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Schlechte Bilanz Die Natur schlägt zurück

Der Rückversicherer Munich Re zieht eine alarmierende Katastrophen-Bilanz für 2010. Die meisten Todesopfer und die größten finanziellen Schäden verursachten Erdbeben.

03.01.2011 16:29
Thomas Magenheim
Richtete 2010 verheerende Schäden an: Die Flutkatastrophe in Pakistan. Foto: REUTERS

Bei Naturkatastrophen lagen Glück und Unglück 2010 nahe beieinander. Das ist das Fazit des führenden Rückversicherers Munich Re. Ihre grausame Seite zeigte die Natur dabei mit einer historisch seltenen Häufung schwerer Erdbeben, wie dem in Haiti, das allein mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet hat. Glück hatten Menschen und Assekuranz dagegen bei einer Vielzahl von Stürmen in Hurrikanstärke, weil sich diese zuletzt vorwiegend auf den Meeren entladen und kaum Verwüstungen an Land angerichtet haben. „Das hätte auch anders ausgehen können“, stellt Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek klar. Der Klimawandel bleibe aber eine Bedrohung und schreite ungebrochen voran.

Ablesen lässt sich das an der hohen Zahl von 950 Naturkatastrophen weltweit. Nur einmal in den vergangenen 30 Jahren habe es noch mehr schwere Stürme, Überschwemmungen oder Erdbeben gegeben, betont die Munich Re, die als weltgrößter Rückversicherer für Schäden vielfach aufkommen muss. Neun Zehntel aller Naturkatastrophen, wie die jüngsten Überschwemmungen in Pakistan, waren 2010 wetterbedingt. Vor allem schwere Stürme würden durch einen anhaltenden Anstieg der Wassertemperaturen in den Weltmeeren begünstigt, wofür auch der Klimawandel verantwortlich sei, warnt Munich Re-Risikoforscher Peter Höppe.

Erdbeben verursachten die größten Schäden

Die jüngste Hurrican-Saison habe 19 schwere Tropenstürme gebracht, die dritthöchste Zahl seit 1933. „Die Zahl der Stürme liegt weit über dem Durchschnitt“, betont Höppe. Der Trend zu höheren Wassertemperaturen werde sich in den nächsten Jahren weiter verstärken und eine anhaltend hohe Hurrikan-Aktivität nach sich ziehen.

Der hierzulande kalte und schneereiche Winter dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2010 im globalen Maßstab und vielen Regionen der Erde neue Temperaturrekorde gebracht hat, ergänzt Munich Re-Experte Ernst Rauch. 2010 sei nach den Daten des nordamerikanischen Wetterdiensts Noaa das weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1850 und die Kälte in Mitteleuropa eine regionale Ausnahme gewesen. Dürren seien eine weitere Form von potenziell klimabedingtem Extremwetter. So habe die zweimonatige Hitzewelle im vorigen Jahr in Russland bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius auch wegen der damit verbundenen Luftverschmutzung mindestens 56.000 Menschenleben gekostet.

Die weit meisten Todesopfer und die finanziell größten Schäden von gesamtwirtschaftlich global rund 130 Milliarden Dollar haben 2010 aber Erdbeben gefordert. Etwa 37 Milliarden Dollar davon waren versichert, womit 2010 zu den schadenintensivsten Jahren der Assekuranz seit 1980 gehört, betont die Munich Re. Gegen wetterbedingte Katastrophen helfe vor allem der Kampf gegen den Klimawandel. Bei Erdbeben könnten hohe Baustandards das Ausmaß des Leids lindern. So sei beim Erdbeben in Chile 2010 fünfhundert Mal mehr Energie freigesetzt worden als bei der verheerenden Katastrophe in Haiti. In Chile sind aber mit 520 vergleichsweise wenige Menschen ums Leben gekommen.

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