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Spitzentreffen im Kanzleramt Wer zahlt die Diesel-Nachrüstung?

Ein Spitzentreffen im Kanzleramt sollte den Streit über alte Diesel endlich beilegen. Was kam dabei heraus?

Auspuff
Sollen Diesel-Autos künftig doch umgerüstet werden? Foto: dpa

Die Pressekonferenz nach dem Dieselgipfel vor gut einem Jahr war fast vorbei, da ließ der damalige VW-Chef Matthias Müller die Katze aus dem Sack. Software-Aktualisierungen seien akzeptabel, doch technische Umrüstungen von Diesel-Fahrzeugen zur Senkung des Schadstoffausstoßes halte die Industrie „im Grunde genommen für ausgeschlossen“.

Diese Haltung haben die Konzerne lange durchgehalten, mit Rückendeckung der Bundesregierung. Dabei war von Anfang an klar, dass Software-Updates nicht ausreichen würden, um Fahrverbote abzuwenden. Jetzt sollen die Hersteller vermutlich doch dazu gezwungen werden, ältere Diesel mit modernen Katalysatoren nachzurüsten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Chefs der deutschen Autokonzerne am Sonntagnachmittag ins Kanzleramt geladen, um das Problem endlich zu lösen. Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), einer der eifrigsten Unterstützer der Autoindustrie, nahm an dem Treffen teil.

Fahrverbot in Frankfurt

Nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ hat sich Merkel festgelegt, ältere Fahrzeuge mit Stickoxid-Katalysatoren nachrüsten zu lassen. Sie habe Scheuer zur Vorlage einer gesetzlichen Lösung aufgefordert, damit umgerüstete Wagen der Euro-5-Klasse in mögliche Fahrverbotszonen fahren dürfen. 

Die CDU-Vorsitzende wolle das lästige Thema vom Tisch haben, nachdem sich ihr Minister ständig quer gelegt habe, heißt es. Merkel handle auch auf ausdrücklichen Wunsch des im Wahlkampf befindlichen hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), da ein Fahrverbot in Frankfurt am Main droht.

Konzerne zahlen lieber Prämien

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte Ende der vergangenen Woche das von Merkel genannte Ziel bekräftigt, eine gemeinsame Position der Regierung bis Ende September zu erreichen. Auch Merkel hatte sich lange gegen die Hardware-Nachrüstungen gestellt, die die Konzerne je nach Ausgestaltung der Lösung Milliarden kosten könnten.

Die Hersteller argumentieren bisher, die Umrüstung älterer Dieselfahrzeuge sei zu kompliziert und zu teuer. Die Konzerne zahlen daher den Autokäufern lieber Prämien, wenn sie ihr altes Fahrzeug abgeben und einen modernen Diesel erwerben. 

Die Boni-Programme zünden allerdings nicht, da vielen Menschen schlicht das Geld fehlt, ihre oft gar nicht so alten Diesel auszutauschen. Schließlich sind diese Autos nahezu unverkäuflich. Von möglichen Fahrverboten, die Gerichte inzwischen bestätigt haben, wären rund 13 Millionen deutsche Autofahrern betroffen.

Nachrüstung kostet zwischen 1500 und 2000 Euro

Inzwischen wurde auch die Behauptung der Hersteller widerlegt, dass eine Umrüstung technisch nicht beherrschbar sei. Der ADAC hat bei Tests nachgewiesen, dass der Stickstoffdioxid-Ausstoß (NOX) eines Euro-5-Dieselmotors durch einen nachgerüsteten Katalysator um bis zu 90 Prozent reduziert werden kann. Damit liegen die NOX-Werte im realen Betrieb unter dem Euro-6-Grenzwert. Bei Software-Updates ist dagegen nur eine Senkung um 60 Prozent möglich. 

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) geht davon aus, dass sich 95 Prozent der Pkw mit Euro-5-Zertifizierung oder älter nachrüsten lassen, auch ausländische Fahrzeuge. Das geschieht mit einem sogenannten SCR-Kat und einer Dosiereinheit, in der flüssiger Harnstoff (AdBlue) verdampft und in den Abgastrakt geleitet wird. Eine chemische Reaktion wandelt dort NOX in ungefährlichen Stickstoff und Wasserstoff um. Der Harnstoff befindet sich in einem Tank, der in der Reserveradmulde untergebracht wird.

Die Nachrüstung kostet zwischen 1500 und 2000 Euro. Denkbar wäre, dass sich die Hersteller zumindest an den Kosten beteiligen müssen, so dass die Dieselfahrer entlastet werden. Möglich wäre auch eine zusätzliche Förderung durch den Staat. Das ist aber eher unwahrscheinlich. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale

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