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Solar-Mauer Was taugt Trumps Vorschlag?

Donald Trump brüstet sich mit einer geklauten Idee und kündigt an, die Mauer an der Grenze zu Mexiko mit Solarmodulen zu verkleiden. Finanziert sich das Projekt dadurch wirklich selbst?

Grenze
Sorgten seit seinem Amtsantritt für Proteste: Trumps Mauerpläne. Foto: rtr

Wieder mal für eine Überraschung gut: der US-Präsident. Donald Trump, der sich als Retter der Kohle-Kumpel feiern ließ, entdeckt plötzlich sein Faible für die Solarenergie – allerdings an einem ganz speziellen Objekt. Er will die von ihm geplante Mauer an der mexikanischen Grenze mit Fotovoltaik-Paneelen verkleiden lassen, um mit dem dort erzeugten Strom den umstrittenen Mauerbau zu finanzieren. Die Mauer werde Energie erzeugen und für sich selbst zahlen, sagte er am Mittwoch (Ortszeit) vor Anhängern auf einer Kundgebung im Bundesstaat Iowa.

Trump brüstete sich mit der Idee: „Wir denken an etwas völlig Einzigartiges“, sagte er. „Die südliche Grenze. Viel Sonne, viel Hitze. Wir denken darüber nach, eine Mauer als Solar-Mauer zu bauen. So dass sie Energie produziert. Und sich so selbst finanziert.“ Auf diese Weise müsse Mexiko „viel weniger Geld bezahlen“. Der Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko war eines der Wahlkampfversprechen Trumps, dessen Finanzierung allerdings noch völlig ungeklärt ist. Der US-Kongress hat sich bislang unter dem Druck der Demokraten geweigert, Gelder für den Mauerbau bereitzustellen.

Viel Selbstlob

Trump ließ keinen Zweifel daran, dass er trotz des Widerstandes an dem Mauer-Projekt festhalten will. Er beteuerte: „Ja, wir werden eine Mauer bauen.“ Und: „Wir müssen verhindern, dass die Drogen weiter zu uns herüberfließen.“ Der Präsident hatte Mexiko ursprünglich aufgefordert, die Baukosten für die Mauer entlang der Grenze selbst zu übernehmen. Das Nachbarland lehnt dies allerdings ab. Nun sagte der Präsident, der den Mauerbau im März in einer „Presidential Order“ dekretierte, dank der Ausstattung mit Fotovoltaik-Paneelen werde Mexiko „viel weniger zu bezahlen haben“.

Trump erging sich im typischen Selbstlob zum Solar-Mauer-Projekt, und zwar im Stakkato-Text: „Ziemlich gute Vorstellung, oder? Meine Idee!“ Seine Zuhörer forderte er auf: „Denkt mal darüber nach, je höher sie (die Mauer, Red.) wird, desto wertvoller wird sie.“ Seine Anhänger in Iowa seien die ersten, denen er das Konzept vorstelle. „Solar-Mauer, Paneele, wunderschön.“

Tatsächlich stammt die Idee nicht von Trump selber, sondern von einem in Las Vegas ansässigen Geschäftsmann. Die US-Regierung hatte vor einigen Monaten eine Ausschreibung für den Mauerbau gestartet, bei der Firmen ihre Angebote einreichen konnten. Einer der mehreren hundert eingereichten Vorschläge sieht die Ausrüstung der Mauer mit Fotovoltaik-Modulen vor.

Das betreffende Unternehmen, Gleason Partners, gab an, der Verkauf des an der Mauer produzierten Solarstroms werde die Kosten der Module, Wechselrichter und der nötigen Anbindung ans Elektrizitätsnetz binnen drei bis vier Jahren wieder einspielen. Ab dann könnten die Gewinne genutzt werden, um die Kosten von Trumps Mauer abzutragen.

Experten aus der Erneuerbare-Energien-Branche sehen die Chancen, dass die Trump-Mauer sich dank der Sonnenernte selbst trägt, sehr skeptisch. Die Mauer aus Beton und Stahl soll die bestehenden Grenzbefestigungen auf rund 1600 Kilometer ergänzen und bis zu neun Metern hoch sein. Die Kosten werden aufgrund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt, die zusätzlichen Investitionen für den Solarstrom-Teil auf 7,6 Milliarden.

Der Gewinn aus den Vergütungen für den ins Netz eingespeisten Strom summieren sich laut dem New Yorker Analysten Gordon Johnson von Investmentunternehmen Axiom Capital Management auf jährlich 221 Millionen Dollar. Danach würde es 125 Jahre dauern, bis die Staatskasse die Kosten wieder drin hätte. Nicht eingerechnet ist dabei das Problem, dass die Lebensdauer der Solaranlagen nur 30 bis 40 Jahre beträgt und sie dann mit Zusatzkosten erneuert werden müssten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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