeter Fläche belegen, ist natürlich erst nach der Messe klar, was geordert wurde und also künftig in den Läden steht. Und was eben nicht und damit wohl nie bei den Konsumenten ankommt.

Diese Unsicherheit, mit der der Handel schon immer lebt, hängt derzeit auch über der Messe selbst. Eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung im Auftrag der Messe Frankfurt zeigt die äußerst gravierenden Veränderungen in der Handelslandschaft: 2017 gaben die Deutschen 595 Milliarden Euro im inländischen Einzelhandel aus, 4,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Es war der achte Umsatzanstieg in Folge. Fast zehn Prozent dieser Summe gingen an den Online-Handel, wo 58 Milliarden Euro umgesetzt wurden, 11,5 Prozent mehr als 2016. Das ist zwar immer noch ein viel geringerer Anteil als im stationären Fachhandel, der 47 Prozent vom gesamten Umsatzkuchen abbekommen hat. Aber dieser verliert eben kontinuierlich an Boden. Die Zahl der Einzelhandelsunternehmen hat sich zwischen 2000 und 2017 um gut 27 Prozent auf knapp 299 000 verringert. Immer mehr Geschäft verlagert sich von kleinen Fachhändlern zum Onlinehandel einerseits und zu großen Filialketten andererseits.

Mit der Traditionsmesse Tendence unterliegt der weltweit größte Messeveranstalter Frankfurt ähnlichen Unsicherheiten. Denn das klassische Geschäftsmodell – neue Produkte zeigen, die von Einkäufern geordert werden - funktioniert nicht mehr. „Der Markt ist gegen die Tendence“, sagt Stephan Kurzawski aus der Messe-Geschäftleitung. Die 1700 Aussteller, die früher mal nach Frankfurt gereist sind, werde man nicht mehr erreichen, man müsse „darum kämpfen, nicht bei 500 zu landen“. Trotzdem steht die Messe derzeit nicht zur Disposition. Um für Fachbesucher attraktiv zu bleiben, setzt die Tendence verstärkt auf das, was früher Rahmenprogramm hieß und nun als Academy, Impulse oder die neue Konferenz Pioneers of Insights daherkommt. Dem Fachhandel Hilfestellungen geben, damit Besucher locken und mit deren Aufmerksamkeit dann die Aussteller, an denen die Messe letztlich Geld verdient – das scheint der Plan für die Zukunft zu sein. Ob er aufgeht, ist so ungewiss wie die Zukunft des Handels oder neue Trends

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