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Skandal bei der Ergo-Versicherung Versicherung schmeißt Sex-Party

Es klingt wie ein feuchter Altherrentraum und ist doch unglaubliche Realität: Die Ergo-Versicherung hat 100 ihrer Mitarbeiter eine riesige Sex-Sause in Budapest spendiert.

Exotischer Ort für eine Unternehmensfeier: die historische Gellert-Therme in Budapest. Foto: imago/Attila Kleb

Hamburg-Mannheimer – mehr vom Leben. So lautete der Werbespruch einer der größten deutschen Versicherungsmarken. Im Fall der Hamburg Mannheimer International (HMI), einer Vertriebstochter, bekommt der Slogan nun einen schlüpfrigen Beiklang: Etwa 100 Mitarbeiter der HMI haben 2007 an einer vom Unternehmen bezahlten Sex-Orgie in Budapest teilgenommen, die als „Belohnung“ für die erfolgreichsten Mitarbeiter gedacht war.

Ein Sprecher der HMI-Mutter Ergo-Versicherung bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts und sagte, dass etwa 20 Prostituierte an der Sex-Party teilgenommen hätten. Der drittgrößte deutsche Direktversicherer ist wiederum eine Tochter der Münchener Rückversicherung.

Die Details, über die das Handelsblatt unter Berufung auf eidesstattliche Versicherungen berichtet und über die Ergo erst „Nachforschungen“ anstellen muss, zeigen, wie erniedrigend der Umgang mit den bezahlten Frauen auf der Party war.

Die Frauen wurden mit verschiedenfarbigen Bändchen ausgestattet. Rote und gelbe Bändchen gab es für Prostituierte, die allen Anwesenden zur Verfügung standen, und Hostessen, die nur zur Unterhaltung dienen sollten. Die dritte Gruppe, Prostituierte mit weißen Bändchen, standen demnach nur den Vorständen und den „Besten der Besten“ aus der Vertriebsgruppe für Sex zur Verfügung.

Die Prostituierten sollen nach jedem „Kontakt“ mit einem HMI-Mitarbeiter einen Stempel auf den Unterarm erhalten haben. „So wurde festgehalten, welche Dame wie oft frequentiert wurde“, berichtete ein Teilnehmer der Veranstaltung der Zeitung.

Veranstaltungsort war die historische Gellert-Therme in Budapest, deren Quellen schon seit dem 13. Jahrhundert genutzt werden. Gewöhnliche Besucher mussten für die HMI-Sause draußenbleiben. Weiter wurde berichtet, es seien Himmelbetten aufgebaut gewesen und eine Bühne, auf der ein Animations-Team, bestehend aus zwei Frauen und einem Mann, Sex hatte.

Immerhin: Bei Ergo wird der Vorfall unumwunden eingeräumt. Ein Sprecher sagte, es handele sich bei der Veranstaltung um einen gravierenden Verstoß gegen bereits damals geltende Unternehmensrichtlinien. An der Hamburg-Mannheimer ist die Münchener Rück (Munich Re) schon seit den 50er Jahren beteiligt. Seit 1998 gehört sie zu 100 Prozent zur Ergo-Gruppe, einer weiteren Tochter der Münchener Rück.

Der für die Veranstaltung verantwortliche Vorstand und weitere Mitarbeiter hätten das Unternehmen bereits verlassen, sagte der Ergo-Sprecher. Weitere, auch personelle Maßnahmen, würden aber geprüft.

Offenbar weiß das Top-Management der Münchener Rück schon länger Bescheid: Nikolaus von Bomhard, der Vorstandschef, hatte bereits auf der letzten Hauptversammlung Mitte April bestätigt, dass 2007 Mitarbeiter mit Prostituierten versorgt worden seien. Auf die Frage, ob und wie viele Mitarbeiterinnen an der Firmen-Orgie teilgenommen haben, konnte die Ergo-Pressestelle keine Auskunft geben. Es arbeiteten aber durchaus zahlreiche Frauen bei HMI, hieß es.

Großer Image-Schaden

Die Vertriebstochter HMI verursacht nicht zum ersten Mal einen Image-Schaden für die Ergo-Gruppe, die gerade mit einer riesigen Werbekampagne ihr Ansehen aufpolieren möchte und mit besonderer Transparenz wirbt.

HMI ist ein sogenannter Strukturvertrieb. Die Mitarbeiter, die als Selbstständige geführt werden, erhalten eine Provision für jede Versicherung, die sie im Tür-zu-Tür-Geschäft verkaufen. Nur durch exzellente Verkaufszahlen steigt man in der Hierarchie auf und erhält dann weitere Provisionen für Abschlüsse, die Mitarbeiter auf den unteren Hierarchie-Ebenen erzielen. Dadurch wird ein immenser Erfolgsdruck auf alle Ebenen ausgeübt.

Dies führt einerseits dazu, dass die „Drückerkolonnen“ häufig Kunden Versicherungen aufschwatzen, die diese gar nicht benötigen oder die überteuert sind. Der Einstieg gelingt meist nur, wenn Freunden und Verwandten Policen verkauft werden.

Unter dem enormen psychischen Druck nehmen aber auch viele „Strukkis“, wie die Mitarbeiter heißen, Schaden: Viele brauchen später psychologische Hilfe. Michael Schubert, Betreiber des Selbsthilfe-Forums geprellte-strukkis.de, sagt: „Strukturvertriebe sind so angelegt, dass sie nur unseriös arbeiten können.“

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