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Tarifvertrag Leiharbeit als Dauerzustand

Unternehmen in Metall- und Elektroindustrie können künftig laut eines neuen Tarifvertrags mit der IG Metall Leiharbeiter künftig bis zu 48 Monate einsetzen. Der Vertrag liegt damit weit über der gesetzlichen Obergrenze.

Metallindustrie
Lange Zeit in Leiharbeit: In der Metallindustrie können Arbeitnehmer künftig mehrere Jahre in Leiharbeit eingesetzt werden. Foto: imago

Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie können Leiharbeiter künftig bis zu 48 Monate einsetzen. Darauf haben sich die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall in einem neuen „Tarifvertrag zum Einsatz von Leih- und Zeitarbeitnehmern“ verständigt. Mit dieser Einigung geht die Branche weit über die seit 1. April geltende gesetzliche Obergrenze für die Arbeitnehmerüberlassung hinaus. Das im Herbst verabschiedete Gesetz sieht eine maximale Verleihdauer von 18 Monaten vor. Es enthält allerdings eine Öffnungsklausel für abweichende tarifvertragliche Vereinbarungen, von der die Tarifparteien nun Gebrauch gemacht haben.

Dass in der Metall- und Elektrobranche das gesetzliche Limit aber auf die annähernd dreifache Dauer ausgedehnt werden soll, stößt auf Kritik. „Wenn das Gesetz am Ende besser ist als der Tarifvertrag, dann fragt sich der mündige Gewerkschafter, wozu er eine Gewerkschaft braucht“, so Jutta Krellmann, Fraktionssprecherin der Linken für Arbeit und Mitbestimmung im Bundestag. Nicht längere, sondern kürzere Überlassungszeiten und ein generelles Verbot langfristiger Entleihungen müssten das Ziel sein.

Demgegenüber betonte ein IG-Metall-Sprecher, dass die langen Überlassungszeiten keinesfalls automatisch in allen Unternehmen gälten. Voraussetzung sei in jedem Fall eine Betriebsvereinbarung zwischen  Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertretung, mit der die Leiharbeit im Unternehmen geregelt wird. Da es sich bei solchen Vereinbarungen um ein Geben und Nehmen handele, könnten die Betriebsräte als Gegenleistung für eine 48-monatige Überlassungsdauer andere Vorteile – etwa übertarifliche Entlohnung oder Sondergratifikationen – für Leiharbeiter verlangen, so der Gewerkschaftssprecher. In diesem Sinne eröffne die Vier-Jahres-Grenze bessere Beschäftigungsbedingungen zu sichern.

Krellmann widerspricht dem. Leiharbeiter würden zur Verhandlungsmasse zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern gemacht, das Auseinanderfallen der Belegschaften in zwei Klassen werde mit Zustimmung der IG Metall zementiert.

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