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Seidenstraße Handelsstraße bedroht den seltenen Amur-Tiger

Naturschützer schlagen Alarm, weil Chinas Großprojekt die Lebensräume von Tieren und Pflanzen gefährdet

Amur-Tiger
Der majestätische Amur-Tiger ist vom Aussterben bedroht. In Russland und China leben nur noch 500 seiner Verwandten. Foto: imago

Das Projekt hat einen Namen, der sanft klingt – die „neue Seidenstraße“. Doch anders als das alte Netz von Karawanenstraßen, dessen Hauptroute Ostasien auf dem Landweg mit dem Mittelmeer verband, ist das von China geplante, Kontinente überspannende Handels- und Logistik-Netzwerk mit enormen Eingriffen in die Natur verbunden. Auch der Ressourcen- und Energieverbrauch im globalen Transportsektor könnte deutlich steigen und das Vorhaben in Konflikt mit den Zielen des Paris-Klimavertrages bringen, warnen Umweltexperten.

China hat bereits begonnen, seine 2013 vorgestellte Vision des riesigen Infrastruktur-Netzes umzusetzen, das neue Verbindungen über den Land- und Seeweg zu verschiedenen Teilen Asiens, Europas und Afrikas schaffen soll. Peking zufolge haben sich 65 Länder angeschlossen, die zusammen zwei Dittel der Weltbevölkerung stellen und für ein Drittel des Weltwirtschaftsleistung stehen. Die neue Seidenstraße – offiziell „One belt, one road“ (ein Band, eine Straße) genannt – bedeutet einen massiven Erweiterung der Straßen- und Eisenbahn-Infrastruktur, den Bau neuer Häfen am Indischen und Pazifischen Ozean sowie den Bau von Öl- und Gaspipelines nach Russland, Kasachstan und Myanmar.

Für das Seidenstraßen-Netz wurden mehrere Korridore definiert, in denen die neuen Trassen verlaufen sollen. Die Umweltstiftung WWF sieht hier große Gefahren für dem Naturschutz.

Laut einem WWF-Bericht überlappen sich diese Korridore mit über 1700 Vogelschutz-Schlüsselgebieten sowie 46 „Hotspots“ der biologischen Vielfalt, in denen viele bedrohte Arten leben. Letztere gelten als absolut schützenswert, da von zentraler Bedeutung, um den Erhalt von Tier- und Pfanzenarten zu sichern. Unter anderm würde der Bau der neuen Seidenstraße zusätzliche Risiken für den Bestand des Amur-Tigers und andere vom Aussterben bedrohter Tiere bedeuten. Die neuen Trassen könnten sich laut WWF zu Barrieren für einige Tier- und Pflanzenarten entwickeln oder gar den kompletten Verlust von bestimmten natürlichen Lebensräumen bedeuten. Außerdem drohen sie ein Einfallstor für sogenannte invasive Arten zu werden, die sich in neue Regionen ausbreiten, wo sie das biologische Gleichgewicht stören können.

Eine soeben erschienene Studie eines internationalen Expertenteams warnt vor weiteren Risiken. Dazu gehört eine erhöhte Umweltverschmutzung, vor allem durch die Abgase von Lastwagen, Zügen und Schiffen. Zudem führe der Verbrauch von Rohstoffen und Kraftstoffen sowie die verstärkte Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen zu einer zunehmenden Abhängigkeit von fossilen Energien und hohen Treibhausgas-Emissionen, heißt es in der Untersuchung. Sie wurde vom Portugiesischen Forschungszentrum für Biodiversität und Genetische Ressourcen zusammen mit der Universität Halle-Wittenberg und dem deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung erarbeitet.

Die Umwelforscher halten es für notwendig, dass alle Teilprojekte der Seidenstraße einer Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung unterzogen werden. „Dazu gehört, dass von Anfang an in dem Entscheidungsprozess das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Entwicklungsplänen umfassend betrachtet wird – einschließlich der Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Biodiversität“, meint Fernando Ascensão, der Leitautor der Studie. Die Experten verweisen darauf, dass China im eigenen Land zumindest theoretisch die Voraussetzungen für ein solches Vorgehen geschaffen hat. Die Umweltgesetze schreiben für alle wirtschaftlichen Großprojekte solche Umweltprüfungen vor. Die Forscher raten Peking an, diese „guten Umweltpraktiken“ auch für die neuen Handelskorridore außerhalb seines Staatsgebietes mit den jeweiligen Ländern verabreden.

An Entscheidungen sollten neben Regierungen und Finanzinstitutionen auch Nichtregierungsorganisationen, betroffene Kommunen und Experten aus den Bereichen Naturschutz, Klimawandel und Gesundheit beteiligt werden. Dann sei es möglich, bei der Seidenstraße ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Entwicklung und ökologischer Nachhaltigkeit zu erreichen. Ascensãos Kollege Henrique Pereira meint sogar: „Das könnte für China eine Chance zur Übernahme einer Führungsrolle bei der weltweiten Förderung der Nachhaltigkeit bedeuten.“

Glaubt man Chinas Staatspräsident Xi Jinpings Worten, ist das so abwegig nicht. Er hat sich für eine „grüne, gesunde, intelligente und friedliche“ Seidenstraße ausgesprochen und die kooperierenden Länder dazu aufgefordert, dafür den Umwelt- und Naturschutz zu verbessern. Daran muss gemessen werden, was in der Praxis passiert. 

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