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Studie zur Zeitarbeit Zeitarbeit ist kein Sprungbrett

Eine Studie zeigt: Nur wenige Zeitarbeiter finden Beschäftigung in einem regulären Job. Die meisten bleiben Leiharbeiter. Die Ergebnisse sind brisant: Denn Politik wie Arbeitgeber sagen der Zeitarbeit häufig eine Brückenfunktion nach, die die Zeitarbeit laut Studie nicht hat.

Eine Studie hat gezeigt, dass Zeitarbeit nur selten in reguläre Beschäftigung mündet.

"Zeitarbeit ist kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung“, fasst Alfred Garloff vom IAB Hessen die Ergebnisse einer bislang unveröffentlichten Studie zur „Arbeitnehmerüberlassung in Hessen“ zusammen, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Garloff hat sie zusammen mit Timo Lepper und Carola Burkert verfasst.

Die drei Experten des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Arbeitsagentur Hessen haben die Berufsbiografien von Menschen verglichen, die sich arbeitslos gemeldet und im ersten Jahr nach ihrer Meldung bei einer Zeitarbeitsfirma angefangen haben oder eben nicht. In der Gruppe jener, die als Leiharbeiter anheuerten, „konnten wir keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Aufnahme einer regulären Beschäftigung feststellen“, so Garloff. Zeitarbeit sei also weder eine Brücke in reguläre Jobs noch gebe es einen Klebeeffekt.

Klebeeffekt in der Leiharbeit

Aber es gibt auch keine Stigmatisierung von Arbeitnehmern durch die Beschäftigung bei einem Zeitarbeitsunternehmen. Und die Studie stellt auch fest, dass Personen jener Gruppe, die nach Eintritt ihrer Arbeitslosigkeit in die Zeitarbeit gegangen ist, in den folgenden fünf Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Job haben als Personen aus der Vergleichsgruppe – allerdings nur im Bereich der Leiharbeit. „Wer in Leiharbeit eintritt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, in der Leiharbeit zu bleiben“, so Lepper. Wenn es einen Klebeeffekt gibt, dann also den von Leiharbeitern in der Leiharbeit.

Lepper, Garloff und Burkert haben in einem statistischen Verfahren Lebensläufe von Personen verglichen, die sich zwischen 2000 bis 2004 in Hessen arbeitslos gemeldet haben, und deren Entwicklung für maximal fünf Jahre verfolgt.

Aus rund 11.000 Personen haben sie rund 500 herausgefiltert, die innerhalb des ersten Jahres der Arbeitslosigkeit bei einem Verleiher angefangen haben. Für die Vergleichsgruppe haben sie für jede Person „statistische Zwillinge“ gesucht, also einen Datensatz, der dem ersten möglichst vollständig gleicht – aber eben ohne Job in der Zeitarbeit.

Die Forscher konnten auf Daten der Arbeitsagentur und der Sozialversicherung zurückgreifen. Sie haben dabei, so Garloff, eine ausreichend große Menge herausfiltern können, um relevante und aussagekräftige Schlüsse zu ziehen.

Allerdings sagen die Daten nichts über die Motivation, aus der Menschen zur Verleihfirma gehen. Eine kleine Einschränkung macht Garloff deshalb: Falls Personen mit problematischen Biografien überdurchschnittlich oft als Zeitarbeiter anfingen, dann würde dies die Ergebnisse verzerren. Allerdings hätten sie diese Möglichkeit geprüft und er halte die Wahrscheinlichkeit für eine Verfälschung für sehr niedrig.

Brisante Ergebnisse

Die Studie hat Brisanz, denn Politik wie Arbeitgeber sagen der Zeitarbeit häufig eben jene Klebewirkung und Brückenfunktion nach, die sie laut der IAB-Untersuchung nicht haben. Diese Argumentationsmuster haben auch dazu beigetragen, dass Zeitarbeit dereguliert wurde. Damit einhergehend haben Zeitarbeitsverhältnisse stark zugenommen.

In Hessen etwa hat sich laut Arbeitsagentur ihre Zahl von rund 25.000 im Jahr 2004 auf etwa 50.000 vier Jahre später verdoppelt. Ein IAB-Kurzbericht aus dem vergangenen Jahr hat festgestellt, dass etwa die Hälfte der neuen Zeitarbeitsstellen aus organischem Wachstum kommen, die andere Hälfte aber Verdrängung von Beschäftigung außerhalb dieses Sektor ist – das wären also in Hessen im genannten Zeitraum rund 12.500 Jobs.

Allerdings muss man auch sehen, dass Zeitarbeit absolut gesehen nach wie vor ein kleines Phänomen ist: Im März dieses Jahres waren laut Arbeitsagentur Hessen etwa 2,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen im Bereich Zeitarbeit angestellt. Zugleich kamen knapp 27 Prozent der gemeldeten freien Stellen aus dem Zeitarbeitssektor.

Zeitarbeit ist damit die führende Branche bei den über die Arbeitsagentur angebotenen Jobs. Weil nicht alle Arbeitsplätze in deren System landen, Zeitarbeitsfirmen ihre freien Stellen dort aber besonders gerne anbieten, dürften Leihjobs in diesen Zahlen überproportional häufig vertreten sein.

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