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Seuchengefahr Schweinepest rückt näher

Die Befürchtung der hiesigen Politiker und Landwirte ist eingetroffen: Die Seuche Schweinepest hat sich erstmals bis nach Belgien ausgebreitet und ist von Deutschland nicht mehr weit entfernt.

Schweine
Schweinepest ist nicht ungefährlich. Foto: rtr

Nun ist eingetreten, wovor Tiermediziner und Seuchenexperten seit langem gewarnt haben: Die bisher in Osteuropa grassierende Afrikanische Schweinepest hat unvermittelt mehr als 1000 Kilometer Luftlinie überwunden und ist erstmals in Westeuropa festgestellt worden, genauer: in der südbelgischen Gemeinde Etalle, im Grenzgebiet zu Frankreich und Luxemburg, aber auch lediglich 60 Kilometer von deutschem Staatsgebiet entfernt. Sollte sich die hochansteckende, nur für Wild- und Hausschweine gefährliche Erkrankung weiter ausbreiten, gerieten folglich auch hiesige Schweinebestände in Gefahr, mit unabsehbaren finanziellen Folgen für die Halter.

Politiker in Bund und Ländern reagierten alarmiert. „Die neue Situation nehme ich sehr ernst“, erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Die Erkrankung stelle auch für Deutschland eine Bedrohung dar, Vorbereitungen auf den Krisenfall würden getroffen. Fast wortgleich äußerte sich Klöckners niedersächsische Amtskollegin Barbara Otte-Kinast (CDU).

Bauern sind wegen Schweinepest nervös

Besorgt zeigten sich auch die etwaigen Hauptbetroffenen, die Bauern, die ihre Höfe in der Nähe der deutsch-belgischen Grenze haben. „Mit großer Beunruhigung schauen die rheinischen Landwirte auf die Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Belgien“, erklärte der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV). Die Nervosität sei groß, denn außer Prävention und Vorsicht könne momentan nicht viel getan werden. Eine konsequente Hygiene sei das A und O, erklärte der Verband. Er plädiert außerdem dafür, mehr Wildschweine im Grenzgebiet zu jagen, um die Seuche einzudämmen – wenn nötig auch in Naturschutzgebieten. Sollte die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland ausbrechen, habe das für die landwirtschaftlichen Betriebe „massive Auswirkungen“.

Die Sorge kommt nicht von ungefähr. Zwar ist die Afrikanische Schweinepest sowie der Verzehr infizierter Tiere für den Menschen völlig ungefährlich, sie rafft aber Hausschweinbestände und Wildschweinrotten binnen kurzer Zeit dahin. Die Ausbreitung einzudämmen ist schwierig, weil die Seuche nicht nur von Tier zu Tier übertragen werden kann, sondern auch von Menschen über Essensreste. Schon ein altes Brot am Straßenrand, belegt mit infizierter Wurst, reicht aus, wenn sich das nächste Wildschwein den Happen schnappt.

So könnten Reisende – Touristen, Geschäftsleute und Fernfahrer – von Europa aus, ohne es zu ahnen, die Krankheit über große Entfernungen hinweg verbreiten. Dies sei nun offenbar geschehen, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit am Freitag mit.

Keine Impfstoffe gegen Seuche

Da kein Impfstoff gegen die Seuche vorhanden ist, bleiben allein traditionelle Methoden, um die Seuche einzudämmen: Sperrgebiete ausweisen, die Jagd aufs Schwarzwild intensivieren, infizierte Hausschweinbestände keulen. Klöckner appellierte an die Schweinemastbetriebe, die Vorgaben der geltenden Schweinhaltungshygieneverordnung strikt einzuhalten. Jäger sollten verendete Wildschweine den Behörden melden.

Bereits im Juni hatte das Ministerium Änderungen des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes auf den Weg gebracht, die unter anderem das Umzäunen pestbetroffener Gebiete ermöglichen und Jagdbeschränkungen aufheben. Diese Regelungen sollen in Kürze in Kraft treten.

Eine Garantie bieten all diese Vorkehrungen aber nicht. Von einem Übergreifen der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland wären vor allem die großen Mastbetriebe in der niedersächsischen Region Cloppenburg-Vechta betroffen. Dabei geht es nicht nur um Verluste, die das Keulen von Großbeständen mit vielen Tausend Tieren verursachen könnte, sondern um das Exportgeschäft. Allein China kaufte im vergangenen Jahr rund 2,6 Millionen Tonnen Schweinfleisch von deutschen Händlern. Sollte Peking die Einfuhr wegen der Schweinepest stoppen, gingen die Verluste in die Milliarden.

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