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Tarifverhandlungen IG Metall stellt hohe Forderungen

Die Verhandlungsposition der IG Metall ist gut.

IG Metall
IG Metall setzt die Warnstreiks in der Metallindustrie fort. Foto: dpa

In dieser Woche hat die IG Metall zu ersten Warnstreiks aufgerufen, um ihren Forderungen in den laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen: Sechs Prozent mehr Lohn und die Möglichkeit der Arbeitszeitreduzierung auf bis zu 28 Wochenstunden mit einem Teillohnausgleich für Schichtarbeiter, Eltern mit Kindern unter 14 Jahren und Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen fordert die Gewerkschaft.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bot daraufhin eine Einmalzahlung von 200 Euro für das erste Quartal 2018 sowie im Anschluss ein Lohnplus von zwei Prozent bis März 2019 an. Überdies legte er ein Gutachten vor, demzufolge der Teillohnausgleich aus verschiedenen Gründen unrechtmäßig sei – und damit auch die Forderung der IG Metall.

Sonderlich nahe ist man sich in den ersten beiden Verhandlungsrunden nicht gekommen. Und es ist zweifelhaft, ob die am Donnerstag in Baden-Württemberg startende dritte Runde entscheidende Fortschritte zeitigen wird. Im Kern geht es nicht so sehr um die Lohnforderung. Sehr viele Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie verdienen seit geraumer Zeit gut bis prächtig, die Auftragsbücher sind voll, der Fachkraftmangel verschärft den Wettbewerb um Nachwuchs. Vor diesem Hintergrund könnten die meisten Arbeitgeber mit einer vier oder sogar fünf vor dem Komma leben.

Arbeitgeber warnen vor Personalengpässen

Höchst strittig ist aber die Forderung nach der Arbeitszeitverkürzung auf 28 Wochenstunden, die Beschäftigten laut IG Metall mit Teillohnausgleich bis zu einem Zeitraum von zwei Jahren zustehen soll. Die Gewerkschaft fordert einen pauschalen Zuschuss von 200 Euro monatlich, wenn Arbeitnehmer mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen ihre Arbeitszeit um mindestens 3,5 Stunden Woche reduzieren.

Mit dem Festbetrag sollen auch Beschäftigte in unteren Lohngruppen in die Lage versetzt werden, sich um familiäre Belange zu kümmern. Schichtarbeiter sollen jährlich eine Pauschale von 750 Euro erhalten, wenn sie ihre Arbeitszeit um wenigstens zehn Schichten pro Jahr vermindern. Dies sei im Sinne des vorsorgenden Gesundheitsschutzes der Belegschaften und daher auch gut für die Unternehmen, so die IG Metall.

Das sieht der Arbeitgeberverband völlig anders. Über flexible Arbeitszeitmodelle, die es ohnehin bereits gebe, könne man reden, wenn zugleich längere Arbeitszeiten möglich würden. Unterm Strich dürfe es zu nicht zur Verringerung des Arbeitsvolumens kommen. Teillohnausgleich werde genau dies bewirken: Eine massenhafte Inanspruchnahme koste Arbeitszeit in der Größenordnung von 200.000 Vollzeitstellen, so Gesamtmetall-Geschäftsführer Oliver Zander. Der Lohnausgleich wirke wie „eine Stilllegeprämie für Fachkräfte“.

Mit Blick auf zunehmende Personalengpässe gehe die Gewerkschaftsforderung in die falsche Richtung. Zudem würden Beschäftigte mit Lohnausgleich besser gestellt als jene, die schon in Teilzeit arbeiteten. Eine solche Ungleichbehandlung kollidiere mit dem Entgelttransparenzgesetz.

Dritte Verhandlungsrunde am 26. Januar

Fazit: geht personalpolitisch nicht, geht rechtlich nicht, machen wir nicht. Reden nicht mal drüber: Bisher hat Gesamtmetall jedwede Verhandlung über Arbeitszeitverkürzungen mit Teillohnausgleich schlicht verweigert. „Auf der Arbeitgeberseite spüren wie einen gewissen Unwillen, sich dem Thema Arbeitszeit zu widmen“, sagt IG-Metallchef Jörg Hofmann.

Diese Haltung führe zu keiner Lösung. Vielmehr müsse die Gegenseite „jetzt ins Arbeiten kommen und eine Grundlage für Verhandlungen schaffen, die zu einem Ergebnis führen können“. Man habe die „große Bereitschaft“, in den nächsten Tagen substanzielle Fortschritte zu erzielen.

Was, wenn die ausbleiben? Der IG-Metall-Bundesvorstand wird im Anschluss an die dritte Verhandlungsrunde am 26. Januar entscheiden, wie es weiter geht: Konstruktive Gespräche und baldiger Abschluss; weitere Warn- und Ganztagesstreiks, um den Verhandlungsdruck zu erhöhen; oder mit Urabstimmung und anschließenden Flächenstreiks. Schlecht ist die Position der Gewerkschaft dabei nicht. In Hochkonjunkturphasen tun Streiks besonders weh. Das weiß auch Gesamtmetall.

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