Lade Inhalte...

Start-Ups Fintech mit weltweitem Potenzial

Web ID hat die Kontolegitimation revolutioniert und will von Frankfurt aus expandieren. Die Online-Identifizierung erleichtert Geschäfte im Internet.

Die Gründer von Web ID: Franz Fürst (links) und Frank Jorga. Foto: web id solutions gmbh

Wenn Ende Oktober der hessische Fintech Hub im Frankfurter Pollux-Hochhaus eröffnet, eine Art Gründerzentrum für junge Firmen der Finanztechnologie, dann wird auch ein Unternehmen dabei sein, das schon ein etablierter Player ist: die Web ID Solutions GmbH. Sie verlegt nämlich ihren Firmensitz von Berlin nach Frankfurt.

Das wird all jene Lokalpatrioten freuen, die sich wünschen, dass die Mainmetropole im Rennen um die Fintechs im Vergleich mit dem Start-up-Mekka Berlin die Nase vorn hätte. Tatsächlich aber gibt Web ID nicht Frankfurt den Vorzug – der Standort Berlin bleibt. Vielmehr suchen die Firmengründer Frank Jorga und Franz Fürst gezielt die Nähe zu ihren Bankenkunden und wollen von hier aus ihr vor zwei Jahren begonnenes Geschäft weltweit expandieren. Ihr Service, die Videoidentifikation, erlaubt es, ein neues Bankkonto komplett über das Internet zu eröffnen. Musste man früher nach Eingabe seiner Kundendaten bei der Bank noch zur Postfiliale laufen, um sich mit dem Personalausweis eindeutig zu identifizieren, so geht das dank Web ID nun auch mit der Kamera im Smartphone.

Viele Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank, DKB, 1822 direkt oder Commerz-Finanz, nutzen inzwischen die Dienste von Web ID. Für rund 20 Prozent aller Kontoeröffnungen in Deutschland identifizieren sich die Kunden bereits vor der Kamera. Dabei filmen sie sich und ihren Ausweis, während ein Mitarbeiter im Call-Center unterstützt von Software die Übereinstimmung sowie die Echtheit des Papiers prüft. 3000 Video-Ident-Verfahren erledigen die 120 Mitarbeiter von Web ID in Solingen täglich. Das Verfahren ist für Kunden komfortabel und erfüllt die strengen Regeln des deutschen Geldwäschegesetzes. Anfang 2014 bekam Web ID für seine aufwendige Technik als weltweiter Pionier den Segen des Bundesfinanzministeriums.

Das Empfehlungsschreiben aus dem Hause Schäuble können die beiden Gründer jetzt für ihre Expansionspläne in die Waagschale werfen. Bei der Reserve Bank of India wirkte es für Web ID nach ihren Angaben wie ein Türöffner. Die Notenbank ließ das Verfahren in Indien beschleunigt zu, wo bislang Geschäftsbanken eigene Mitarbeiter zu den neuen Kunden schickten, um sie für ein Online-Konto zu identifizieren. Seit wenigen Wochen digitalisiert die Kotak Mahindra Bank, eine der größten des Landes, den Prozess mit Hilfe von WebID.

Bis zu acht Millionen Euro Umsatz möglich

Auch in den USA, in Großbritannien und Südkorea rechnen sich Jorga und Fürst Chancen aus. In den USA gebe es bislang kein vergleichbares Verfahren. Dort helfen Ratingagenturen den Banken mit öffentlich zugänglichen Informationen dabei, die Identität ihrer Kunden zu prüfen. Laut Jorga haben Finanzinstitute dort viele Probleme mit falschen Identitäten. Die Web ID-Gründer sind zuversichtlich, mit Hilfe internationaler Kunden wie Barclaycard in einem bis anderthalb Jahren in mehreren Auslandsmärkten Fuß fassen zu können.

Die Angebotspalette der Firma ist übrigens deutlich größer. Für Carsharing- oder Mietwagen-Anbieter checkt Web ID auch Führerscheine vor der Kamera, und für Banken hat sie ein Verfahren entwickelt, mit dem sich auch Kredite komplett online vergeben lassen – die Vertragsunterschrift wird vor der Kamera geleistet. Vier Institute nutzen das bereits. Und die Entwicklung geht weiter: Frank Jorga ist sicher, dass das aktuelle Push-TAN-Verfahren für Online-Überweisungen noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. In Zukunft werde sich der Kunde anhand von biometrischen Merkmalen gegenüber seinem Handy identifizieren. „Das Smartphone erkennt dann, wer Sie sind“, sagt Jorga.

70 Kunden konnte Web ID bisher gewinnen. Direkter Konkurrent ist das ebenfalls noch junge Unternehmen ID now aus München, dessen Produktpalette ähnlich ist. Besonders herausgefordert von der Videoidentifikation fühlte sich aber die Deutsche Post, deren Postident-Verfahren lange konkurrenzlos war. Der Bonner Logistikkonzern hat inzwischen mit einem eigenen Videoident-System reagiert und Web ID mit ING Diba und Wüstenrot in diesem Jahr zwei wichtige Kunden abspenstig gemacht.

Trotzdem wächst die Berliner Firma rasant. Bis zu acht Millionen Euro Umsatz seien 2016 möglich, sagt Jorga, das wären drei Mal mehr als im Vorjahr. Und: Web ID arbeitet seit diesem Jahr profitabel. Mit dem neuen Standort Frankfurt wollen Jorga und Fürst sicherstellen, dass die Produkte ihrer Bankkunden mit kurzen Wegen bestmöglich betreut werden. 50 bis 100 Stellen wollen die beiden dazu am Main schaffen. Das große Wachstumsziel ist der internationale Markt. Frank Jorgas ganzer Stolz wäre es „ein Fintech-Modell aus Deutschland in die Welt hinaus zu tragen“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen