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Standard & Poor's Ratingagentur: Venezuela ist pleite

Als erste Ratingagentur stuft Standard & Poor's das Krisenland Venezuela als teilweise zahlungsunfähig ein. Zuvor scheiterte ein Krisengespräch, bei dem die Regierung außer Schokolade nichts zu bieten hatte.

14.11.2017 09:41
Venezuela
Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami (Mitte) steht auf der US-Sanktionsliste. Foto: rtr

Als erste Ratingagentur hat Standard & Poor's das Krisenland Venezuela als teilweise zahlungsunfähig eingestuft. Das US-Unternehmen erklärte am Montag, es habe diese Entscheidung getroffen, nachdem eine Gnadenfrist zur Rückzahlung mehrerer Gläubiger-Forderungen in Millionenhöhe abgelaufen war. Derzeit beliefen sich die nicht gezahlten Obligationen auf 420 Millionen Dollar (360 Millionen Euro), betonte die Ratingagentur.

Kurz zuvor waren Gespräche der Regierung mit Gläubigern ergebnislos zu Ende gegangen. Das Treffen am Montag dauerte nur etwa eine halbe Stunde und war Teilnehmern zufolge wirr. „Es gab kein Angebot, keine Konditionen, keine Strategie, nichts“, sagte einer der etwa 100 Geldgeber.

Aber es gab bunte Geschenktüten mit Schokolade und Kaffee aus Venezuela. Die etwa 100 Investoren des Schuldengipfels, bei dem über die Umschuldung im Volumen von 60 Milliarden Dollar verhandelt werden sollte, wurden über einen roten Teppich zum Verhandlungsort geführt. Im Inneren hing ein Poster des verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez.

Zahlreiche Investoren hatten ihre Teilnahme bereits im Vorfeld abgesagt, weil ihnen nach eigenen Angaben nicht klar war, was Präsident Nicolas Maduro mit dem Treffen erreichen will. Maduro hatte angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage angekündigt, Schulden seines Landes nicht wie vereinbart zurückzuzahlen. Stattdessen soll zunächst die Lage der Bevölkerung in dem einst wohlhabenden und ölreichen Land verbessert werden, in dem viele Menschen mittlerweile im Müll nach Essen suchen.

Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami und Wirtschaftsminister Simon Zerpa nahmen eine halbe Stunde an dem Treffen teil. Sie sprachen mit einigen Geldgebern, andere blieben aber draußen, weil sie Strafen fürchteten. Geldgebern mit Sitz in den USA ist es verboten, Vereinbarungen mit El Aissami oder Zerpa abzuschließen. Beide stehen auf der US-Sanktionsliste, die ihnen Korruption und Drogenhandel vorwirft. El Aissami sagte Teilnehmern zufolge, dass die Deutsche Bank bald einige Finanzdienstleistungen für Venezuela einstellen könnte. Die Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Am Montag brachten die EU-Außenminister Sanktionen und ein Waffenembargo gegen Venezuela auf den Weg. Sie verzichteten jedoch darauf, schon jetzt Personen auf die Sanktionsliste zu setzen, um Maduro Zeit zur Beruhigung zu geben. (afp/rtr) 

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