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Sonnenhaus Miete all inclusive

Das „Sonnenhaus-Projekt“ in Wilhemshaven bietet den Bewohnern eine Energie-Flatrate.

Sonnenhaus
Verantwortliche von Spar + Bau mit dem Konstrukteur des Sonnenhauses, Timo Leukefeld (2.v.r.). Foto: privat

Ein innovatives Mehrfamilien-Hausprojekt im niedersächsischen Wilhelmshaven könnte Schule machen: Es produziert rund 70 Prozent seines Energiebedarfs selbst und die Mieter zahlen eine günstige Pauschalmiete inklusive einer Energie-Flatrate – verbrauchsabhängige Betriebs- und Heizkosten fallen nicht mehr an. Zudem können sie E-Fahrräder und E-Autos an der kostenlosen „Tankstelle“ am Haus aufladen.

Das Haus, erbaut von der Wilhelmshavener Spar- und Baugesellschaft (Spar + Bau), hat sechs Wohneinheiten mit je rund 90 Quadratmetern Wohnfläche. Es ist mit einer guten Wärmedämmung und auf dem Dach und an den Balkonen mit Solaranlagen für Heizung und Warmwasserbereitung sowie mit Fotovoltaik-Anlagen ausgerüstet.

Energetisches Herzstück des Gebäudes ist ein rund neun Meter hoher Langzeit-Wärmespeicher mit 20.000 Litern Wasser, der bei Bedarf angezapft wird. Der selbst erzeugte Strom wird in Akkus für Zeiten ohne Sonne zwischengespeichert. Zusätzlich benötigte Energie kann aus einer Erdgasheizung respektive aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen werden. Das knapp 2,5 Millionen Euro teure Projekt wurde von der Genossenschaft kurz vor Weihnachten eingeweiht, die Mietverträge laufen seit dem 1. Januar.

Spar + Bau-Vorstandschef Dieter Wohler erläutert: „Das hochgedämmte Gebäude versorgt sich zu zwei Dritteln selbst mit Wärme und Strom. Das ermöglicht uns, eine attraktive Pauschalmiete anzubieten, die neben den Betriebs- und Heizkosten auch den Strombedarf der Mieter berücksichtigt.“ Die Komplettmiete beträgt 10,50 Euro pro Quadratmeter. Eine vergleichbare Kaltmiete in einem normalen Neubau in Wilhelmshaven liege bei rund 8,25 Euro, zu der dann aber die Betriebs- und Energiekosten hinzukommen. Laut Spar + Bau ergibt sich für die Mieter des neuen Projektes pro Wohnung eine Einsparung von im Schnitt 120 Euro pro Monat. Dies sei ein „starkes Argument in Zeiten steigender Mietpreise“, sagte Wohler. Tatsächlich habe man die Wohnungen innerhalb kürzester Zeit vermieten können, berichtet das Unternehmen, die Nachfrage sei deutlich höher als das Angebot gewesen.

Zur Stromverschwendung soll die Energie-Flatrate allerdings nicht anreizen. Daher hat Spar + Bau in den Verträgen mit den Mietern Verbrauchsobergrenzen festgelegt, die allerdings im Normalfall kaum überschritten würden, wie es bei der Genossenschaft heißt. Oberhalb dieser Grenzen – jeweils 3000 Kilowattstunden bei Strom und Wärme pro Jahr – werden die Verbräuche individuell abgerechnet. Wie hoch ihr Energieverbrauch ist, können die Mieter leicht feststellen – und damit Zusatzkosten vermeiden. In den Wohnungen befinden sich Displays, die die Daten zum Wärme- und Stromverbrauch tagesaktuell anzeigen. Eine weitere Anzeige im Erdgeschoss weist die Solarstromproduktion und den Gesamtverbrauch des Gebäudes aus. Ein besonderer Clou ist die Ladesäule für E-Autos, über die Überschussstrom kostenlos abgegeben wird.

Spar + Bau hat das Mehrfamilienhaus  nach dem „Sonnenhaus“-Konzept des Freiberger Energieprofessors Timo Leukefeld entwickelt. Das Wilhelmshavener Projekt belege, dass ambitionierte solare Baukonzepte auch im Norden Deutschlands funktionierten, sagte er bei der Einweihung. „Es müssen nur ein paar mehr Quadratmeter Solarkollektoren für die Wärmeversorgung eingeplant werden“, sagte Leukefeld. Zwei weitere „Sonnen“-Mehrfamilienhäuser werden demnächst in Cottbus eröffnet – ebenfalls mit eine Pauschalmiete von 10,50 Euro pro Quadratmeter. Zudem hat der Freiberger Experte für zehn weitere Auftraggeber solche Projekte geplant, die kurz vor der Umsetzung stehen.

Als Vorteil für die Wohnungsanbieter sieht Leukefeld, dass sie den Mietern langfristige Verträge mit Kostensicherheit anbieten können und dadurch häufige Mieterwechsel entfallen. Die Mieter profitierten ebenfalls, schließlich gebe es die sonst immer wieder drohenden „bösen Überraschungen“ bei den Nebenkosten-Abrechnungen nicht mehr.

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