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Siemens Langweilige Bank mit Elektroabteilung

Während Siemens Elektrogeschäfte abstößt, florieren die Bankgeschäfte der Siemens Financial Services. So steuert der Technologiekonzern gelassen durch die globale Finanzkrise. Von Thomas Magenheim

18.11.2008 15:11
THOMAS MAGENHEIM
Siemens hat eine eigene Bank - ohne Krise. Foto: ap

München. Es gab Zeiten, da war Siemens verrufen als langweilige Bank mit angeschlossener Elektroabteilung. Während die Elektrogeschäfte teils abgestoßen wurden, florieren die Bankaktivitäten in Form der Siemens Financial Services (SFS) - und sind ein Grund dafür, dass der Münchner Technologiekonzern relativ gelassen durch die global tobende Finanzkrise steuert.

Für das eigene Haus sei die darüber gesteuerte Versorgung mit Liquidität, aber auch die Möglichkeit, eigenen Kunden unter die Arme zu greifen, "wettbewerbsentscheidend", sagt Konzernfinanzchef Joe Kaeser.

Gut 31 Prozent SFS-Vorsteuerrendite im soeben beendeten Geschäftsjahr 2007/08 sprechen eine deutliche Sprache. Grund für sprudelnde Gewinne mitten in der Bankenkrise sei, dass SFS nur Geschäfte mache, die man im Detail verstehe, sich aus riskanten Finanzsegmenten heraushalte und zuletzt betont antizyklich agiert habe, erklärt SFS-Chef Dominik Asam.

Als Geld zwischen 2006 und Frühjahr 2008 noch billig zu haben war und sich die nun geplatzte Kreditblase mit heißer Luft gefüllt hat, sei SFS geschrumpft. Binnen sechs Monaten sei die Bilanzsumme aber nun um fast ein Drittel auf gut elf Milliarden Euro gestiegen.

Kaeser ist angesichts der SFS-Geschäfte entspannt wie derzeit kaum ein anderer Finanzvorstand eines global arbeitenden Konzerns. Weil das laufende Geschäft hohen Cashflow abwirft und sich SFS rechtzeitig und langfristig viel Liquidität besorgt hat, muss Siemens 2009 nur die überschaubare Summe von einer Milliarde Euro refinanzieren und 2010 "null", strahlt der Siemens-Finanzchef.

Siemens finanziert die Projekte der Kunden gleich mit

Denn das Wellental der Finanzkrise erwartet er erst 2010. Darüber komme Siemens hinweg. Siemens könne von aktuell sieben Milliarden Euro frei verfügbarer Liquidität zehren. Dazu gebe es sechs Milliarden Euro offene Kreditlinien.

Im Schnitt liefen die finanziellen SFS-Verbindlichkeiten bis ins Jahr 2015 hinein, betonte Asam. Wo andere Banken derzeit kaum neue Kreditrisiken eingehen, könne SFS jetzt auch Kunden, die kostspielige Siemens-Produkte wie Gasturbinen oder Computertomographen kaufen wollen, dafür Finanzierung bieten und somit die eigentliche Geschäfte des Konzerns auf hohem Niveau halten. Auch Lieferanten will Siemens das eigene Finanz-Fachwissen zukommen lassen, um die so die eigenen Kosten im Einkauf zu senken.

"Wir planen aber kein Hilfsprogramm für Lieferanten", stellte Kaeser klar. Ware und Finanzierung aus einer Hand sei in Zeiten wie diesen allerdings wichtiger denn je. Die Nachfrage danach steige jedenfalls aktuell beständig. Rund um die Welt gebe es Bereiche, wo die Finanzierung derzeit austrocknet, etwa am US-Markt für Medizintechnik.

Dort werde Siemens nun über SFS verstärkt aktiv und könne Marktanteile gewinnen. Vor allem auch gegenüber seinem größten Wettbewerber, dem US-Riesen General Electric und dessen Bank sieht sich Siemens derzeit im Vorteil.

Billig sei Finanzierung über SFS nicht, stellte Asam klar. Im Gegenteil könne man derzeit mangels Konkurrenz höhere Zinsmargen durchsetzen. Einem zu starken Wachstum von SFS schiebt Kaeser einen Riegel vor. Mehr als 12,5 Milliarden Euro Bilanzsumme sollten es bis Herbst 2009 nicht sein, stellt er klar.

Asam zeigt sich zuversichtlich, bis dahin mit anhaltend hohen Renditen zum für 2008/09 prognostizierten Siemens-Gewinn von acht bis 8,5 Milliarden Euro beizutragen.

Die gute Finanzlage von Siemens erlaube es auch, demnächst das eine oder andere Schnäppchen zu machen, wenn ein interessantes Unternehmen in Not komme, räumt Kaeser ein. Größeren "Welteroberungsstrategien" erteilt er eine Absage. "Es gibt nichts Schlimmeres, als in ein fallendes Messer zu greifen", warnt der Manager vor riskanten Zukäufen.

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