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Südafrika Günstiger Wein auf Kosten der Schwachen

Die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler drücken die Preise für südafrikanische Tropfen immer weiter. Eine Oxfam-Studie zeigt: Leidtragende sind Erntehelfer und Winzer vor Ort.

Ausbeutung im südafrikanischen Weinanbau
Leidtragende des Preisdrucks: Arbeiterinnen auf einer Traubenplantage in der Provinz Westkap, Südafrika. Foto: Oxfam

Aus Verbrauchersicht verfügen große Supermarktketten und Discounter über einen unschlagbaren Vorteil: Sie können ihr Sortiment zu niedrigen Preisen anbieten als Spezialitätengeschäfte und kleine Lebensmittelhändler. Möglich sind die günstigen Offerten vor allem wegen der ungeheuren Mengen, die die Ketten bei Erzeugern und Zwischenhändlern ordern: Wer täglich zig Tonnen Kartoffeln abnimmt, zahlt pro Kilo weniger als Tante Emma mit einem Zentner in der Woche. Logisch. Günstig. Gut.

Aber nicht für alle. Mit ihrer starken Marktstellung nämlich setzen die großen Ketten ihre Lieferanten gehörig unter Druck, billigst zu liefern. Welche Konsequenzen das hat, zeigt eine Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Oxfam am Beispiel des Weinanbaus in Südafrika. 

Dominiert wird der deutsche Weinmarkt von den „Big Four“ des deutschen Lebensmitteleinzelhandels: den Edeka-Märkten, der Rewe-Gruppe mit dem Discounter Penny, der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi Nord und Aldi Süd. Vier Fünftel des gesamten deutschen Weinumsatzes gehen auf das Konto dieser Einzelhandelsgiganten.

Supermarktketten wälzen Risiken und Kosten ab

Ähnliches gilt für Tafeltrauben: Hier erreichen die großen Vier einen Anteil von 67 Prozent am inländischen Gesamtumsatz. „Das verleiht deutschen Discountern und Supermarktketten eine enorme Verhandlungsmacht: Sie können die Preise bestimmen und Kosten und Risiken auf ihre Lieferanten abwälzen“, heißt es in der Oxfam-Untersuchung.

Die großen Ketten seien „das Nadelöhr, durch das Produzenten ihre Ware auf den deutschen Markt bringen müssen“, so Studienautorin Franziska Humbert.Durch besagtes Nadelöhr passen allerdings nur Produkte mit Niedrigpreisen. Südafrikanische Tafeltrauben wurden für deutsche Aufkäufer seit dem Jahr 2000 um 70 Prozent billiger.

Noch krasser sanken die Erlöse für Wein: Im Jahr 2000 bezahlten deutsche Abnehmer im Schnitt noch knapp vier US-Dollar pro Liter an ihre südafrikanischen Lieferanten, bis 2016 war der durchschnittliche Preis auf unter einen Dollar pro Liter gefallen. Das ist ein internationaler Minusrekord. Der Weltmarktpreis für südafrikanische Weine lag 2015 um rund 50 Prozent über dem Preis, den die großen deutschen Ketten zahlten.

Preisdruck trifft die Frauen auf den Plantagen am härtesten

Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat sogenannter Tankwein, der in riesigen Metallbehältern per Schiff eingeführt, in Deutschland abgefüllt und etikettiert wird, bevor er als Billigerzeugnis mit Flaschenpreisen zwischen zwei und drei Euro bei Aldi und Co. im Regal landet. Für die deutschen Ketten hat Tankwein zahlreiche Vorteile: Der Transport ist um die Hälfte billiger als der in Flaschen, der Wein wird austauschbar und somit auch die Lieferanten: Ist dem einen der angebotene Preis zu niedrig, wechselt man zum Nachbargut. 

Lag der Anteil der Tankweine an den südafrikanischen Weinausfuhren nach Deutschland im Jahr 2000 noch bei gut einem Drittel, so sind es mittlerweile fast vier Fünftel. „Während so die Abhängigkeit der südafrikanischen Exporteure wächst, nimmt die Verhandlungsmacht deutscher Importeure und Einzelhändler zu“, schreibt Oxfam-Autorin Humbert. 

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