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Schufa-Auswertung Auf Pump

Verbraucher in Deutschland sind vorbildliche Kreditnehmer. Dennoch sitzen viel zu viele fest in der Schuldenfalle. Eine Analyse.

Die Bundesbürger haben entgegen aller Befürchtungen den Verlockungen durch die extrem niedrigen Zinsen bisher widerstanden. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls die Schufa, die unter anderem Banken Auskunft über die Kreditwürdigkeit der Kunden erteilt. „Deutschlands Verbraucher sind sehr zuverlässige Kreditnehmer“, meint Schufa-Chef Michael Freytag. „Sie haben ihre Finanzen fest im Griff.“

Die Schufa-Auswertung zeigt, dass die Konsumenten im vergangenen Jahr 97,8 Prozent ihrer Darlehen zurückzahlten. Damit bleibt dieser Wert auf konstant hohem Niveau. Daher erscheint es auch verkraftbar, dass die Zahl der neuen Kreditverträge um fast viereinhalb Prozent auf über acht Millionen gestiegen ist. Im Schnitt liehen sich die Verbraucher 10 272 Euro, 47 Euro mehr als ein Jahr zuvor.

Das Wachstum lässt sich sachlich und unaufgeregt gut begründen. Mit der guten Konjunktur nimmt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Deutschen zu. Auch sind Ältere deutlich öfter als früher bereit, sich für größere Anschaffungen noch einmal Geld zu borgen. Ihr Anteil an der Bevölkerung aber erhöht sich, so dass die Schufa schon allein aus demographischen Gründen mit einer weiteren Zunahme der Kredite rechnet.

Allerdings lässt sich aus den positiven Durchschnittswerten nicht der Schluss ziehen, dass Überschuldung kein Problem mehr wäre. Bei neun von zehn Privatleuten teilt die Schufa den Banken und anderen Kreditgebern mit, dass sie keine Hinweise auf Zahlungsstörungen in der Vergangenheit vorliegen hat. Bei 9,4 Prozent aber liegen ihr Negativmerkmale vor. Diese Quote verharrt trotz der drastisch gesunkenen Arbeitslosigkeit und der guten Wirtschaftslage auf diesem Niveau und ist zuletzt sogar minimal gestiegen.

Ähnlich sieht es bei den Personen mit sogenannten harten Negativmerkmalen aus. Diese Leute mussten beispielsweise eine Vermögensauskunft (früher eidesstattliche Versicherung) abgeben oder wurden sogar per Haftbefehl angetrieben, sich zu ihren finanziellen Verhältnissen zu äußern. Diese Gruppe macht 4,9 Prozent aus.

Daher stellt sich aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatungen die Lage keinesfalls so rosig da. Nach ihren Angaben sind hierzulande 6,7 Millionen Männer und Frauen überschuldet. Hier zeige sich trotz des nachhaltigen Aufschwungs Konstanz. Meist führen Schläge wie Arbeitslosigkeit, Trennung und Scheidung oder Krankheit in die Zahlungsunfähigkeit. Zwar hat der Gesetzgeber mit der Reform der Verbraucherinsolvenz 2014 die rechtliche Situation der Betroffenen verbessert. Aber die sich verschärfende Spaltung der Gesellschaft führt dazu, dass ein großer Kreis von den Wohlstandsgewinnen kaum oder gar nicht profitiert oder etwa durch den Abbau von Jobs ohne hohe Qualifikationsanforderungen sogar zurückfällt.

Zudem bleiben juristische Defizite. Für Hartz-IV-Bezieher ist eine Schuldnerberatung kostenlos. In vielen Kommunen gilt dies jedoch für Betroffene nicht, die mit ihrem Einkommen knapp über der Schwelle liegen. Sie leben aber am Existenzminimum, weil die Kreditverpflichtungen oder schon Pfändungen an ihren ohnehin niedrigen Bezügen zehren. Weil sie von den Hilfsangeboten ausgeschlossen werden, geraten sie daher häufig noch tiefer in die Überschuldung.

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