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Tarifrunde „Unsere Leute sind von Armut bedroht“

In der aktuelle Tarifrunde fordert die IG Bau ein kräftiges Plus für Reinigungskräfte - aber was bieten die Arbeitgeber?

Sie sind die guten Geister, die dafür sorgen, dass heute sauber ist, was gestern noch schmutzig war. Sie putzen und fegen, polieren und wischen, Fußböden, Fenster und Toiletten. Anders als die Heinzelmännchen vordem in Köln, verrichten die bundesweit 600 000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk ihre Arbeit nicht kostenlos. In der aktuellen Tarifrunde fordert die IG Bau vielmehr ein kräftiges Plus für die Reinigungskräfte und zudem die Angleichung der Löhne in West und Ost bis 2019. Dass in der vierten Verhandlungsrunde an diesem Dienstag in Essen eine Einigung zustande kommt, erscheint angesichts der weit auseinander liegenden Verhandlungspositionen kaum vorstellbar.

Was will die Gewerkschaft?
Die IG Bau stellt drei zentrale Forderungen: Ein Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigten, die Einführung eines Weihnachtsgeldes und gleiche Löhne in Ost und West bis 2019. Damit würden die Mindestlöhne in der untersten Lohngruppe, die der bis Ende des Jahres laufende Tarifvertrag vorsieht, im Westen auf elf Euro für Innenreinigungskräfte und 14,25 Euro für die Außen- und Fensterreinigung steigen, im Osten wären es 10,05 Euro und 12,53 Euro.

Was käme noch dazu?
Zu diesem knapp zehnprozentigen Anstieg käme noch ein bisher nicht bezifferter Einstieg ins Weihnachtsgeld und die Lohnangleichung. Als übergeordnetes Ziel hat IG-Bau-Verhandlungsführerin Ulrike Laux ausgegeben, die Beschäftigten aus dem Niedriglohnsektor herausholen zu wollen, der unterhalb von etwa 11,50 Euro beginnt: „Unsere Leute sind von Armut bedroht und mit den niedrigen Renten landen sie später in der Altersarmut. Wir fordern deshalb die Arbeitgeber auf, ein Angebot vorzulegen, das diesen Namen verdient und verhandlungsfähig ist.“

Was bieten die Arbeitgeber?
Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks ist bereit, ein Plus von drei Prozent im Westen und 4,5 Prozent im Osten zu zahlen – bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Die Forderungen der IG Bau summierten sich auf rund 16 Prozent in Westdeutschland und 29 Prozent in Ostdeutschland, seien mithin „unrealistisch und völlig überzogen“, so der Vorsitzende der Tarifkommission des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks, Christian Kloevekorn. Die Arbeitgeber zahlten seit Jahren freiwillig einen tariflichen Mindestlohn, der deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liege. Zugleich betont Kloevekorn, dass den Unternehmen an einer zügigen Einigung gelegen sei. „Mit unserem Angebot setzen wir vor allem im Osten ein klares Zeichen, welches zur allgemeinen Wirtschaftslage passt.“

Wie geht es weiter?
Mit einer Einigung am Dienstag rechnet keine der beiden Seiten. Noch sind die Tarifparteien aber zuversichtlich, vor Ende der Friedenspflicht am 31. Dezember zu einem Abschluss gelangen zu können. Wenn nicht, ist ein Streik durchaus möglich. Bereits im Oktober 2009 waren die Reinigungskräfte in einen einwöchigen Streik getreten und hatten damit eine zweistufige Tariferhöhung mit zunächst 3,8 Prozent im Osten und 3,1 Prozent im Westen sowie einer weiteren Steigerung um 2,5 (Ost) und 1,8 Prozent (West) durchgesetzt. Zudem war der Einstieg in eine betriebliche Altersversorgung vereinbart worden – so wie es jetzt der IG Bau mit Blick auf das Weihnachtsgeld vorschwebt.

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