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Sicherheitsfirma Prevent Eine Pleite mit Beigeschmack

Geschäfte mit der HSH Nordbank brachten Prevent ins Schlingern. Neben einem Insolvenzantrag droht weiter Ungemach: Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Verdacht: Die Sicherheitsfirma soll einem HSH-Manager Kinderpornos untergeschoben haben.

2010 musste Prevent die Hamburger Niederlassung schließen. Nun droht das endgültige Aus. Foto: dpa

Für eine Sicherheitsfirma, die lieber im Geheimen und abseits der Scheinwerfer arbeitet, kann es sehr geschäftsschädigend sein, wenn man in die Schlagzeilen gerät. So ist es der Münchner Firma Prevent ergangen, die im vergangenen Jahr in den Strudel der vielen Skandale um die HSH Nordbank und deren Ex-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher hineingezogen worden ist.

Die Einnahmen gingen seitdem zurück, neue Aufträge wurden kaum noch akquiriert. Nun steht das Unternehmen vor der Pleite: Firmenchef Peter Wiedemann hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag beim Münchner Amtsgericht gestellt. „Nach dem jetzigen Stand der Dinge, würde uns im Frühjahr das Geld ausgehen“, zitiert die SZ Wiedemann.

Es ist ein herber Absturz für das lange Zeit florierende Unternehmen, in dem ehemalige Polizeibeamte und Nachrichtendienstler ein neues Wirkungsfeld fanden. Die Firma warb mit ihrer Spezialisierung, Straftaten in Unternehmen diskret aufzuklären, Sicherheitslücken aufzuspüren und zu beseitigen. Und die Prevent schmückte sich mit prominenten Namen: 2009 übernahm Ex-BND-Chef und Innenstaatssekretär August Hanning die Leitung des Beirats der Münchner Sicherheitsfirma, und Udo Nagel, einst Innensenator in Hamburg, war Vorstand des Unternehmens. Neben den drei Hauptbesitzern von Prevent kaufte sich auch der türkische Ex-Premier Mesut Yilmaz ein. Zudem konnte die Firma auf prominente Kunden verweisen: die Designerin Jette Joop etwa, den Verleger Heinz Bauer, die Firmen Rewe und Rheinmetall, den Finanzinvestor Permira.

Verlust an Reputation

Aber es war vor allem die Geschäftsverbindung mit der HSH Nordbank, die die Prevent AG jetzt ins Schlingern gebracht hat. Dabei kassierte das Sicherheitsunternehmen bei der Bank besonders gut ab. Insgesamt zehn Millionen Euro soll die Firma der Bank für diverse Dienstleistungen in den letzten fünf Jahren in Rechnung gestellt haben. Ob Prevent bei diesen Dienstleistungen die Grenzen der Legalität überschritten hat, prüft jetzt die Staatsanwaltschaft: Sie geht dem Verdacht nach, dass die Firma einem missliebigen HSH-Manager im Auftrag des Bankenvorstandes Kinderpornos und gefälschte Schreiben untergeschoben hat.

Die Berichterstattung darüber und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben der Firma Reputation und damit Kunden gekostet. Hinzu kommt, dass die HSH eine ausstehende Rechnung über 800.000 Euro nicht begleichen will, bevor die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind. Die Bank prüft zudem, 3,6 Millionen Euro Erfolgshonorar zurückzufordern, die Prevent aus ihrer Sicht zu Unrecht für die Hilfe in dem Rechtsstreit mit einem türkischen Reeder kassiert haben soll.

Schon 2010 musste Prevent die Hamburger Niederlassung schließen, 10 der 30 Angestellten verloren ihren Job. Nun droht das endgültige Ende der Firma, die bis vor zwei Jahren sechs- bis siebenstellige Jahresgewinne auswies. Firmenchef Wiedemann klingt wenig optimistisch, wenn er sagt, das Insolvenzverfahren werde „voraussichtlich dazu führen, dass es Prevent nicht mehr geben wird“.

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