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Szenarien Anleger stellen sich auf griechischen Staatsbankrott ein

Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion ist wieder quicklebendig. Kommt es zu einem griechischen Staatsbankrott, bliebe dem Land nur noch ein Austritt aus der Währungszone.

01.11.2011 18:31
Anna Sleegers
Was passiert, wenn Griechenland demnächst doch zahlungsunfähig sein wird? Szenarien für Griechenland Foto: dpa

Nachdem der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Vorabend eine Volksabstimmung über das griechische Sparprogramm angekündigt hatte, spielten die Anleger am Dienstag schon einmal das Szenario eines abschlägigen Bescheides durch. Die kurzfristige Erleichterung die sich nach dem Gipfel verbreitet hatte, verpuffte.

Der Euro, der nach den Gipfel-Beschlüssen  auf ein Sieben-Wochen-Hoch zum Dollar geklettert war, rutschte zeitweise um mehr als zwei US-Cent bis auf 1,3675 Dollar auf ab. In ganz Europa brachen die Aktienmärkte auf breiter Front ein. Besonders unter Druck gerieten  die Titel von Banken und Versicherungen.

Aber auch an den Anleihemärkten schlug die Nachricht aus Athen ein wie eine Bombe. Die  Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen fiel erneut unter zwei Prozent. Das ist ein untrügliches Zeichen für die Nervosität der Anleger. Offenbar ist die Angst vor Verlusten bei jeder anderen Geldanlage so groß, dass sie es lieber in Kauf nehmen, durch diese niedrige Verzinsung de facto Geld zu verlieren.

Die italienischen Staatsanleihen kletterten auf ein neues Rekordhoch

Die italienischen Staatsanleihen kletterten dagegen auf ein neues Rekordhoch. „Wieder einmal musste die Europäische Zentralbank den Feuerwehrmann spielen und Anleihen kaufen“, sagte ein Frankfurter Händler mit Blick. Angeblich kaufte die Zentralbank aber nicht nur italienische, sondern auch spanische  Staatspapiere.

Nach einem Bericht der griechischen Zeitung Kathimerini ließ Papandreou auf der Sitzung seiner Partei kein Zweifel daran, dass auch die an das Sparvorhaben geknüpften Hilfszusagen des Europäischen Rettungsfonds über 130 Milliarden Euro und nicht zuletzt den ausgehandelten Forderungsverzicht der Gläubigerbanken, der das hoch verschuldete Land um weitere 100 Milliarden Euro entlasten soll.

Papandreou spiele mit dem Feuer, schreibt Birgit Figge, Anleiheexpertin bei der DZ Bank, in einem Kurzkommentar. „Das politische Chaos, das in den kommenden Monaten in Griechenland und innerhalb der Europäischen Währungsunion droht, macht es schwierig, die Konsequenzen auf die Finanzmärkte exakt zu greifen.“

Ein sofortiger Staatsbankrott droht zwar nicht. Denn auf kurze Sicht kann Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen zwar noch nachkommen, weil die Staats- und Regierungschef bereits kurz vor dem Sondergipfel die letzte Tranche der Hilfskredite freigegeben hatten. Verwerfen die Griechen das Sparprogramm, könnte es schon im nächsten Monat, spätestens aber Anfang 2012 knapp werden. Denn wenn die europäischen Partner wegen eines negativen Ausgang des Volksentscheids die Hilfsleistungen einstellen, würde das Horrorszenario der Anleger, ein  ungeordneter Staatsbankrotts Wirklichkeit.

Viele Banken und Versicherungen nutzten die Tatsache, dass die Kontrakte handelbar sind, um auf eine Zuspitzung der Krise zu wetten.

Das würde nicht nur die europäischen Banken weitaus härter treffen als der bislang ausgehandelte Verzicht auf 50 Prozent ihrer Forderungen. Denn anders als ein freiwilliger Gläubigerverzicht wäre ein offizieller Staatsbankrott ein Kreditereignis allererster Güte. Wenn der internationale Derivateverband ISDA ein solches ausruft, werden in Europa und überall auf der Welt sogenannte Credit Default Swaps auf griechische Anleihen fällig, mit denen sich Investoren gegen einen Ausfall ihrer Anleihen versichern können.

Wenn diese Kontrakte nur zur Absicherung gegen Verluste genutzt würden, wäre dies vermutlich noch in den Griff zu bekommen. Doch viele Banken und Versicherungen  nutzten die Tatsache, dass die Kontrakte handelbar sind, um auf eine Zuspitzung der Krise zu wetten. Denn je größer die Angst vor dem Ausfall wird, desto teurer lassen sich die Kontrakte weiterverkaufen.

Kommt es nun tatsächlich zu einem griechischen Staatsbankrott, würden eine unübersehbare Flut von Zahlungsverpflichtungen fällig. Da der Handel mit diesen Kontrakten nicht auf regulierten Handelsplattformen stattfindet, lässt sich jedoch nur schwer vorhersagen, wie heftig die Marktverwerfungen sein würden.

Unabhängig davon würde ein Staatsbankrott auch dem griechischen Bankensektor den Rest geben. Da ihre Anleihen nicht mehr als Sicherheiten anerkannt würden, könnten sie sich bei der Europäischen Zentralbank kein Geld mehr leihen, wodurch sie zahlungsunfähig wären. In einer solchen Situation bliebe dem Land nach Einschätzung der meisten Finanzexperten kaum eine Alternative als aus der Währungszone oder gar der Europäischen Union auszutreten.

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