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Tariflöhne Mit Kampf zum Erfolg

Mit Streiks haben es die Arbeitnehmer geschafft, die Tariflöhne nach oben zu schrauben. Der Druck auf die Arbeitgeber bleibt hoch. Die Analyse.

Angesichts der anhaltend guten Konjunktur und steigender Unternehmensgewinne sind die deutschen Gewerkschaften dieses Jahr auf Konfrontationskurs gegangen. Gestreikt wurde in der Metallbranche, im öffentlichen Dienst, am Bau, bei der Post und andernorts. Das hat sich für Millionen Beschäftigte gelohnt. Im ersten Halbjahr 2018 erkämpften die Gewerkschaften ein Lohnplus von mehr als drei Prozent. Die steigende Inflation frisst einen großen Teil davon allerdings wieder auf.

Die Tarifkonflikte 2018 „verliefen weniger kooperativ als im Vorjahr“, so das unternehmensnahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Halbjahresbilanz. Die Metall-Tarifrunde war die härteste seit dem Jahr 2003, als die Gewerkschaften – erfolglos – für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland kämpften. Hohe Eskalationsstufen erklommen laut IW auch die Auseinandersetzungen bei der Deutschen Telekom und im Öffentlichen Dienst, der anderthalb Monate bestreikt wurde. Hart zur Sache ging und geht es noch immer zwischen der Pilotenvereinigung Cockpit und Ryanair.

Ergebnis des Konfrontationskurses sind deutlich stärker steigende Tarifverdienste. Laut Gewerkschaftsinstitut WSI legten sie – unter Berücksichtigung der im ersten Halbjahr 2018 abgeschlossenen Tarifverträge und der bereits zuvor für 2018 vereinbarten Tariferhöhungen – um 3,1 Prozent zu. In den beiden Vorjahren hatte das Plus lediglich jeweils 2,4 Prozent betragen. Berücksichtigt man nur die Neuabschlüsse aus dem ersten Halbjahr, ergibt sich laut WSI sogar ein Lohnzuwachs von 3,8 Prozent für insgesamt 8,5 Millionen Lohnabhängige. Das lohnt sich nicht nur für die Beschäftigten, sondern stärkt auch die Konjunktur – im vergangenen Jahr trug der private Konsum die Hälfte des Wirtschaftswachstums, er macht über 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Am besten lief es für die Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe, wo eine jahresbezogene Tariferhöhung von 5,2 Prozent erreicht wurde. Überdurchschnittliche Steigerungen verzeichnen auch die Metaller mit 4,0 Prozent und der öffentliche Dienst mit 3,4 Prozent. Im Groß- und Einzelhandel finden dieses Jahr keine Tarifverhandlungen statt, aus früheren Vereinbarungen ergibt sich aber ein Lohnplus von 2,8 Prozent. Den geringsten Zuwachs gibt es bei den Banken mit 1,3 Prozent.

Real bleibt den Arbeitnehmern allerdings ein geringerer Einkommenszuwachs, die Banker müssen sogar Verluste hinnehmen. Denn die Unternehmen erhöhen die Preise und machen das Leben so teurer. Angesichts einer Inflationsrate von 1,7 Prozent im ersten Halbjahr betrug das wirkliche Plus der Kaufkraft nur durchschnittlich 1,4 Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2016 erkämpften die Beschäftigten zwar einen Lohnzuwachs von lediglich 2,4 Prozent. Davon blieben wegen der niedrigen Inflationsrate aber 1,9 Prozent übrig.

Da die Inflation mittelfristig wohl höher als in den Vorjahren liegen wird, dürften die Gewerkschaften mit ihrem Druck nicht nachlassen. Das zweite Halbjahr wird konfliktreich, prognostiziert das Institut IW. Bei der Fluggesellschaft Ryanair und in der Druckindustrie „drohen harte Auseinandersetzungen“. Die Drucker wollen fünf Prozent mehr Gehalt, in der chemischen Industrie liegt eine Forderung nach sechs Prozent Zuwachs auf dem Tisch.

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