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Soziales Netzwerk Yammer Facebook für Firmen

Die Gerüchte über den Yammer-Deal von Microsoft bestätigen sich: Der Software-Konzern übernimmt das soziale Netzwerk Yammer, eine Art Facebook für den Arbeitsplatz, und legt dafür 1,2 Milliarden US-Dollar auf den Tisch.

Sind sich einig: Yammer-CEO David Lecks und Microsoft-Chef Steve Ballmer (r.) beim Händeschüttteln für die Fotografen. Foto: dapd

Die Gerüchte über den Yammer-Deal von Microsoft bestätigen sich: Der Software-Konzern übernimmt das soziale Netzwerk Yammer, eine Art Facebook für den Arbeitsplatz, und legt dafür 1,2 Milliarden US-Dollar auf den Tisch.

Microsoft will sich mit dem Zukauf des kalifornischen Softwareunternehmens Yammer endlich im wachstumsstarken Cloud-Geschäft etablieren. Am Montagabend (Ortszeit) kündigte der Softwarekonzern an, den Anbieter firmeninterner sozialer Netzwerke für 1,2 Milliarden Dollar zu übernehmen. „Der Kauf unterstreicht unsere Ambitionen, Technologie zu liefern, die Unternehmen brauchen und die Menschen lieben“, so Microsoft-Chef Steve Ballmer. Das Netzwerk soll weiterhin als eigenständiger Dienst geführt werden.

Yammers Software bietet ähnliche Möglichkeiten wie das Sozialnetzwerk Facebook und der Microbloggingdienst Twitter, konzentriert sich aber auf die firmeninterne Nutzung. Mitarbeiter können in einem sicheren, geschlossenen Netzwerk beispielsweise Anfragen an die gesamte Belegschaft stellen, in den Profilen gezielt nach Experten suchen oder mit Geschäftspartnern Kontakt aufnehmen. Mehr als 200000 Unternehmen, darunter auch der Autobauer Ford und das Internet-Auktionsportal Ebay, verwenden Yammer. Der Dienst soll in die Microsoft-Sparte Office integriert werden und das Cloud-Angebot des Konzerns ausbauen.

Zwar dominiert Microsoft mit seiner Bürosoftware noch immer den Markt. Doch den Einstieg in das Cloud-Geschäft und den Wandel der Büro-Welt hat der Konzern weitgehend verschlafen. Konkurrenten wie Google, SAP, Oracle und Salesforce haben die Sparte fest im Griff, zahlreiche Startup-Unternehmen wie der Softwarehersteller Jive haben die Lücken bei Microsoft genutzt, um eigene Zusatzprogramme für die Microsoft-Anwendungen auf den Markt zu bringen. Der Softwareriese lief Gefahr, die enge Bindung an die Bürowelt zu verlieren.

Die Microsoft-eigene Plattform Sharepoint etwa bietet zwar einige der Yammer-Funktionen. Doch obwohl das Programm mit dem Office-Paket geliefert wird, nutzen Unternehmen Sharepoint bislang vor allem, um interne Webseiten zu verwalten – für die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten und die interne Kommunikation greifen sie auf Konkurrenzprodukte zurück. Sharepoint gilt als zu umfangreich und wenig übersichtlich. Diese Schwachstelle will der Konzern nun schließen. „Microsoft hat bislang das schwächste Angebot auf dem Markt. Mit Yammer wird der Konzern auf einen Schlag zum ernstzunehmenden Gegner“, schrieb Larry Cannell, Analyst bei der IT-Beratungsfirma Gartner.

Doch nicht alle in der Branche glauben an den Erfolg der Zusammenarbeit. Viele halten den Preis von 1,2 Milliarden Dollar für überzogen. Zudem kommt der Angriff angesichts der längst etablierten Konkurrenz spät. Diese deutlich später einfach zu kopieren, schreibt etwa Trip Chowdhry von Global Equities Research, sei sicher keine Strategie, die zum Erfolg führen werde. Kurzfristig könne die erneute Erweiterung der Dienste und die Übernahme durch Microsoft Yammer-Anwender eher verschrecken. Das junge Softwareunternehmen könnte durch den Zukauf in dem sich schnell wandelnden Markt unbeweglicher werden.

Das erst 2008 in San Francisco gegründete Unternehmen wiederum hofft, durch den Microsoft-Deal Zugang zu neuen Technologien und Ressourcen zu bekommen. Das Unternehmen sucht nach einer Möglichkeit, sein Angebot zu Geld zu machen. Von den inzwischen rund fünf Millionen Nutzern verwenden bislang nur 20 Prozent die kostenpflichtige Version.

„Microsoft musste offenbar einen verzweifelten Schritt tun und eine Firma kaufen, die ein extrem beschränktes Angebot hat und dieses weitgehend gratis zur Verfügung stellt, um überhaupt mit uns konkurrieren zu können“, kommentierte Tony Zingale, der Chef des Yammer-Konkurrenten Jive die Nachricht.

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