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Smart Home Haus mit Hirn

Mit Smart-Home-Systemen Heizkosten sparen und den Stromverbrauch reduzieren.

Illustration: Smart Home
Smart Home. Foto: Moritz Wienert

Technisch ist heutzutage fast alles möglich, doch das heißt nicht, dass alles auch einen großen Nutzen hat. Dass der Kühlschrank erkennt, was fehlt, klingt zwar schön, aber will man wirklich, dass die App einem jedes Mal wieder den gleichen faden Käse zum Nachkaufen vorschlägt? Okay, es ist eine nette Spielerei. Und es ist bequem. Genau so bequem ist es, wenn sich die Heizung in der Wohnung automatisch hochregelt, kurz bevor man nach Feierabend zu Hause eintrifft. Oder dass das Licht der Lampe parallel zur Abenddämmerung heller wird. Doch neben einem solchen Komfort tragen einige Smart-Home-Systeme auch dazu bei, den Energieverbrauch in Haus oder Wohnung zu senken, und haben damit einen konkreten Nutzen. Ein „Smart Home“, also ein intelligentes Zuhause, ist mit Sensoren ausgestattet, welche auf Geräte wie Heizung, Jalousien und Lampen zugreifen können. 

„Im Massenmarkt ist diese Technik noch nicht angekommen“, sagt Lars Riegel, Smart-Home-Experte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Zusammen mit dem Verband der Internetwirtschaft (Eco) prognostiziert er aber in einer aktuellen Studie, dass sich die Marktdurchdringung bis 2022 von aktuell zwei Millionen auf rund acht Millionen deutsche Haushalte vervierfachen wird.

„Die Heizung herunterregeln, immer dann, wenn man längere Zeit den Raum verlässt, das kann natürlich auch jeder manuell“, sagt Riegel, „aber so konsequent macht das eben niemand.“ Die Hardware könne zudem viel genauer messen, bei welcher Temperatur gerade die meiste Energie gespart werde. Der Sensor am Heizkörper veranlasst zudem, dass bei geöffnetem Fenster und kühlem Luftzug die Heizung den Temperaturumschwung mit maximaler Heizkraft nicht ausgleichen muss. Und ein Computerprogramm vergisst auch nie, das Licht auszuknipsen, wenn man den Raum verlässt. Zentrale Regler können etwa beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung alle Stromfresser ausschalten – außer dort, wo die Energieversorgung nicht unterbrochen werden darf, wie beim Kühlschrank oder der Gefriertruhe. Auch außer Haus zeigt eine App den Betrieb an.

Wie viel Energie und Kosten mit solchen Systemen tatsächlich eingespart werden, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie gewissenhaft ist vorher schon Energie gespart worden, wurden in jüngerer Zeit energetische Sanierungen durchgeführt, wie viele Personen leben in dem Haushalt? „Gerade ein Ein-Personen-Haushalt hat tendenziell das meiste Sparpotenzial“, sagt Experte Riegel. Denn hier sei die Wohnung häufiger leer als bei einer Familie, in der jeder zu unterschiedlichen Zeiten das Haus verlässt. Auch die Wahl des Smart-Home-Systems macht einen Unterschied. Die Bandbreite reicht von kostenlosen Apps über einzelne Stecker, die lediglich den Stromverbrauch regulieren, bis hin zu einem komplett vernetzten System. 
Eine solche Bandbreite herrscht auch bei der prognostizierten Kostenersparnis.

Erwartungsgemäß werben die Hersteller mit traumhaften Werten von bis zu 30 Prozent geringeren Heizkosten und einer Geld-zurück-Garantien, wenn dem nicht so ist. Auch kritische Verbraucherschützer sehen durchaus einen Mehrwert, die Ersparnis schätzt der Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzbv) mit durchschnittlich acht Prozent allerdings geringer ein. 

Bei der Stromregulierung ist der Gewinn durch die intelligenten Systeme geringer. Der Vzbv macht auch darauf aufmerksam, dass es sich nur rechnet, wenn die Smart-Home-Geräte, welche sich ständig im Stand-by-Zustand befinden, nicht auf einmal selbst einen hohen Stromverbrauch haben – der am Ende höher ist, als jener der zu regulierenden Geräte. Oft wird Smart-Technik gerade aus diesem Grund mit Solarenergie gespeist.

Unabhängig davon, wie hoch die Ersparnis letztlich ist, ob sie durchschnittlich acht oder gar 30 Prozent beträgt – erst einmal entstehen Ausgaben durch die Anschaffung der Systeme. Ein smartes Heizkörper-Thermostat gibt es für unter 100 Euro, Einstiegsangebote von mehreren vernetzten Geräten per Funk kosten mehrere 100 Euro. Aber im Prinzip ist die Preisskala nach oben hin offen. Einer Rechnung des Herstellers Tado zufolge spart eine vierköpfige Familie in einer 150 Quadratmeter-Wohnung jährlich bis zu 560 Euro – bei Anschaffungskosten von rund 200 Euro für ein Thermostat-Starterkit. Das Heizkörper-Thermostat der Firma Homematic IP war Testsieger bei Stiftung Warentest und verspricht ebenfalls eine Ersparnis von 30 Prozent, bei Anschaffungskosten von 45 Euro pro Stück.

Theoretisch lassen sich alle Systeme vernetzen, vom Heizungsregler über die Rollläden bis hin zu sämtlichen Stromquellen, um sie dann zentral zu steuern. Theoretisch. „Denn hier hakt es noch“, sagt Riegel. Das liege auch daran, dass die Anbieter unterschiedliche Hardware verwenden und nicht alle Geräte von anderen Anbietern damit kompatibel sind. Sind sie es nicht, spricht man von geschlossenen Systemen. „Geschlossene Systeme sind weniger virenanfällig“, sagt Riegel. Bei offenen Systemen lassen sich unterschiedliche Anbieter kombinieren, die Störanfälligkeit ist allerdings bei der derzeitigen Technikentwicklung noch größer. 

Die Vernetzung passiert per Kabel oder per Funkverbindung. Kabel bieten eine schnellere Datenübertragung und es kommt seltener zu Störungen. Die Verbindung ist aber aufwendiger zu installieren und daher mit einigen tausend Euro auch teurer. Die Funklösung ist hingegen leicht zu realisieren und zum Beispiel einfach per App steuerbar – allerdings ist sie auch störungsanfälliger. 

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