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Stickoxid Millionen für die Luftqualität

Der Bund finanziert bis 2020 verschiedene Verkehrsprojekte in fünf Modellstädten.

Busverkehr in Reutlingen
Reutlingen: Mehr Busse sollen für gute Luft sorgen. Foto: dpa

Im Bemühen um bessere Luft in deutschen Ballungsräumen will die Bundesregierung zunächst fünf Städten unter die Arme greifen. Mit rund 130 Millionen Euro finanziert der Bund bis 2020 Verkehrsprojekte in den Modellkommunen Bonn und Essen in Nordrhein-Westfalen sowie Mannheim, Reutlingen und Herrenberg in Baden-Württemberg.

Zu den Projekten zählen verbilligte Tickets für den Nahverkehr und eine bessere Verkehrslenkung. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellten die Initiative am Dienstag in Berlin vor. Ziel seien niedrigere Stickoxidwerte, vor allem durch Verbesserung und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. „Luftqualität ist Lebensqualität“, sagte Scheuer.

In etlichen Städten Deutschlands ist die Konzentration gesundheitsschädlicher Stickoxide in der Atemluft viel höher als zulässig. Deswegen läuft seit geraumer Zeit ein Vertragsverletzungsverfahren der Brüsseler EU-Kommission. Mit dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals um Volkswagen und andere Autokonzerne im Herbst 2015 stieg der Druck auf die Politik noch einmal an, gegen die Luftverschmutzung vorzugehen. Gleichzeitig drohen in vielen Städten Fahrverbote für schmutzige Diesel-Autos.

Fahrverbote um jeden Preis vermeiden

Die Bundesregierung will Fahrverbote um jeden Preis vermeiden. Auch die Bürgermeister der fünf ausgewählten Modellstädte machten am Dienstag deutlich, dass sie Fahrverbote ablehnen. Die Regierung streitet weiter öffentlich darüber, ob technische Umrüstungen älterer Diesel-Modelle notwendig seien. Umweltministerin Schulze erneuerte am Dienstag ihre Forderung nach solchen Umbauten an Motoren. Verkehrsminister Scheuer bekräftigte seine Bedenken. Beide Minister stellten allerdings eine baldige Verständigung innerhalb der Bundesregierung in Aussicht.

Die fünf Modellstädte erhalten für ihre, den jeweiligen Verhältnissen angepassten Projekte zwei Jahre lang Geld. Von den rund 130 Millionen Euro gehen etwas mehr als 39 Millionen an Bonn, rund 28 Millionen Euro an Mannheim, 21 Millionen an Essen, 19 Millionen Euro an Reutlingen und 4,5 Millionen Euro an Herrenberg. Im Fördertopf verbleibt ein Rest von etwas mehr als 17 Millionen Euro, den Scheuer als Reserve bezeichnete.

Bonn und Reutlingen wollen im Förderzeitraum das so genannte „Wiener Modell“ einführen: das Konzept einer Fahrkarte für 365 Euro, mit der Fahrgäste ein Jahr lang sämtliche öffentliche Nahverkehrsmittel im jeweiligen Verbund nutzen können.

Auch die Digitalisierung spielt eine Rolle: Mannheim hat bereits einen elektronischen Tarif eingeführt, bei dem Fahrgäste via App zahlen können. Dabei wird der Preis anhand der Länge der Luftlinie zwischen Start und Ziel berechnet. Herrenberg, eine Stadt im Großraum Stuttgart, hingegen will auf digital-dynamische Verkehrssteuerung umsteigen und so den Verkehrsfluss verbessern. Dazu wird eine Messflotte ausgesandt, die das Verhalten der Herrenberger Verkehrsteilnehmer erfassen soll. Klassischer nähern sich Essen und Reutlingen dem Thema: Essen setzt auf die höhere Taktung von Bussen und Bahnen, während Reutlingen auf einen „Quantensprung“ hofft durch die Einsetzung zehn neuer Buslinien und mehr als hundert neuer Haltestellen.

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