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Share Economy Das Milliardengeschäft des Teilens

Das Konzept des gemeinsamen Nutzens ist nicht neu. Doch der Grundgedanke der Share Economy wird mehr und mehr verraten.

Uber kam auch in die Kritik, weil es die klassische Taxibranche unter Druck setzte. Foto: REUTERS

Die Idee des Teilens ist essenzieller Bestandteil aller Weltreligionen und großer ökonomischer Theorien. Das Teilen knapper Güter ist moralisch geboten und wirtschaftlich sinnvoll. Neu ist das Konzept gemeinsamen Nutzens und Abgebens also nicht. Neu an der Share Economy, der teilenden Wirtschaft, sind die beinahe unendlichen Möglichkeiten des Internets, Menschen zusammenzubringen, ihre Bedürfnisse zu koordinieren, Dinge und Dienstleistungen anzubieten und nachzufragen.

Das Netz gleicht damit sozusagen einem gigantischen Schwarzen Brett im Digitalformat, mit dessen Hilfe einander unbekannte Privatpersonen weltweit zeitlich begrenzte Geschäftsbeziehungen zu beidseitigem Vorteil eingehen können: gesucht, gefunden, geteilt.

Schleichende Ökonomisierung

In der Theorie birgt eine teilende Wirtschaft viele Vorteile. Sie ist umweltfreundlich: Wenn nicht ein Einzelner ein Auto nutzt, sondern zehn Personen, werden Rohstoffe geschont, Energie und Abfall eingespart.

Sie ist effizient: Zeit und Kosten, die üblicherweise vor dem Abschluss eines Geschäfts entstehen, etwa durch das Aufsuchen mehrerer Ladengeschäfte, entfallen weitgehend. Sie ist sozial: Wer kein Geld zum Kauf teurer Güter hat, kann gegen einen viel kleineren Betrag zeitweise doch an ihnen teilhaben. Und sie belebt den Wettbewerb: Wo Privatleute billig Schlafgelegenheiten im Gästezimmer anbieten, könnte das Hotel sich veranlasst sehen, die Zimmerpreise zu senken oder den Komfort zu verbessern.

Allerdings hat die Share Economy auch ihre Schattenseiten. Zu nennen wären etwa Datenschutzprobleme: Im Internet hinterlassen Verbraucher breite Datenspuren, aus denen sich Konsumentenprofile und dazu passende Marketingkampagnen ableiten lassen. Auch Haftungsfragen sind oft nicht geklärt: Wer steht beispielsweise bei einem ausgeliehenen Auto für Unfallfolgen gerade? Oder für nicht eingelöste Leistungsversprechen?

Eine weitaus fundamentalere Kritik an der Share Economy richtet sich gegen die schleichende Ökonomisierung des Alltags. Jede kleine Hilfeleistung – das Tragen der Einkaufstasche für die betagte Nachbarin, das kostenlose WG-Bett für den Besucher – wird zum handelbaren Gut. Man nimmt Bekannte nicht mehr umsonst mit in die Stadt, wenn man auch Geld dafür verlangen kann.

So wird die Idee des Teilens ad absurdum geführt: Es wird nicht geteilt und geholfen, sondern vermarktet und verdient.

Knallharte Milliardenbranche

Die Share Economy wird zur Shark Economy, zur Haifisch-Wirtschaft. Der Berliner Soziologe Harald Welzer spricht von „Plattformkapitalismus“. Dessen Ikonen heißen Uber und Airbnb. Aus der Idee, private Autos und Wohnräume mit anderen für kleines Geld zu teilen, ist ein knallhartes Milliardengeschäft geworden.

Der typische Uber-Fahrer ist nicht mehr der Pendler, der gelegentlich den Nachbarn ein Stück mitnimmt. Sondern ein Billigchauffeur im Vollzeitmodus, schlecht bezahlt, nur scheinbar selbstständig und sozial in keiner Weise abgesichert.

Auch Airbnb ist den Kinderschuhen, als es um Übernachtungen im zeitweilig leeren WG-Zimmer ging, längst entwachsen. Viele Anbieter vermieten professionell, nicht selten im Graubereich des noch Erlaubten. Damit ist Airbnb groß und reich geworden: Im August wurde der Wert des Unternehmens mit 30 Milliarden US-Dollar angegeben, zwei Jahre zuvor waren es noch „nur“ zehn Milliarden. Ein bisschen teilen wäre jetzt nett.

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