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Streit über pauschale Anzahlungen

Reiseveranstalter verlangen bis zu 50 Prozent / Verbraucherschützer machen Front

Der Sommerurlaub in der Türkei war wirklich schön“, sagt Christiane Welker. Doch der Ärger über die Begleitumstände hält an. Wenige Tage nach der Buchung des Türkei-Trips präsentierte der Veranstalter Byebye die Rechnung per E-Mail. 50 Prozent Anzahlung wurden verlangt. Kein Einzelfall. „Viele meiner Kunden sind verärgert und verunsichert“, sagt Marija Linnhoff. Sie betreibt in Iserlohn ein Reisebüro, die Welkers gehören zu ihren Stammkunden.

Über Anzahlungen für die schönsten Wochen des Jahres wird seit Jahren gestritten: Veranstalter gegen Verbraucherschützer. Von „marktüblichen Konditionen“ spricht die Branche. „Aber eigentlich gilt in Deutschland das Prinzip Geld gegen Ware oder Dienstleistung“, erläutert Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Es gibt keine gesetzliche Vorauszahlungspflicht für irgendeine touristische Leistung, egal ob Pauschalreise, Flug, Hotel oder Mietwagen“, sagte auch der renommierte Tourismusrechtler Rainer Noll der Frankfurter Rundschau.

Aber die Gerichte haben anerkannt, dass Veranstalter das Geld, das sie quasi unmittelbar für den Reisenden vorstrecken müssen, als Anzahlung fordern dürfen. Der Bundesgerichtshof hat den Unternehmen 20 Prozent zugebilligt. Doch diese Marke ist gefallen. 25 bis 50 Prozent werden inzwischen verlangt. Alle großen Konzerne machen mit. Die neueste Masche: Die Konzerne arbeiten mit Töchtern, die Flugreisen als sogenannte Dynamic-Packaging-Angebote oder X-Produkte vermarkten. Dabei werden verschiedene Komponenten wie Hotel, Flug oder Mietwagen zu einem Paket zusammengestellt. X-Anbieter betreiben in der Regel auch Internetportale, wo Kunden direkt buchen können. Byebye ist eine Tochter von Alltours. Marktführer TUI ist mit X1-2-Fly dabei, der 40 Prozent Anzahlung verlangt. TUI hält dies für angemessen: „Bei der Buchung eines X-Produkts müssen wir als Reiseveranstalter den Flug bereits zum Zeitpunkt der Buchung voll bezahlen und entsprechend für den Kunden in Vorleistung treten.“

Beate Wagner von der Verbraucherzentrale NRW hat einen Anbieter bereits per Abmahnung dazu aufgefordert, Anzahlungen zu reduzieren. „Wir prüfen eine Klage, falls er nicht auf die 20 Prozent heruntergeht.“ Alltours hat dies inzwischen bei seiner Tochter getan. Denn Byebye sei „nicht mehr nur X-Veranstalter, sondern zusätzlich auch Katalogveranstalter“, so ein Sprecher. Kommentar Seite 14

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