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Südafrika SAP in Schmiergeld-Affäre verwickelt

Der Walldorfer Sofwarehersteller SAP soll in den Skandal um die indische Unternehmerfamilie Gupta verwickelt sein. Die Niederlassung in Südafrika soll fast sieben Millionen Euro überwiesen haben.

Gupta-Brüder Ajay and Atul
Haben gut lachen, denn Südafrika soll in ihren Fängen sein: die Gupta-Brüder Ajay and Atul (links). Foto: Imago

Als eines der ersten internationalen Unternehmen ist der deutsche Software-Konzern SAP in den umfangreichen Skandal um die indisch-stämmige Gupta-Familie verwickelt worden, der derzeit das Kap der Guten Hoffnung und die Präsidentschaft Jacob Zumas erschüttert. Nach Informationen eines Teams von Enthüllungsjournalisten hat das Walldorfer Unternehmen, das in Südafrika eine große Niederlassung unterhält, einer mit der Gupta-Familie verbundenen Firma insgesamt fast sieben Millionen Euro überwiesen, bei denen es sich um Schmiergelder handeln soll. Brett Parker, SAP-Geschäftsführer in Südafrika, bezeichnete die Vorwürfe zwar als „unzutreffend und unbegründet“. Doch den Journalisten in die Hände geratene Dokumente sprechen eine andere Sprache.

Unumstritten ist, dass SAP Südafrika im August vor zwei Jahren mit „CAD House“ – einer kleinen Firma, die 3-D-Drucker verkauft und mit dem Geschäftsimperium der Gupta-Familie verknüpft ist – einen Vertrag schloss: Für den Fall, dass es zum Abschluss eines Vertrages zwischen SAP und dem staatlichen Transportunternehmen Transnet mit einer Mindesthöhe von 100 Millionen Rand (rund sieben Millionen Euro) kommt, soll CAD House zehn Prozent Provision erhalten.

SAP bestreitet die Existenz dieses Vertrags nicht, besteht jedoch darauf, dass es sich dabei nicht um Schmiergeld, sondern um die Regelung einer Dienstleistung gehandelt habe, die CAD House tatsächlich erbrachte. Um welche Dienstleitung es genau ging, wollte der Konzern auf Nachfrage allerdings nicht weiter mitteilen. Nach den Erkenntnissen der amaBhungane („die Mistkäfer“) genannten Journalistengruppe überwies SAP Anfang des vergangenen Jahres fast 100 Millionen Rand in mehreren Tranchen an die Firma CAD House – zehnmal mehr, als der Vertrag mit SAP vorsah. Beim Rest der Summe könne es sich um weitere Schmiergeldzahlungen handeln, die für Deals zwischen SAP und anderen staatlichen Unternehmen wie dem Stromkonzern Eskom angefallen seien, vermutete einer der Enthüllungsjournalisten auf Anfrage der FR.

Die Gupta-Familie wurde schnell reich

Dass CAD House in Wahrheit als „Frontunternehmen“ benutzt wurde, über die Schmiergeldzahlungen für die mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma verbundene Gupta-Familie abgewickelt wurden, legt auch die Tatsache nahe, dass die SAP-Überweisungen nicht beim CAD-House verblieben, sondern sogleich an andere Gupta-Firmen weitergeleitet wurden. Das belegen Bankunterlagen, die amaBhungane vorliegen.

Die Recherche der Journalisten stützt sich außerdem auf rund 200.000 E-Mails, die ihnen bereits vor Wochen zugespielt wurden. Die schrittweise Auswertung des Schriftverkehrs zwischen zahlreichen Akteuren des Gupta-Imperiums hält derzeit Südafrikas Zeitungsleser in Atem: Fast täglich werden neue Einzelheiten über die Machenschaften der Einwandererfamilie bekannt. Die drei Gupta-Brüder waren kurz nach der politischen Wende 1994 nach Südafrika gekommen und hatten sich mit dem späteren Präsidenten Zuma angefreundet. Dessen Sohn Duduzane sitzt als Direktor in etlichen Unternehmen der Guptas.

Nach Zumas Regierungsübernahme im Jahr 2009 vermehrte sich der Reichtum der Einwandererfamilie in rasantem Tempo. Inzwischen kontrollieren die Guptas mehrere Kohleminen, eine Uranmine, einen Fernsehsender, eine Tageszeitung, eine Computerfirma sowie mehrere Beratungsunternehmen und eine Stahlfabrik. Auswertungen der E-Mails brachten zum Vorschein, dass sich die Guptas fast 500 Millionen Dollar an „Beratungsgebühren“ im Zusammenhang mit einem Großeinkauf von Lokomotiven aus China durch Transnet sicherten, und dass sie mit Hilfe der Regierung auf erpresserische Weise eine Kohlemine des Schweizer Glencore-Konzerns erwarben. Selbst innerhalb des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) ist inzwischen vom „state capture“, der Geiselnahme des Staates seitens der Guptas die Rede: Auch wichtigste politische Entscheidungen wie die Besetzung des Finanzministeriums sollen in der Johannesburger Villa der Immigranten getroffen worden sein.

Forderung nach dem Rücktritt von Jacob Zuma

Schon seit über einem Jahr wird der Rücktritt Zumas gefordert. Dem 75-Jährigen wird vorgeworfen, zwei Finanzminister in Folge wegen deren Widerstand gegen den wachsenden Einfluss der Guptas gefeuert und damit dem Land enormen wirtschaftlichen Schaden zugefügt zu haben. Trotz mehrerer Misstrauensanträge im Parlament vermochte sich der ANC-Chef bislang an der Macht zu halten. Die SAP-Enthüllungen seien nicht die letzten gewesen, heißt es bei den „Mistkäfern“ unterdessen: „Es kommt noch wesentlich mehr.“

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