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Technologien der Zukunft Geräte sprechen sich ab

Damit das Stromnetz nicht kollabiert, müssen Maschinen künftig miteinander verhandeln.

Haushaltsgeräte im Lager
Auch Haushaltsgeräte sollen in Zukunft kommunizieren. Foto: rtr

Für die Umwelt wäre es zweifelsohne positiv, wenn der Anteil von Elektro-Autos auf den deutschen Straßen deutlich steigen würde. Doch die Bürger könnten dann öfters mal im Dunkeln sitzen. Denn schon ein Anteil von 30 Prozent E-Autos könnte beim ungeregelten Laden örtlich Stromnetze kollabieren lassen, hat das Beratungsunternehmen Wyman in einer Studie mit der TU München errechnet.

Verhindern könnte man das durch einen teuren Netzausbau – oder aber per automatisierter Kommunikation. „Neue Geräte sprechen Eebus“, sagt Peter Kellendonk. Er ist Chef der gleichnamigen Industrie-Initiative Eebus, die eine solche Gerätesprache für den Bereich Energie entwickelt hat.

Eebus sitzt in Köln, wurde 2012 gegründet und umfasst heute über 70, meist europäische, Unternehmen als Mitglieder. Verschiedene Branchen wie Autozulieferer, Heizungsbauer, Energieversorger und Hausgerätehersteller sind hier unter einem Dach versammelt, um ihren Geräten eine Art Esperanto für Energiemanagement beizubringen. Sie sollen automatisiert untereinander regeln, wann welches Gerät preis- und netzschonend geladen wird und ob der Strom besser aus dem Netz oder von einer Dachsolaranlage bezogen wird.

Erste „Sprachtests“ für digitale Heizungen, Elektroautos und intelligente Häuser waren erfolgreich. „Es hat alles funktioniert, technische Hürden gibt es nicht mehr“, sagt Kellendonk. Er glaubt, dass es im Bereich Energiemanagement mit Eebus gelungen ist, eine nun serienreife Weltsprache für Geräte aller Art und eine Vielzahl von Branchen zu entwickeln. „Wir sind die absoluten Vorreiter“, sagt der Manager selbstbewusst.

Das zeige sich auch daran, dass nicht nur große US-Konzerne wie IBM und Intel dabei sind, sondern mit der chinesischen Nari-Gruppe seit kurzem auch eine Tochter des weltgrößten Stromversorgers, der chinesischen SGCC. Zudem kooperiert die US-Initiative OCF (Open Connectivity Foundation), die sich auf den Entertainment-Bereich mit Computern und Handys konzentriert, mit Eebus.

„Es wird nicht den einen alles beherrschenden Superstandard geben“, sagt Kellendonk. Am Ende würden wohl eine handvoll Gerätesprachen für verschiedene Anwendungsfälle stehen. Eebus ist die Sprache für Energie und ihr Treiber die Autoindustrie. Spätestens wenn E-Autos mit ihren riesigen Energieverbräuchen massenhaft ins Stromnetz drängen, muss das Laden intelligent gesteuert werden. Ungeregelt droht nicht nur ein regionaler Netzkollaps, sondern im kleineren Maße auch einer von Hausstromnetzen.

Groß ist der Aufwand nicht, um mit dem Internet verbundenen Dingen Eebus beizubringen, vor allem nicht im Vergleich zu einem alternativen Netzausbau, sagt Kellendonk. Neue Produkte wie E-Autos werden ohnehin sprachfähig entwickelt. Intelligente Heizungen seien über vorhandene Schnittstellen relativ leicht aufrüstbar. Gleiches gilt für die Wechselrichter von Haussolaranlagen.

Einziges Problem seien Hausgeräte, räumt der Eebus-Chef ein. Zwar sprechen neueste Geräte von Miele, BSH & Co bereits Eebus. „Aber niemand kauft sich eine neue Küche, nur weil man sie fernsteuern kann“, schätzt Kellendonk. Eine Marktdurchdringung dürfte hier viele Jahre dauern, was hinsichtlich Netzsicherheit aber nicht dramatisch sei. Denn gemessen am gesamten Energie- und Stromverbrauch hätten Hausgeräte nur einen relativ kleinen Anteil.

Eebus ist aber nur eine Sprache. Die praktische Anwendung und das Regelwerk müssen die einzelnen Branchen erarbeiten und sich dabei auch Konkurrenten öffnen. Während beispielsweise Autobauer wenig Bedenken hätten, das gegenüber Heizungsherstellern zu tun, geht es innerhalb der einzelnen Branchen weniger offen zu, sagt Kellendonk: „Da gibt es Ängste“. In China, wo Dinge in strategisch wichtigen Fragen von oben verordnet und dann schnell umgesetzt werden, besteht dieses Problem nicht.

Kellendonk ist aber zuversichtlich, dass deutsche Industrien sich nicht verweigern werden, einfach weil der Druck zu groß sei. Das hierzulande vereinbarte Ausrollen von intelligenten Stromzählern sei ein erster konkreter Schritt für intelligentes Strommanagement. Allerdings brauche es eine gesetzliche Verpflichtung für Besitzer intelligenter Häuser, die eigenen vier Wände Eebus-fähig zu machen, fordert die Industrie-Initiative. Das sei zwar im eigenen Interesse privater Haushalte, schon um zu verhindern, dass im Haus die Sicherungen fliegen. Davon ausgehen, dass es jeder tut, sollte man aber nicht, warnt Kellendonk.

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