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Stromspeicher Der Freund in meinem Keller

Immer mehr Privatleute kaufen Batterien, um Strom aus ihrer Solaranlage zu speichern. Finanziell lohnt sich das noch nicht. Aber das könnte sich bald ändern.

Solaranlage
In zehn Jahren werden Freunde beim Besuch im neuen Heim vielleicht eher die Batterie für die Solaranlage im Keller als den Ferrari vor der Haustür bewundern. Foto: rt

Das heizt die Nachfrage an, wodurch die Stückzahlen weiter steigen: Ein Turbo-Effekt, der nicht nur E-Autos, sondern als positive Nebenwirkung auch die Keller-Speicher erheblich billiger und zu einem Produkt macht, dass womöglich eines Tages auch im Baumarkt erhältlich sein wird. Oder beim Autohändler. Daimler oder der E-Autobauer Tesla sind bereits im Geschäft mit stationären Speichern aktiv. 

Treten diese Szenarien ein, wird eine teil-autonome Stromversorgung ein Massenphänomen. „Wir erwarten, dass wir in einem Extremszenario bis zu 15 Prozent des Stromverbrauchs durch dezentrale Eigenverbrauchslösungen abdecken können“, erläutert Matthes vom Öko-Institut. Die Folgen wären weitreichend. Die Einnahmebasis von Stadtwerken und von Betreibern großer Kraftwerke würden erschüttert, weil sie erheblich weniger elektrische Energie verkaufen können. 

EEG-Umlage ist ein dicker Brocken

Matthes macht aber auch darauf aufmerksam, dass das Geschäftsmodell mit den Batterien nur zustande komme, „weil wir relativ hohe Netzkosten, eine Stromsteuer und eine relativ hohe EEG-Umlage haben“. Speicher werden attraktiv, weil der Strompreis für Verbraucher mittlerweile zu zwei Dritteln von Steuern und Abgaben bestimmt wird. Ein dicker Brocken ist die EEG-Umlage, die derzeit bei knapp 6,8 Cent pro Kilowattstunde liegt. Mit den Einnahmen wird die Förderung der Erneuerbaren finanziert. Ein weiterer Faktor sind die Netzentgelte, die die Verbraucher für die Nutzung der Stromnetze zahlen, sie variieren von Versorger zu Versorger und werden ebenfalls pro verbrauchter Kilowattstunde gezahlt. Diese Gebühr macht vielfach inzwischen den größten Posten in der Stromrechnung aus. 

Weniger Netzstrom bedeutet auch, die Steuern und Abgaben müssten auf deutlich weniger Schultern verteilt werden. Besonders Verbraucher, die in Mietwohnungen leben und sich keine Batterie zulegen können, würden zur Kasse gebeten. 

Das dürfte dann heftige Diskussionen über einen Umbau des Abgabensystems beim Strom auslösen. Worauf Umweltschützer und Befürworter eines forcierten Ausbaus der Erneuerbaren schon lange warten. Sie haben immer wieder gefordert, die EEG-Umlage zumindest zum Teil nicht mehr über die Stromrechnung, sondern über eine Art Fonds oder über den Staatshaushalt zu finanzieren. Bei den Netzentgelten wird seit Jahren darüber diskutiert, sie auf eine andere Grundlage zu stellen. So macht Matthes sich dafür stark, dass nicht mehr nach der Menge des verbrauchten Netzstroms, sondern nach der abgerufenen Leistung abgerechnet wird – wichtigster Faktor in Privathaushalten sind dabei E-Herde. Jedenfalls wären dann auch die Selbstversorger stärker im Boot.

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