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Sanierungsfall Beate Uhse ist insolvent

Dem Unternehmen Beate Uhse geht es schon seit längerem schlecht. Der Erotikpionier hat den Sprung ins Online-Zeitalter nicht geschafft.

Beate Uhse in Flensburg
Erotikspielzeug und Reizwäsche in einem Beate Uhse-Geschäft in Flensburg. Foto: dpa

Es begann mit Versand von Aufklärungsbroschüren und Kondomen, später wurde der erste Sexshop der Welt eröffnet, woraus sich schnell eine florierende Ladenkette entwickelte. Nun steht der Pionier der Erotikindustrie vor der Pleite, weil das Management den Niedergang des Unternehmens in den Zeiten der Digitalisierung nicht aufhalten konnte: Die Flensburger Beate Uhse AG hat am Freitag Insolvenz beantragt. Ziel des Verfahrens soll die Sanierung der Firma sein. Die Geschäfte laufen vorerst weiter.

Dem Unternehmen Beate Uhse geht es schon seit längerem schlecht. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete es einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Erste Anzeichen dafür, dass sich die Probleme zuspitzen, gab es schon Ende November, als die Aktiengesellschaft die eigentlich für kommenden Dienstag geplante Hauptversammlung des Unternehmens absagte und auf nächsten März verschob. Auch der Jahresbericht wurde bisher nicht veröffentlicht.

Beate Uhse ist zwar ein Vorreiter des Versandhandels, hat aber ähnlich wie Quelle den Sprung ins Online-Zeitalter nicht geschafft. Das Geschäft mit Sexfilmen und damit auch mit den früher üblichen Video-Kabinen in Erotikshops ist weggebrochen, seitdem Pornos kostenlos im Internet zu sehen sind. Die Konzentration auf Sexspielzeug oder Dessous hat nicht die erhoffte Wende gebracht, obwohl es in diesem Segment erfolgreiche Neugründungen wie Eis.de gibt. Marketing-Experten führen den Niedergang der Flensburger auch darauf zurück, dass die Marke „Beate Uhse“ bei den Deutschen noch immer ein Schmuddelimage hat.

Keine Einigung mit den Gläubigern

Die drohende Pleite hat mit Problemen bei der Bedienung einer Firmenanleihe über 30 Millionen Euro zu tun. Nach Angaben des Unternehmens konnte mit den Gläubigern keine Einigung erzielt werden, weshalb die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit bestanden habe. Beantragt wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. Dieses Verfahren zielt nicht auf eine Abwicklung ab, sondern auf eine Sanierung des Unternehmens, indem zum Beispiel Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten.

Der wichtigste Unterschied zum normalen Insolvenzverfahren besteht darin, dass die Geschäftsführung nicht durch einen Insolvenzverwalter ersetzt wird. Ihr wird aber ein sogenannter Sachwalter von Außen zur Seite gestellt. Das Management behält damit weitgehend die Kontrolle. Gleichzeitig schützt das Insolvenzverfahren das Unternehmen vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger.

Dass sich mit dem gewählten Verfahren das zahlungsunfähige Unternehmen tatsächlich sanieren lässt, ist aber unsicher: Auch Air Berlin hatte eine Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt, mittlerweile ist die Fluglinie Geschichte. Beim Fernsehhersteller Loewe aus Kronach gelang hingegen auf diesem Weg eine Sanierung.

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