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Sex-Industrie Die Ökonomie der Pornografie

Die Zeit der alten Sex-Konzerne ist am Ende. Das Geld wird heute im Internet mit fragwürdiger Software und Gratis-Seiten verdient.

Nur noch ein Ramschwert: die Aktien der Beate Uhse AG. Foto: ddp

Die Pornobranche ist wohl der größte Wirtschaftszweig der Erde, dessen wirtschaftliche Bedeutung fast völlig unbekannt ist. Lobbyverbände fehlen, die Akteure bleiben lieber im Dunkeln. Groß sind die Erträge, sie könnten allerdings auch gigantische Ausmaße annehmen. Die Schätzungen über die jährlichen Umsatzzahlen allein mit Internet-Pornos belaufen sich auf eine Milliarde bis knapp 100 Milliarden Dollar.

Einige wenige Sex-Unternehmen sind an der Börse notiert und ermöglichen so einen Einblick in ihre Geschäftszahlen. Doch den Traditionsanbietern geht es inzwischen so schlecht, dass sie kaum noch stellvertretend für die Branche stehen. Playboy Enterprises zum Beispiel musste im letzten Quartal einen Verlust von 3,8 Millionen Euro verbuchen. Seit Jahren schrumpft die Auflage des Magazins. Die Beate Uhse AG ist nur noch ein Ramschwert. Versandhändler wie Amazon bieten inzwischen ebenfalls ein riesiges Programm an Erotik-Artikeln.

Das Geschäft mit Filmen und Bildern dagegen hat sich ins Internet verlagert – mit meist unbekannten Hintermännern. Gut 40 Prozent der Internetnutzer sind laut Internet Pornography Statistics auf Sex-Seiten unterwegs. Vier der hundert global meistbesuchten Webseiten sind laut dem Branchendienst Alexa Sexangebote.

Eine Studie, an der die Technische Universität Wien, die University of California und das Institut Eurecom beteiligt waren, hat kürzlich die Online-Ökonomie des Sex unter die Lupe genommen. Rund 92 Prozent der Seiten, so das Ergebnis, sind gratis zugänglich. Die Vorurteile über unsichere Sexseiten stimmen allerdings: Großenteils dient das Gratis-Porno-Netz (die Studie umfasste 270 000 Webseiten) dazu, mit Lockfilmen- und Bildern Nutzer auf Bezahl-Seiten zu ziehen, aber auch störende Weiterleitungen kommen zum Einsatz.

Gratis-Pornos ruinieren das Geschäft

Doch die Gratis-Angebote machen das Geschäft kaputt: Die kalifornische Fachpublikation AVN zitierte Steve Grooby, den Eigentümer des Anbieters GroobyProductions.com: „Gratis-Angebote sind außer Kontrolle.“ Es ergebe keinen Sinn, den Nutzern zu viel gratis zur Verfügung zu stellen. Die Zuströme und Einnahmen der Bezahlseiten brechen dadurch ein, so seine Beobachtung.

Gratis-Porno-Seiten fußen aber noch auf einem anderen Geschäftsmodell: Die Weiterleitungen sind käuflich und deshalb auch leicht durch Übeltäter zu missbrauchen. Das haben die Autoren der Uni-Studie selbst ausprobiert. Für gerade einmal 160 Dollar konnten sie 20 000 infizierbare Computer zu sich locken. „In der Industrie haben viele ein Geschäftsmodell, das auf fragwürdigen Praktiken basiert und sehr leicht für bösartige Vorhaben und Cyber-Kriminalität verwendet werden kann“, so die Studie.

Gilbert Wondracek, Co-Autor der Studie, sagt: „Es ist schwierig geworden, mit Sex im Netz legal Geld zu verdienen.“ Viele der Bezahlseiten mit professionellen Darstellern dürften defizitär sein. Spezielle Angebote, wie etwa Amateur-Videos liefen aber gut. „Die kommen ohne Gratis-Angebote aus“, sagt er.

Jede technische Neuerung wird von der Branche indes als Chance gesehen. So sind Smartphone-Nutzer bereit, für Inhalte auch zu zahlen. Im Juli, berichtete das Marktforschungsunternehmen Bytemobile, machten Porno-Angebote 15 Prozent des gesamten Video-Datenverkehrs in den Netzen aus. Auch das neue iPhone 4 mit seiner verbesserten Video-Chat-Funktion lockt umtriebige Unternehmer an. Die Nachrichtenagentur AP berichtete kürzlich, in fünf US-Städten würden Mitarbeiter für iPhone-Erotik-Chats per Stellenanzeige gesucht.

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