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Schlaf-Studie Schlechter Schlaf macht schlechte Laune

Frauen und Ostdeutsche schlafen häufig schlecht, zeigt eine Krankenkassen-Studie. Weil beruflicher Stress oft der Grund ist, fordert ein Experte ein Umdenken von den Unternehmen.

Schlafstörung
Schlechter Schlaf hat Folgen für Gesundheit und Psyche. Foto: imago

Das Gute vorab: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland schläft gut. Zwei von drei Erwachsenen sind mit ihrer Schlafqualität zufrieden. Wer jedoch im Schichtdienst arbeitet oder flexible Arbeitszeiten hat, leidet deutlich häufiger unter schlechtem Schlaf. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Techniker Krankenkasse (TK) in Zusammenarbeit mit dem Forsa-Institut. 

„Knapp 40 Prozent sehen Jobstress als Hauptursache, warum sie nicht in den Schlaf finden“, erklärte Peter Wendt von der TK. Wer unregelmäßige Arbeitszeiten hat, schläft weniger. Während knapp jeder zweite Berufstätige (48 Prozent) mehr als sechs Stunden pro Tag schläft, schafft das nur jeder Dritte der sogenannten Flex-Beschäftigten. 17 Prozent von ihnen schlafen sogar weniger als vier Stunden. Unter allen Berufstätigen machen das nur sieben Prozent. Wer unregelmäßig arbeitet, bewertet auch die Qualität seines Schlafes weniger oft mit „sehr gut“ oder „gut“.

Das hat Folgen. „Wer schlecht oder zu wenig schläft, hat oft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Verdauungsproblemen oder Übergewicht zu kämpfen“, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Forscher und Gesundheitsexperten empfehlen für Erwachsene sechs bis acht Stunden Schlaf pro Tag. Unter den Befragten mit schlechtem Schlaf gaben 54 Prozent an, Muskelverspannungen zu haben, bei jenen mit gutem Schlaf waren es nur 35 Prozent. 

Schlechter Schlaf ist ein Teufelskreis

Schlechter Schlaf hat auch psychische Auswirkungen, macht schlechte Laune. Schlechtschläfer sind drei Mal häufiger gereizt als ausgeschlafene Menschen. Auch fühlen sie sich deutlich häufiger erschöpft und niedergeschlagen. Wer wiederum schlechter Gesundheit ist, quält sich deutlich öfter mit dem Einschlafen als Gesunde. Ein Teufelskreis.

Ein anderes Ergebnis ist, dass Schlafprobleme vermehrt bei Frauen und Menschen aus den östlichen Bundesländern auftreten. So belegt auch diese Studie, dass Gesundheit auch vom beruflichen und sozio-ökonomischen Status abhängt. Jede dritte Frau gab an, bei leichten Geräuschen aufzuwachen, bei den Männern nur 13 Prozent. 

Auch verspüren Frauen häufiger den Wunsch nach einem Mittagsschlaf oder fühlen sich nicht ausgeruht nach dem Aufwachen. Im prosperierenden Baden-Württemberg kommen die Menschen leicht in den Schlaf, nur jeder zwanzigste berichtet von Einschlafproblemen. Ganz anders ist das in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hier klagt jeder Fünfte darüber.

Kosten von schlechtem Schlaf steigen mit flexiblen Arbeitszeiten

Für Gesundheitssystem und Unternehmen hat schlechter Schlaf finanzielle Konsequenzen. „Die echten Kosten von schlechtem Schlaf unterschätzen wir oft“, sagte TK-Vorstandschef Baas. Und sie werden, angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten, mehr. Die Krankenkasse hat aus Daten ihrer Versicherten errechnet, dass sich die Zahl der Menschen, die wegen psychisch bedingter Schlafprobleme krankgeschrieben wurden, seit 2010 um 90 Prozent erhöht hat. 

„Wir brauchen einen Kulturwandel in Deutschland beim Thema Schlaf“, sagte Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung, das Unternehmen bei Gesundheitsangeboten für Mitarbeiter berät. „Wer lange schläft, wird als Langschläfer verspottet“, kritisierte Walter. Wer wenig schlafe, keine Pausen mache, dem werde hingegen Anerkennung entgegengebracht. Walter fordert ein Umdenken. „Die Führungskräfte müssen Vorbilder sein“, forderte er. Etwa, indem sie pünktlich nach Hause gehen. Firmen könnten auch Ruheräume einrichten, wo ein Mittagsschlaf möglich ist. 

Es gibt viele Tipps für besseren Schlaf: richtige Raumtemperatur, wenig Fernsehen, Dunkelheit im Zimmer. Und das Smartphone abschalten.

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