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Streit bei Constantin Medien Fack ju Aktionär

Bekommt Constantin wieder Zugriff auf sein Filmgeschäft?

Fack Ju Göhte
Kassenschlager wie Fack Ju Göhte stammen aus dem Haus Constantin Medien. Foto: imago

Seit über einem Jahr tobt bei Constantin Medien ein gnadenloser Aktionärsstreit. Er lähmt den Münchner Film- und Sportrechtekonzern und hat bislang zu zwei turbulenten Hauptversammlungen sowie mehreren Gerichtsstreits geführt.

Nun aber kommt Bewegung in die verfahrene Angelegenheit und zwar an zwei Fronten: Zum einen wird Ende des Monats ein Darlehen fällig, was auf Grund der Besonderheiten im Haus die Blockade zweier Aktionärsgruppen beenden könnte. Zum anderen tut sich strategisch Erstaunliches. „Das Ding ist auf der Zielgeraden“, sagt ein Insider und meint den geplanten Verkauf der Tochter Sport 1.

 Das ist Deutschlands größter Sportsender, der bis vor kurzem als unantastbares Constantin-Herzstück galt. Deshalb gibt es nicht wenige, die von einem aus der Not geborenen Strategieschwenk sprechen. Die Verkaufsgespräche mit den verbliebenen Interessenten Sky und Springer liegen in der Endphase, heißt es.

 Dazu muss man wissen, dass im April 2018 eine Constantin-Schuldverschreibung über 65 Millionen Euro fällig wird und ungewiss ist, ob das Schiff bis dahin wieder flott wird. Also soll jetzt Sport 1 verkauft werden, was ungefähr diese Summe einbringen könnte, wenn man Preisspekulationen glaubt. Dumm ist nur, dass es erklärtes strategisches Ziel und der Kern des Aktionärsstreits ist, das Sport- und Sportrechtegeschäft zu stärken. Dazu gibt es Hauptversammlungsbeschlüsse, auch wenn sie umstritten sind. Constantin-Chef Fred Kogel und Großaktionär Dieter Hahn wollten eigentlich die Tochter Constantin Film verkaufen, um mit dem Erlös der größten deutschen Filmproduktionsfirma mit Kassenschlagern wie Fack ju Göhte von mutmaßlich 200 Millionen Euro verstärkt in den Sportrechtehandel einzusteigen.

 Diesen Plan gebe es immer noch, wird hinter den Kulissen eisern versichert. Sport 1 sei ja nur ein Sportsender, freilich auch mit Internetradio, einem Spieleportal und Online-Ableger. Aber die auf Sportveranstaltungen spezialisierte Produktionsfirma Plazamedia bleibe im Haus und mit Sportrechten habe Sport 1 nichts zu tun. Davon, sogar einen zweiten Sportsender zu gründen, ist keine Rede mehr. Der Verkauf von Sport 1 sei zwar nicht der erwünschte Königsweg, man müsse aber Kompromisse machen, wenn es derzeit unlösbare Zielkonflikte gebe, heißt es nun.

 Die ergeben sich aus dem Umstand, dass Constantin Medien seine Film-Tochter nicht verkaufen kann, obwohl sie mehrheitlich der Münchner Mutter gehört und zugleich die Schuldenuhr tickt. Nun wird es verzwickt. Denn Constantin Medien ist zwar ein relativ kleiner Mittelständler - mit allerdings ziemlich verschachteltem Beteiligungsgeflecht. Direkt gebieten die Münchner nur über Sport 1 und Plazamedia. Dazu kommt eine 60-prozentige Beteiligung am Schweizer Zweitkonzern Highlight Communication, bei der wiederum Constantin Film und der Sportrechtehandel angesiedelt sind. Verwaltungsratschef in der Schweiz ist aber Hahn-Gegenspieler Bernhard Burgener. Beide Alphatiere halten ungefähr je 30 Prozent an Constantin Medien und beide wollen Unterschiedliches.

 Der frühere Constantin-Chef Burgener will nicht, dass das Münchner Medienhaus zerschlagen und die Filmsparte verkauft wird, weil er das für eine riskante Konzentration auf den Sportrechtehandel hält, den immer mehr Großkonzerne dominieren. Hahn und Kogel wollen Constantin Film verkaufen, um eben das zu tun, können es aber nicht. Denn Constantin Medien hat ein Darlehen bei einem Burgener-Vertrauten über 35 Millionen Euro aufgenommen, in einer Zeit als Burgener noch Constantin-Chef war. Dazu wurden Stimmrechte an der Tochter Highlight abgetreten, über die Constantin derzeit nicht verfügen kann. Deshalb kann auch die Filmsparte nicht verkauft werden. Diese Blockade ist rechtlich höchst umstritten und sie beschäftigt mehrere Gerichte.

 Ende Juni aber ist das Darlehen fällig. Die Hypovereinsbank steht mit einem Kredit bereit, es abzulösen. Dann müssten die Stimmrechte wieder frei werden, Constantin hätte wieder Zugriff auf Highlight und könnte Constantin Film verkaufen – theoretisch. „Wir wissen nicht, ob sie die Stimmrechte wirklich herausrücken oder es auf weitere Klagen ankommen lassen“, heißt es aus dem Hahn-Lager. Außerdem hat Highlight gerade eine Kapitalerhöhung durchgeführt, wobei nur einem Aktionär Zugriffsrechte eingeräumt wurden – einer Burgener-Firma. Dadurch würde der Constantin-Anteil von 60 auf 45 Prozent verwässert, Highlight müsste entkonsolidiert werden und Durchgriffsrechte gingen verloren. Deshalb klagen die Münchner nun gegen die Rechtswirksamkeit der Kapitalerhöhung. Die nächsten Tage und Wochen dürften also wieder einmal recht bewegte werden.

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