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Schweiz Negativzinsen Schweiz führt Negativzinsen für Großanleger ein

Die Schweizer Nationalbank führt Negativzinsen für Großanleger ein. Für Giro-Einlagen oberhalb eines Freibetrags von umgerechnet 8,3 Millionen Euro soll ein Abschlag von 02,5 Prozent erhoben werden. Warum aber verschrecken die Notenbanker millionenschwere Kunden?

Die Schweizer Nationalbank will auf Giroguthaben über zehn Millionen Franken einen Negativzins erheben. Foto: dpa

Für gewöhnlich sind vermögende Bankkunden in der Schweiz willkommen. Man erfreute die betuchte Klientel in der Vergangenheit gelegentlich mit dem Hinweis auf steuersparende Anlageformen und pflegt überdies unbedingte Diskretion. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Schweizer Nationalbank in Kürze auf Giroguthaben oberhalb einer Freigrenze von zehn Millionen Franken einen Negativzins von 0,25 Prozent erheben wird. Vom 22. Januar an müssen Pfandbriefanstalten, Kreditinstitute, Versicherungen und andere Großanleger den Abschlag in Kauf nehmen.

Die Schweiz wehrt sich gegen Anlagevermögen? Genau das tut sie, und zwar aus gutem Grund. Der Verfall des Ölpreises, ein ins Bodenlose stürzender Rubel, die unsichere Lage in Griechenland und die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank haben einen regelrechten Anleger-Run auf die Schweiz ausgelöst, der den Kurs des Franken stark steigen ließ. Vor allem der Euro hat gegenüber dem Franken eingebüßt: Vor fünf Jahren mussten für einen Euro noch 1,50 Franken bezahlt werden, seit September 2011 verteidigt die Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken, um die exportabhängigen Schweizer Unternehmen zu stützen. Dieser Grenze hat sich der Kurs nun wieder angenähert.

Das Wohl der Schweizer Wirtschaft ist zu weiten Teilen vom Exportgeschäft abhängig. Im vergangenen Jahr führte das Land Güter im Wert von 201,2 Milliarden Franken aus. Sieben der neun wichtigsten Branchen steigerten ihre Ausfuhren, allen voran die Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit einem Plus von 7,1 Prozent. Doch auch Kunststoffproduzenten, Uhren- und Präzisionsinstrumente-Hersteller, Chemie- und Pharmaunternehmen, Metall-, Maschinenbau- und Elektroindustrie verzeichneten Zuwächse. Mehr als die Hälfte der Ausfuhren gehen in den Euroraum. Wichtigster Handelspartner ist Deutschland.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr ein starker Franken die Schweizer Wirtschaft beeinträchtigen kann. Aus diesem Grund greift die Nationalbank seit Herbst 2011 massiv ins Wechselkursgeschehen ein. Damals hatten Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten den Kurs des Euro auf 1,12 Franken gedrückt. Die Notenbanker erklärten daraufhin, einen Kurs unterhalb von 1,20 Franken keinesfalls mehr zu akzeptieren. Um ihn auch weiterhin dort zu halten, greifen sie mit dem Negativzins nun erneut zum großen Besteck. Die Eidgenossen schrecken Anleger ab? Ja, genau.

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